Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
„Wirklichkeit bleibt hinter den Möglichkeiten“

Akademiewoche „Wirklichkeit bleibt hinter den Möglichkeiten“

Dem „Verheißungsvollen“ aber auch dem „Beunruhigenden“ der Religion wolle er nachspüren. So kündigt es Bischof Wolfgang Huber zu Beginn seines Vortrags „Religion – Instrument der Gewalt oder des Friedens?

Voriger Artikel
Vier Millionen Euro für Projekt zur Bioenergie
Nächster Artikel
Unternehmensberater führt jetzt das Göttinger IWF

Gefragt: Wolfgang Huber vor der „Lecture“ der Evangelischen Studierendengemeinde und des Studienhauses im Juni im Zentralen Hörsaalgebäude der Göttinger Universität.

Quelle: Vetter

Über die politische Rolle von Religion“ an. Hubers Vortrag ist der erste der sechsten Göttinger Akademiewoche, die von der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen gemeinsam mit der Stadt Göttingen im Alten Rathaus veranstaltet wird. Die Akademiewoche beschäftigt sich in diesem Jahr mit dem Thema „Die Rückkehr der Religion – Wohin?“.

Huber, unter anderem Amtsvorgänger von Margot Käßmann als Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), bedient sich in seinem Vortrag vor allem dreier Interpretationsmuster. Zum einen besage, dass es einen notwendigen Zusammenhang zwischen Religion und Gewalt gebe, dass Religion geradezu zwingend zu Gewalt führe. Vor allem der Monotheismus, der Glaube an einen einzigen Gott stehe im Verdacht, Gewalt zu fördern. Oft werde in den Medien Gewalt geradezu als Wesensmerkmal von Religion beschrieben. Paradigmatische Bedeutung hätten hier die Ereignisse vom 11. September 2001, dem Terror-Anschlag auf das World Trade Center. Huber hält dieses Muster für zu eindimensional.
Im Gegensatz dazu stehe das zweite Interpretationsmuster, das Religion als friedensstiftend ansehe. Besonders dem Christentum sei eine ausdrückliche Gewaltkritik inhärent, so Huber. Es propagiere sogar die Feindesliebe. Als Quelle führt er die Bergpredigt an. Dennoch bestreitet Huber nicht, dass auch das Christentum diesbezüglich in Widersprüche verstrickt sei. Man denke nur an die USA, wo das Christentum immer noch als Legitimation für den Irakkrieg herangezogen werde. Das dritte Interpretationsmuster besage, dass es einen möglichen, aber keinen zwingenden Zusammenhang zwischen Gewalt und Religion gebe.

Huber plädiert abschließend deutlich für das Friedenspotenzial der Religion, besonders des Christentums. Er spricht es aber auch dem Islam nicht ab.
„Aber die Wirklichkeit bleibt hinter den Möglichkeiten zurück“, stellt er fest. Es breite sich vielfach ein religiöser Analphabetismus aus, was dazu führe, dass Menschen ihre Handlungen mit religiösen Motiven verteidigten, obwohl kein fundiertes religiöses Wissen vorhanden sei. „Religiöser Analphabetismus ist keine Antwort auf Fundamentalismus“, warnt Huber. In der anschließenden Diskussion wird Huber noch einmal nach der Rolle der Religion für die Politik gefragt und hält es mit den Worten Richard von Weizsäckers, dass Religion keine Politik machen, aber Politik möglich machen soll.

Am heutigen Mittwoch heißt das Thema von Joachim Ringleben „Wieviel Religion braucht der Mensch“. Am Donnerstag referiert Karl Kardinal Lehmann über „Wahrheit und Toleranz“. Beide Veranstaltungen beginnen um 18.15 Uhr im Alten Rathaus Göttingen.

Von Marie Varela

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Göttingen
Amnesty-Protest auf dem Campus