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Wissenschaftler stellen Alzheimer-Erkenntnisse im Göttinger Apex vor

Neuroforum „Denk-Bar“ Wissenschaftler stellen Alzheimer-Erkenntnisse im Göttinger Apex vor

Das Gehirn ist bereits irreparabel geschädigt, wenn die Alzheimer-Demenz zum Ausbruch kommt. Forscher suchen daher nach Wegen, die neurodegenerative Erkrankung bereits Jahre vorher zu diagnostizieren, berichteten die Göttinger Professoren André Fischer und Jens Wiltfang beim Neuroforum „Denk-Bar“.

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Prof. Dr. Jörg Wiltfang und Prof. Dr. André Fischer (v.l.)

Quelle: Hinzmann

Göttingen. „Wenn wir heute bei einem Patienten Alzheimer feststellen, können wir die Ursachen der Krankheit nicht mehr bekämpfen“, erklärte Wiltfang, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen. Mehr als 100 Menschen drängten sich im Apex, um an der Veranstaltung „Demenz – Vergiss mich nicht“, teilzunehmen; neben Ärzten, Psychologen und Neurowissenschaftlern auch viele Angehörige. Immerhin, so Wiltfang, sei es möglich, Symptome wie die für Alzheimer typische Gereiztheit oder die depressive Verstimmung zu unterdrücken.

„Um Therapien zur Bekämpfung der Krankheitsursachen entwickeln zu können, müssen wir die Erkrankung zunächst einmal viel früher feststellen“, betonte Fischer, der den Standort Göttingen des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen leitet. Die Wissenschaft suche nach sogenannten Biomarkern. Erste erfolgversprechende Kandidaten, die sich im Liquor, der Gehirnflüssigkeit, nachweisen lassen, seien gefunden. Weil der Preis der Untersuchungen mit jeweils mehr als 2000 Euro hoch liege, werde nach deutlich günstigeren Nachweisverfahren im Blut gesucht.

Zur Sprache kamen während des Neuroforums Tätigkeiten, die vor dem Ausbruch der Krankheit schützen: etwa Tanzen, das Spielen eines Musikinstruments oder Schwimmen. Wiltfang betonte, dass das keinen allumfassenden Schutz biete. Sein Vater, ein Jurist und guter Sportler, habe trotzdem Alzheimer bekommen. Vorbeugend wirkten zudem eine mediterrane Ernährung mit viel Fisch sowie Nikotinpflaster. Lange Operationen dagegen beschleunigen bei Risikopersonen den Ausbruch der Krankheit. Ursache sei eventuell, dass durch die Überwindung der Blut-Hirn-Schranke bestimmte Stoffe ins Gehirn gelangten.

„Das Risiko einer Demenz-Erkrankung steigt zudem mit dem Lebensalter“, führte Wiltfang aus. Heute sei ein Drittel der mehr als 90-Jährigen dement. Die gestiegene Lebenserwartung sei der wichtigste Grund, warum es heute in Deutschland 1,2 Millionen Demenz-Erkrankte gebe. Die Hälfte davon leide unter Alzheimer. Daneben gebe es noch 70 weitere Formen.

„Die emotionale Intelligenz bleibt bei den Dementen lange erhalten“, führte Wiltfang aus. Sie erfassten die Stimmung ihrer Bezugsperson genau. Deshalb sei es wichtig, dass pflegende Angehörige gut gelaunt seien. Dann fühlten sich auch die Patienten gut. Der Klinikdirektor erwartet keinen großen Durchbruch bei den Therapien. Er rechnet aber damit, dass durch die Kombination verschiedener Ansätze die Krankheit ganz gut in den Griff zubekommen ist.

Von Michael Caspar

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