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Wörterbücher, Konkordanzen, Editionen

George Brooke über die Erforschung der Qumran-Rollen Wörterbücher, Konkordanzen, Editionen

Ein wenig pedantisch sind die deutschen Gelehrten, aber mit ihren Wörterbüchern, Konkordanzen und textkritischen Editionen haben sie „einen bedeutenden Beitrag“ zum Verständnis der Qumran-Schriftrollen geleistet.

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Wellhausen-Vorlesung von Qumran-Forscher George Brooke und Festakt 10 Jahre Zentrum fŸürr Antike und Orient (CORO): Reinhard Kratz, Thomas Kaufmann, George Brooke, Kurt Schšnhammer, Tanja Scheer (v. l.).

Quelle: Heller

Göttingen. Das erklärte Prof. George Brook von der Universtität Manchester in der Julius-Wellhausen-Vorlesung.

Die Entdeckung der gut 2000 Jahre alten Manuskripte 1947 in elf Höhlen nahe des israelischen Ortes Qumran am Toten Meer war eine wissenschaftliche Sensation, betonte der Wissenschaftler vor rund 70 Zuhörern in der Aula am Wilhelmsplatz. Von einem Tag auf den anderen stand eine – allerdings in 15000 Fragmente zerfallene – Bibliothek aus der Zeit des Judentums kurz vor Zerstörung des zweiten Tempels in Jerusalem 70 nach Christus zur Verfügung. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte es nur einige Münz- und Grabinschriften aus dieser Zeit gegeben.

„In Deutschland gab es damals bereits eine lange Traditionen der Erforschung antiker Religionen“, führte der Bibelwissenschaftler aus. Zu ihren führenden Repräsentanten zählt Julius Wellhausen, der Namensgeber der Vorlesung. Durch historische Studien und Analysen religiöser Texte wollte der Theologe und Orientalist mehr über die Entstehung von Judentum, Christentum und Islam erfahren.

„Mit den Qumran-Schriftrollen befassen sich in Deutschland vor allem die Neutestamentler“, führte Brooke aus. Sie interessiere das Umfeld, in dem das Christentum entstanden sei. Vereinzelt befassten sich Altestamentler und Judaisten mit dem Thema. Die deutschen Wissenschaftler erstellten die notwendigen Hilfsmittel zur Erschließung der Texte. Der Engländer zeigte sich aber auch von der deutschen Fähigkeit beeindruckt, Forschergruppen aufzubauen. 

In den 80er-Jahren, so Brooke, habe es breite Unzufriedenheit damit gegeben, dass Forscher in Israel kaum Zugang zu den Qumran-Fragmenten erhielten, insbesondere zu den 600 Manuskripte aus der vierten Höhle. Der Göttinger Prof. Hartmut Stegemann hätte mit der Veröffentlichung von Fotos der Fragmente maßgeblich zur generellen Freigabe beigetragen. Stegemann habe auch wichtige Impulse zum Zusammenfügen der Fragmente geleistet. 

Brooke selbst lernte in Jerusalem bei dem Göttinger immer auch auf die Rückseite eines Fragments zu schauen. Dort hat in den fest gebundenen Schriftrollen zum Teil Tinte abgefärbt. So lassen sich benachbarte Textstücke identifizieren. Stegemann ließ Nachwuchswissenschaftler zudem Schriftrollen anfertigen, in die sie Kopien ihrer Fragmentteile kleben sollen. Eine dieser Rollen präsentierte Brooke in Göttingen. 

Auch eine Anregung für seine deutschen Kollegen hatte der Wissenschaftler. Die rationale Weltsicht erschwere ihnen den Zugang zum antiken Judentum. Die Menschen seien in einer Welt der Geister zuhause gewesen, was in den ausgefeilten theologischen Systematiken ausgeblendet werde.

Von Michael Caspar

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