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Göttingen Wichtigster Wissenschaftspreis für Treue
Campus Göttingen Wichtigster Wissenschaftspreis für Treue
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19:53 03.12.2009
Will wissen, wie Aufmerksamkeit das Sehen beeinflusst: Leibniz-Preisträger Stefan Treue. Quelle: pug
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Im nächsten Jahr zeichnet die Deutsche Forschungsgemeinschaft ihn und weitere neun Wissenschaftler mit dem Leibniz-Preis aus. Der mit bis zu 2,5 Millionen Euro dotierte Preis wird im März in Berlin verliehen, dann zum 25. Mal.

Treue erforscht vor allem die Prinzipien der Aufmerksamkeitssteuerung, die zu den Grundmerkmalen der höheren Hirnfunktionen zählen. In weltweit beachteten Untersuchungen mit Menschen und Rhesusaffen konnte er zeigen, dass und in welchem Maße Aufmerksamkeit die Bewegungsverarbeitung und die Wahrnehmung und Verarbeitung sensorischer Reize beeinflusst. Die Ergebnisse seiner Arbeiten haben einen starken Einfluss auf große Teile der Hirnforschung, urteilte die DFG.

Seit Anfang der 1990er-Jahre beschäftige er sich mit dem Forschungsgebiet, sagte Treue gestern. Er wolle herausfinden, „wie Aufmerksamkeit unser Sehen beeinflusst und welche Rolle sie spielt.“ In Frankfurt am Main und Heidelberg studierte Treue Biologie, bevor er in die USA ging und am renommierten Massachusetts Institute of Technology promovierte. Nach Deutschland zurückgekehrt, habilitierte er sich in Tübingen in Physiologie.

Phänomene bei Verarbeitung

Seit 2001 ist Treue Geschäftsführender Direktor am DPZ. Hier und am Institut für Psychologie der Biologischen Fakultät der Universität Göttingen forscht er im Rahmen einer Brückenprofessur. Das sei ein besonderes Konstrukt, erklärte Treue, „diese Kombination hat meine Forschung vorangetrieben“. Sie sei deshalb eine Besonderheit, weil sie die Arbeitsmöglichkeiten an einem außeruniversitären Forschungsinstitut mit denen der Universität verbinde. Er habe als Forscher Zugang zu Kooperationen mit der Hochschule und auch zu deren Studierenden, so Treue. Deshalb ist der Leibniz-Preis für ihn „ein Preis, der die Stärken von Göttingen reflektiert.“

Die DFG erklärte, „nicht zuletzt durch Treues Arbeiten ist klar, dass neuronale Aktivitäten auf den unterschiedlichsten Ebenen des visuellen Systems durch Aufmerksamkeit beeinflusst werden. Hierzu konnte er zeigen, dass Aufmerksamkeitsphänomene schon bei der Verarbeitung von Informationen in Gehirnarealen, von denen zuvor angenommen wurde, dass sie durch kognitive Prozesse nicht erreicht werden, eine wichtige Rolle spielen“. Über die kognitiven Neurowissenschaften hinaus sind diese Ergebnisse auch für die Neurologie, Psychiatrie und Psychologie von großem Interesse. Und angesichts der stark zunehmenden psychischen Aufmerksamkeitsstörungen und anderer krankheitsbedingter Aufmerksamkeitsdefizite haben Treues Arbeiten über die Grundlagenforschung hinaus auch eine große klinische Relevanz.

Preisgeld bringt Freiheit

Alle Leibniz-Preisträgerinnen und -Preisträger, so DFG-Präsident Prof. Mathias Kleiner, ständen für wissenschaftliche Erkenntnisse und Errungenschaften von höchster Qualität und zeigten vor allem eines: „Auch in der Wissenschaft kommt es bei allem besonders auf den Menschen an. Am Ende ist es immer das Individuum, die einzelne Persönlichkeit, die Wissenschaft und Forschung voranbringt, getrieben vom eigenen Erkenntnisinteresse, von der eigenen Neugier und vom eigenen Mut, neue Fragen zu stellen und neues Terrain zu erkunden.“ Neben Renommee bringe der Preis mit seiner bedeutenden Fördersumme „auch Freiheit, dieses Geld in den kommenden sieben Jahren ganz nach ihren eigenen Vorstellungen und ohne bürokratischen Aufwand für ihre wissenschaftliche Arbeit zu verwenden“.

Die aus 170 Vorschlägen ausgewählten neun Wissenschaftler und eine Wissenschaftlerin werden den „Förderpreis im Gottfried Wilhelm Leibniz-Programm“ für das Jahr 2010 am 15. März 2010 in Berlin erhalten. Die einzige Wissenschaftlerin in der Preisträgerrunde ist Prof. Petra Schwille (41). Die Biophysikerin wechselte vom Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie im Jahr 2002 als Lehrstuhlinhaberin für Biophysik an die Technische Universität Dresden. Sie habe, so die DFG, mit ihren Arbeiten sowohl die Entwicklung als auch die Anwendung der Fluoreszenzspektroskopie zur Lösung von Fragen der Zellbiologie erheblich vorangetrieben.

Von Angela Brünjes

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