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Wie die Chemie den Alltag durchdringt

Tietze eröffnet Ringvorlesung Wie die Chemie den Alltag durchdringt

Viele Menschen verbinden wenig Positives mit Chemie, wenn auch die Akzeptanz dieser wichtigen Naturwissenschaft in den vergangenen Jahren wieder zugenommen hat.

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Begegnung mit Chemie im Alltag: Tietze gibt Beispiele.

Quelle: SPF

Deshalb und weil die Unesco 2011 zum Jahr der Chemie ausgerufen hat, veranstaltet die Georg-August-Universität in diesem Semester eine Ringvorlesung mit dem Titel „Chemie – unser Leben, unsere Zukunft“, um die Chemie den Menschen näher zu bringen. Den Anfang machte dabei Lutz Tietze, Professor für Organische Chemie an der Universität Göttingen, am Dienstag in der Aula am Willhelmsplatz.

„Wir wollen zeigen, dass wir nicht irgendwo abgehoben etwas tun, sondern Chemie auch mit und für den Menschen machen“, sagt Tietze zu Beginn seines Vortrages „Chemie im Alltag – Kaffee, Tee, Wein und vieles mehr“. Scherzhaft meint er weiter: „Es werden auch Formeln gezeigt, aber die verstehen Sie eh nicht.“

In den folgenden 60 Minuten erklärt Tietze an einem typischen Tagesablauf von „sagen wir Herrn und Frau Meier“, wie die Chemie unseren Alltag durchdringt. Es beginnt beim Zähneputzen. Laut Tietze ist Zahnpasta eines der billigsten und effektivsten Medikamente, die die Chemie hervorgebracht hat. Für wenig Geld und geringen Aufwand können die Menschen heute auch noch im Alter gute Zähne haben. Das ist der Zugabe von Fluoriden zu verdanken.

Beim anschließenden Frühstück werden die meisten von uns wieder unbemerkt zum Chemiker, und zwar bei der Zubereitung von Kaffee: „Das Zubereiten von Kaffee ist ein durch und durch chemischer Prozess“. Mit solchen lebensnahen Beispielen zeigt Tietze immer wieder, wie die Chemie Teil unseres Lebens ist.

Die Zuhörer begleiten Frau Meier weiter durch den Vormittag und kommen schließlich beim Mittagessen an. Das nutzt Tietze, um auf die vielen Zusatzstoffe in unserem Essen zu sprechen zu kommen. Und auch hier versucht er aufzuklären. Alles, was dem Essen beigemischt wird, hat eine Nummer, wobei das „E“ davor nur für Europa steht. Die Vorschrift geht so weit, dass sogar Luft (Sauerstoff: E 948, Stickstoff: E 941) als Zusatzstoff gekennzeichnet werden muss. „Das mit dem ,E‘ war eine schlechte Idee“, bemerkt Tietze. Die vielen Bezeichnungen von unbekannten Stoffen verunsicherten die Menschen nur.

Beendet wird Frau Meiers Tag mit einem Glas Rotwein, wobei Tietze auf die lebensverlängernde Wirkung, die Rotwein oft nachgesagt wird, eingeht. Verantwortlich dafür ist laut Tietze der Stoff Resveratrol. „Das wurde aber nur an dicken Mäusen getestet. Die lebten mit Rotwein etwas länger als der Durchschnitt“. Sich gesund zu ernähren scheint aber dennoch das beste Mittel für ein langes Leben zu sein, denn „schlanke Mäuse lebten, auch ohne Rotwein, noch länger.“

Während des gesamten und sehr kurzweiligen Vortrages legt Tietze großen Wert darauf, dass Chemie weder gleichbedeutend mit schädlich, noch dass natürlich gleichbedeutend mit gesund ist. Immerhin kommt eines der stärksten uns bekannte Gifte, Botulinumtoxin, aus der Natur. „Wenn Sie der Chemie ablehnend gegenüberstehen, dann verneinen Sie sich selbst. Sie sind Chemie. Ihr Magen ist der beste Synthesereaktor, den wir kennen“, stellt Tietze fest. Und weiter: „Die Strukturen, ob von der Natur gemacht oder synthetisch, sind für eine bestimmte Verbindung identisch. Wir tun alles dafür, dass die Chemie nützlich und nicht schädlich ist.“

Am Dienstag, 19. April, spricht Prof. Hartmut Laatsch über „Fliegenpilz, Satanspilz und Hexenröhrlinge – die magische Welt der Pilze“. Der Vortrag beginnt um 18.15 Uhr in der Aula der Universität Göttingen, Wilhelmsplatz 1.

Von Alexander Heinlein

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