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Göttingen „Wir sind fürs Radio“
Campus Göttingen „Wir sind fürs Radio“
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00:18 01.05.2017
Von Christiane Böhm
Vortragsreihe in Göttingen zum Reformationsjubiläum 2017 mit Landesbischof Ralf Meister. Quelle: Harald Wenzel
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Göttingen

Experten aus verschiedenen Milieus - lutherisch, römisch-katholisch, reformiert, evangelisch - sind eingeladen, um Antworten auf die Frage nach der evangelischen Identität zu finden. Die Universitätskirche sei dabei ein idealer Ort um „Aufgeklärtes Denken und Gottvertrauen aufeinander wirken zu lassen“, so Dekan Florian Wilk.

Eine karge Zelle mit kahlen Wänden, das biete die evangelische Kirche ihren Gläubigen. Nichts fürs Auge, kein Pomp. Meister steigt mit diesem herben Zitat eines Literaturwissenschaftlers in seine Überlegungen ein. Leicht macht der evangelische Glaube es seinen Christen also nicht. Auseinandersetzung mit dem Glauben und seinen Inhalten seien immer ein Phänomen der evangelischen Identität gewesen. Wie aber sieht es damit in einer Gesellschaft aus, die immer unchristlicher wird? Wie religiös gebildet sind die Christen eigentlich noch, wo binden sie sich und ihren Glauben ein in die Fragen der Gesellschaft?

Bruchstückhaft, so Meister, seien die Formen des Glaubenswissens. Seien Pastoren und Bischöfe beispielsweise noch vor wenigen Jahren sicher gewesen, dass die Kenntnis des Vater-Unser untilgbar sei, seien sie sich da heute nicht mehr so sicher. Und in der Auseinandersetzung mit der Gesellschaft fehle es an Konzentration auf das, was die evangelische Kirche allein vertreten kann, abseits der Säkularisierung.

Vier Beispiele nennt der Bischof für das, was für ihn aus der Perspektive des Kirchenleiters das evangelische Christensein ausmacht. Die Bibel und die Gesangbücher, diese beiden stehen für ihn im Zentrum. Die Kenntnis der religiösen Texten sei wichtig. „Wie bringen wir die Menschen dazu, sich damit zu beschäftigen?“ Diese Frage zu lösen, werde in Zukunft entscheidend sein. Nahbar werde die Religion durch die Musik, die Lieder. „Die römisch-katholische Kirche ist fürs Fernsehen, wir sind fürs Radio“, sagt Meister. Musik wirke individuell, emotional, sie verzaubere und enthierachisiere.

Zentral sei auch die synodale Organisation. Die Stärkung der Laien sei Luther zu verdanken. In der Synode werden gemeinsam Lösungen im Zusammenspiel von Laien und Ordinatsträgern gefunden.

An dritter Stelle steht in Meisters Beispielen die Theologie. Die Kirche dürfe sich nicht vom theologischen Wissen verabschieden. Die Theologie sei die kritische Instanz der evangelischen Christen. Für die wünschenswerte Wechselwirkung müsse die Forschung aber „zugangsfähig“ gemacht werden.

Und die Christen, die Gemeinden, so lautet Meisters viertes Beispiel, sollten sich in die Gestaltung des demokratischen Gemeinwesens einmischen. Kritisch reflektieren, welche religiösen Werte auch die säkulare Ordnung ausmachen können.

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