Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Wie Krähen Werkzeuge nutzen

Verhaltensforscher tagen in Göttingen Wie Krähen Werkzeuge nutzen

Beim Kongress der Ethologischen Gesellschaft vom 17. bis 19. Februar am Deutschen Primatenzentrum haben mehr als 130 Wissenschaftler über neue Ergebnisse und Methoden in der Verhaltensforschung diskutiert. Dabei wurden Kognition, Evolution und Verhalten von Bienen bis zu Menschenaffen unter die Lupe genommen.

Voriger Artikel
HAWK-Infotage für Schüler
Nächster Artikel
Professoren protestieren gegen Polizeieinsatz

Verhaltensforscher Christian Rutz.

Quelle: University of St Andrews

Im Mittelpunkt der Forschung von Friederike Range vom Wolf Science Center und dem Clever Dog Lab an der Veterinärmedizinischen Universität Wien stehen die geistigen und kooperativen Fähigkeiten von Hunden und Wölfen. In ihrem Vortrag hinterfragte die Verhaltensforscherin den vielfach angenommenen Einfluss der Beziehung von Mensch und Hund auf die sozialen Fähigkeiten der Vierbeiner.

Nach Range ist die soziale Kognition der Hunde nicht die Folge der Domestikation durch den Menschen sondern beruht auf der Nahrungserschließung der frei lebenden Vorfahren des Haushundes. Im Gegensatz zu Wölfen, die Beute kooperativ jagten, ernährten sich Hunde von Abfällen und Hinterlassenschaften des Menschen. Für ihren Überlebenserflog seien Eigenschaften wie Ausdauer bei der Nahrungssuche, Risikobereitschaft sowie Kooperation und Toleranz nicht mehr so entscheidend gewesen wie bei den Wölfen. In den Studien der renommierten Forscherin zeigten Wölfe deutlich höhere Werte in diesen Bereichen. „Die Nahrungsökologie erklärt viel besser, wie die Tiere miteinander umgehen, als die direkte Selektion gewisser Fähigkeiten durch den Menschen“, so Range.

Welche Werkzeuge die Neukaledonischen Krähe ( Corvus moneduloides) verwendet und wie er dem Werkzeuggebrauch auf die Spur komme, erklärte Christian Rutz von der schottischen St. Andrews Universität. Die Krähenart, mit dem im Vergleich zu allen anderen Arten der Gattung graden gewachsenen Schnabel, verfügt über ein außergewöhnliches Werkzeugverhalten. Dabei sei die Krähentechnologie komplexer als die von Schimpansen, verglich der Wissenschaftler. Die Vögel verwendeten nicht einfach Stöcke, die sie in ihrer Umwelt vorfänden, sondern sie stellten Werkzeuge her. Dazu bearbeiteten sie Äste geschickt mit ihrem Schnabel. Eines der Werkzeug verfüge über einen Haken zum Angeln der Nahrung aus Astlöchern, so Rutz „Die Neukaledonische Krähe ist damit die einzige Spezies, außer dem Menschen, die Hakenwerkzeuge benutzt“, betonte der Biologe. Bei der Herstellung der Werkzeuge gingen die Krähen äußerst sorgfältig vor. Das Wissen um die Fertigungstechnik hätten die Vögel scheinbar über Generationen verfeinert. Ob es sich hierbei um kulturelles Lernen und damit die Weitergabe erworbenen Wissens handelt, ist eine der Fragen, die der Krähenexperte als nächstes beantworten will. Von Verhaltensforschern werden seine Ergebnisse mit Spannung erwartet. Zur genauen Beobachtung des Krähenverhaltens setzt der Wissenschaftler eine kleine, eigens entwickelte Kamera ein. Sie wird am Schwanzgefieder der Krähe befestigt. Das High-Tech-Gerät filmt unter dem Bauch und zwischen den Beinen der Krähe durch und zeichnet auf, welche Werkzeuge die Krähen fertigen und einsetzen. An die Werkzeuge selbst zu gelangen, um sie zu untersuchen sei gar nicht so einfach, so Rutz. „Wir haben versucht die Tiere zu erschrecken, doch sie fliegen nie ohne die Werkzeuge weg,“ erklärte der Forscher. Dies sei ein weiterer Hinweis auf die Bedeutung der Werkzeuge zur Erschließung hochwertiger Nahrung, fügte der Forscher hinzu.

Wie vielfältig die Forschungsthemen und - methoden der aktuellen Verhaltensforschung sind, zeigten auch die Vorträge an den vorangegangenen Tagen. Catherine Crockford vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig zeigte beeindruckend, wie sich soziale Beziehungen bei Schimpansen auf den Hormonstatus auswirken und damit Stress reduzieren können. Während Lars Chittka von der Queen Mary Universität in London mittels Sendern die Bewegungsprofilen einzelner Hummeln vom ersten Flug bis zum Tod aufzeichnete und die Zuhörer zu interessierten Nachfragen anregte. Theoretischer aber keineswegs trocken wurde es bei dem Vortrag von Hanna Kokko von der Universität Zürich. Ausgehend von der Frage, warum Männer existierten betrachtete sie Energieaufwand und Vermehrungsraten verschiedener Fortpflanzungsarten. Das Erfolgsmodell der ausschließlichen Fortpflanzung einer Spezies über Eizelle und Spermium sei nicht das einzig mögliche, so die Forscherin. Bei Wasserflöhen ( Daphnien) pflanzen sich die Weibchen eingeschlechtlich über Jungfernzeugung fort. Sie sind jedoch auch in der Lage sich zweigeschlechtlich fortzupflanzen, ein Modell, dessen Vorteile nach Kokko beachtenswert sei und die Frage aufwerfe, warum es nicht häufiger vorkomme.

Die Kongressreihe der Ethologischen Gesellschaft findet jährlichen an einer Forschungseinrichtung im deutschsprachigen Raum statt. „Wir haben uns über das rege Interesse an dieser Konferenz sehr gefreut - es waren auch eine ganze Reihe von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen aus dem Ausland dabei. Besonders bemerkenswert war das hohe Niveau der Beiträge des wissenschaftlichen Nachwuchses. Die Verhaltensforschung kann einer sehr guten Zukunft entgegen sehen“, erklärte die diesjährige Organisatorin, Julia Fischer, Leiterin der Abteilung Kognitive Ethologie am Deutschen Primatenzentrum. kti

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ausstellung „on/off“ über den Nobelpreis in der Alten Mensa Göttingen