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Wissenschaftler forschen fachübergreifend

„Heart and Brain Center Göttingen“ Wissenschaftler forschen fachübergreifend

Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ist auf zwei Gebieten besonders forschungsstark: Sowohl in den Neurowissenschaften als auch in der Herz-Kreislauf-Forschung gehört Göttingen zu den international führenden Wissenschaftsstandorten. Jetzt sollen die beiden „Leuchttürme“ eine noch größere Strahlkraft bekommen.

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Professor Mathias Bähr (rechts) und Professor Gerd Hasenfuß, Sprecher der Initiative „Heart and Brain Center Göttingen“, wollen systematisch organübergreifend neurologische und Herzkrankheiten erforschen. 

Quelle: PID

Göttingen. Künftig wollen Wissenschaftler beider Fachrichtungen in einem neuen Forschungszentrum unter einem Dach zusammenarbeiten, um gemeinsam das komplexe Zusammenwirken von Herz und Hirn zu erforschen. Mit dem 31 Millionen Euro teuren „Heart and Brain Center Göttingen“ (HBCG) nehmen sie auch international eine Vorreiterrolle ein: „Bislang gibt es keine vergleichbare interdisziplinäre Forschungseinrichtung, weder in Deutschland noch anderswo“, sagt Professor Heyo K. Kroemer, Sprecher des Vorstands der Universitätsmedizin.

Inzwischen hat das ambitionierte Projekt alle Hürden genommen. Im Mai hatte zunächst der Wissenschaftsrat eine Förderung empfohlen, vergangene Woche stimmte die gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern zu. 2018 sollen die Bauarbeiten auf dem Gelände des Uni-Klinikums starten, ab 2022 sollen dann etwa 100 Mitarbeiter in dem mit modernsten Geräten ausgestatteten Forschungsgebäude tätig sein. 

Der Ansatz der Forscher ist innovativ und naheliegend zugleich: Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und neurologischen Erkrankungen, und dieses komplexe Zusammenspiel wollen die Wissenschaftler erforschen. „Bekanntestes Beispiel ist der Schlaganfall durch Embolie“, sagt Professor Mathias Bähr. Der Direktor der Klinik für Neurologie hat gemeinsam mit dem Direktor der Klinik für Kardiologie und Pneumologie, Professor Gerd Hasenfuß, das Konzept für die neue Forschungseinrichtung entwickelt. Bähr ist Experte für Schlaganfälle und neurodegenerative Erkrankungen, Hasenfuß zählt zu den führenden Herzinsuffizienz-Forschern. Beide Forschungseinrichtungen arbeiten schon seit längerem in etablierten Bereichen zusammen, insbesondere bei der klinischen Ursachenforschung von Schlaganfällen. Eine systematische organübergreifende Erforschung der Faktoren, die sich auf Herz und Hirn auswirken, gab es dagegen bislang weder in Göttingen noch anderswo.

 
Dass sich Herz und Hirn gegenseitig beeinflussen, ist seit langem bekannt. Professor Hasenfuß stellt beispielsweise immer wieder fest, dass bei Patienten mit Herzschwäche auch kognitive Funktionsstörungen auftreten, also Aufmerksamkeit, Lernfähigkeit, Kurzzeitgedächtnis und Informationsverarbeitung beeinträchtigt sind. Unklar ist, welche Mechanismen diesen Wechselwirkungen zugrunde liegen. Der Herzspezialist verspricht sich sehr viel von dem integrativen Forschungsansatz: „Wir haben damit ganz neue Möglichkeiten, um Erkenntnisse zu gewinnen, auf die man nie kommen würde, wenn man die einzelnen Organe nur für sich betrachtet.“

 
Die Forscher wollen dabei unter anderem der Frage nachgehen, wie sich Bewegung auf Herz und Hirn auswirkt. Der parallele Blick auf Herz und Hirn verspricht auch deshalb einen hohen Erkenntnisgewinn, weil beide Systeme grundlegende molekulare und funktionelle Gemeinsamkeiten aufweisen. „Andere Körperzellen können sich durch Teilung immer wieder erneuern, Herz- und Hirnzellen können das größtenteils nicht“, erläutert Neurowissenschaftler Mathias Bähr. Dies ist ein Grund, warum Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems und des Nervensystems so weit verbreitet sind: Mit zunehmendem Alter werden die Schutzmechanismen, die das kardiovaskuläre beziehungsweise neuronale Netzwerk funktionsfähig halten, durch die Dauerbelastung anfällig für Störungen. Sowohl die Hirn- als auch die Herzzellen sind außerdem elektrisch erregbar. Diese Eigenschaft wollen die Forscher für neue therapeutische Ansätze nutzen.

Um neue Therapien und Präventionsprogramme entwickeln zu können, müssen sie aber zunächst die organübergreifenden Krankheitsmechanismen verstehen. Die Wissenschaftler wollen dazu gemeinsam Patienten mit neurologischen und Herzerkrankungen umfassend typisieren und in vergleichenden Studien untersuchen. Dabei setzen sie auch neueste bildgebende Verfahren ein, die teilweise in Göttingen entwickelt wurden. Das Forschungsgebäude ist mit vier Großgeräten ausgestattet, die mehrere Millionen Euro kosten. Hierzu gehört unter anderem ein Ganzkörper-MRT, mit dem die genaue Zusammensetzung des Gewebes bestimmt werden kann.

Von Heidi Niemann

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