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Göttingen „Wir wollen kritisieren, nicht bitten“
Campus Göttingen „Wir wollen kritisieren, nicht bitten“
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20:30 04.12.2009
Da helfen auch keine zwei Mikrophone: Jutta Limbach spricht vergeblich gegen den Lärm an. Quelle: CM

Da hilft es auch nicht, dass rund 500 Anwesende im Hörsaal 010 des Zentralen Hörsaalgebäudes der Universität – unter ihnen viele Studenten – per stehender Ovation die Protestler auffordern, Limbach reden zu lassen. So bleibt Universitätspräsident Prof. Kurt von Figura nichts anderes übrig, als die Veranstaltung abzubrechen.

Dabei hat diese moderat begonnen: der Hörsaal ist gut gefüllt, auf den Sitzbänken mit Zuhörern, diese auf den Außentreppen umringt von gut 50 Protestierenden. Letztere bekamen von Figura am Anfang der Veranstaltung eine fünfminütige Redezeit eingeräumt.

„Wir sind keine Bittsteller, wir wollen kritisieren“, stellt Redner Hendrik Oberwinter sogleich fest. Zudem sei die Universitätsrede eine „Jubelveranstaltung“. Darüber hinaus kritisiert er den Stiftungsrat, da er eine „Machtkonzentration“ sei, und fordert eine „Demokratisierung aller Bildungsvorrichtungen und studentische Selbstverwaltung“.

Nach Ende dieser Rede folgt allerdings nicht die von Figura erhoffte Ruhe: Man versteht aufgrund von Zwischenrufen, Klatschen und Tröten kein Wort des Präsidenten. Zwar will die Mehrheit der Anwesenden Limbachs Rede hören, doch ein Protestler brüllt, dass sie „für 24    000 Studenten stehen“ und daher die eigentliche Mehrheit seien.

Limbach traut sich trotzdem ans Pult, will in ihrer Rede über die Göttinger Sieben und ihren Widerstand sprechen. Und bekundet auch ihr Verständnis für die Studentenproteste, wendet jedoch ein: „Sie sollten sich fragen, ob ihre Art des Auftretens den gesamten Protest fragwürdig macht.“

Die Protestler wollen im Anschluss keine Stellungnahme zu ihrer Aktion abgeben. Figura bedauert hingegen ihr Verhalten: „Es ist enttäuschend, dass die Möglichkeit des Meinungsaustausches nicht konstruktiv genutzt wurde.“

Von Corinna Berghahn

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