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Wissenschaftler aus Göttingen untersuchen Assammakaken in Thailand

Wachsen oder Spielen Wissenschaftler aus Göttingen untersuchen Assammakaken in Thailand

Toben, Raufen, Klettern – Spielen macht Spaß und fördert die Entwicklung, ist aber auch sehr anstrengend. Verhaltensbiologen vermuten daher, dass Tiere nur dann intensiv spielen, wenn sie überschüssige Energie zur Verfügung haben oder wenn das Spielen überlebenswichtige Vorteile mit sich bringt.

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Junge Assammakaken an einem Dschungelbach.

Quelle: Berghänel

Göttingen. Wissenschaftler um Julia Ostner von der Universität Göttingen und dem Deutschen Primatenzentrum haben dies an jungen Assammakaken in Thailand untersucht.

Sie haben herausgefunden, dass die Tiere, die viel und wild spielen, langsamer wachsen als ihre gemütlicheren Artgenossen. Sie erlernen beim Spiel jedoch motorische Fähigkeiten, die für Kampf und Flucht wichtig sind.

Bewegungsspiele fördern die motorische Entwicklung, verbrauchen aber viel Energie, die dann nicht mehr für ein ungehindertes Größenwachstum zur Verfügung steht. Wenn Evolutionsbiologen Spielverhalten bei Tieren untersuchen, sehen sie sich einem Darwinschen Paradoxon gegenüber: Die meisten Definitionen von Spielverhalten beinhalten, dass das Verhalten keinem unmittelbaren Zweck dient und keiner augenscheinlichen Funktion zuzuordnen ist.

Verhaltensweisen, die keinen Gewinn, wohl aber Kosten verursachen, sollten aber durch natürliche Selektion verschwinden. Die weite Verbreitung von Spielverhalten im Tierreich ist deshalb dadurch erklärt worden, dass es einerseits einen mittelbaren oder langfristigen Nutzen hervorbringt und andererseits nur dann auftritt, wenn den Tieren ausreichend Energie zu Verfügung steht:

Spiel fördert die motorische, kognitive und soziale Entwicklung und findet nur dann statt, wenn die Tiere gesund, satt und sicher sind. „Unsere an Assammakaken gewonnenen Ergebnisse widersprechen dieser Vorstellung“, sagt Andreas Berghänel, Erstautor der jetzt veröffentlichten Studie.

Junge Assammakaken, die in den Urwäldern Thailands viel Zeit mit Raufspielen und Jagereien verbringen, wachsen langsamer als ihre weniger verspielten Artgenossen. „Die ungehinderte Entwicklung scheint also nicht wichtiger zu sein als das Spielen, die kleinen Affen verausgaben sich dabei so sehr, dass sie mit dem Wachsen nicht hinterherkommen,“ sagt Julia Ostner, Leiterin der Studie.

Damit riskieren die spielwütigen Affen, dass sie später geschlechtsreif werden und weniger Nachwuchs bekommen.

Demgegenüber steht jedoch ein nachweislicher Nutzen: Je mehr Zeit ein Jungtier vor dem Erwerb einer neuen motorischen Fähigkeit mit wildem Spiel verbracht hat, desto früher im Leben meistert es diese motorische Hürde. Eine schnellere motorische Entwicklung ist dann sehr förderlich, wenn man in Kämpfe verwickelt wird oder vor Feinden fliehen muss.

„Auf den Menschen übertragen ist meine Empfehlung an alle Eltern: Schicken Sie die Kinder zum Spielen vor die Tür, aber gönnen Sie ihnen danach ein reichhaltiges Abendessen, wenn sie clever, groß und stark werden sollen“, so  Verhaltensforscherin Ostner.

Von Christian Böhm

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