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Werkstattgespräch über die romantische Kunst mit Florian Illies

„Da liegt ein ganzes Jahrhundert brach“ Werkstattgespräch über die romantische Kunst mit Florian Illies

Es gibt zu wenig Geheimnisse. Alles ist erklärbar, alles ist untersucht. Daran störte sich schon der Dichter und Philosoph Novalis, der um 1800 forderte: „Die Welt muss romantisiert werden.“ Dabei hegt gerade die Kunst der Romantik dieses romantische Potential.

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Quelle: EF

Göttingen.  Sie ist wenig erforscht, wird auf dem Kunstmarkt kaum geachtet, und spielt auch in den Museen eine untergeordnete Rolle.

In einem Werkstadtgespräch unter dem Titel „Romantik. Zur Neubewertung einer Epoche“ erzählt Florian Illies, warum romantische Kunst lange missachtet wurde. Illies arbeitet für das Berliner Aktionshaus Villa Grisebach und ist zudem Autor und Journalist. Moderiert wird das Gespräch, das zum Begleitprogramm der aktuellen Ausstellung „Sterbliche Götter. Raffael und Dürer in der Kunst der deutschen Romantik“, von Prof. Michael Thimann, Direktor am Kunstgeschichtlichen Seminar. Die Veranstaltung in der Gemälde- und Skulpturensammlung der Universität ist so gut besucht, dass nicht alle Zuhörer einen Sitzplatz bekommen.

„Es ist ganz erstaunlich. Da liegt ein ganzes Jahrhundert brach“, so. Als Erklärung führt er die 68-Generation an, die die Kunst des 19. Jahrhunderts schon deshalb verschmähten, weil sie einst bei den Nationalsozialisten hoch angesehen war. Auch die religiösen Motive der nazarenischen Kunst, einer überwiegend dem Katholizismus nahestehenden Strömung der Romantik, sind heute nicht sehr gefragt.

„Wenn wir nazarenische Kunst verkaufen, dann verkaufen wir sie, so komisch es klingt, nach Kalifornien“, erzählt Illies. Den Grund dafür sieht er dort in einer generellen Unbefangenheit: „Für sie ist das nicht wie für uns eine Erinnerung an den Kindergottesdienst.“ Aus der Nähe zu Hollywood ließe sich der Schluss ziehen, dass die amerikanischen Sammler in den Bildern eher eine Art Filmset sehen. Ein Bühnenaufbau, den man, abseits der religiösen Semantik, für seine ausgereifte Komposition, die Farbgebung und das handwerklichen Können des Künstlers schätzt.

Auch durch das Interesse aus Amerika öffne sich der Markt für die Kunst des 19. Jahrhunderts nun allmählich, meint Illies. Er funktioniere  allerdings anders als bei anderen Kunstströmungen. „Diese Bilder sind keine Handelsware“, meint Illies. „Das liegt auch nicht in irgendeinem Lager, bis es wertvoller geworden ist, sondern es hängt an den Wänden.“ Für ihn sind Sammler romantischer Kunst wirkliche Liebhaber und keine Spekulanten. Auch darin liegt eine gewisse Romantik.

Den nächsten Vortrag zur Ausstellung „Sterbliche Götter. Raffael und Dürer in der Kunst der deutschen Romantik“ hält Dr. Thomas Schauerte, Leiter des Albrecht-Dürer-Hauses und der Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg am Mittwoch, 8. Juli. Sein Vortrag „Reise ans Ende der Welt. Dürers Holzschnitt ‚Reiter und Landsknecht‘ in neuer Deutung“, beginnt im 18.30 Uhr im Hörsaal PH 12 im Archäologischen Institut , Nikolausberger Weg 15, Göttingen.

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