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Wunderkammern der Universität

Vortrag von Wilhelm Krull Wunderkammern der Universität

6300 Museen gibt es in Deutschland – „mehr als irgendwo sonst auf der Welt“, hat Dr. Wilhelm Krull betont. Der Generalsekretär der Volkswagen-Stiftung sprach in Göttingen in der Ringvorlesung „Wissensort Museum. Traditionen – Positionen – Perspektiven“ über  Anforderungen an aktuelle Museumskonzepte.

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Eine Wunderkammer der Georg-August-Universität: die Algensammlung der Biologischen Fakultät.

Quelle: Vetter

Göttingen. „Ohne eine Ananas gekostet zu haben, kann man auch nichts über ihren Geschmack wissen“, stellte einst John Locke (1632-1704) fest in seinem Essay über den menschlichen Verstand. Aber um etwas über die exotische Feldfrucht zu erfahren, muss sie nicht probiert werden. Als die „Göttinger Ananas“ in Alkohol bewahrt als Anschauungsmaterial in den Bestand der Botanischen Sammlung der Universität Göttingen aufgenommen wurde, war sie von Bedeutung für Lehre und Forschung. Dass ist das Präparat heute noch, aber unter anderen Vorzeichen. Nach mehr als 100 Jahren in den Beständen der Georgia Augusta kann der Glaszylinder mit der vergleichsweise kleinen Frucht als Ausstellungsobjekt dienen, das erklärt, wie es als Lehrmaterial diente oder heute als Forschungs- und Anschauungsgegenstand mehrfachen Wert hat.

W. Krull

Quelle: Droese

Das Beispiel von der Göttinger Ananas führte Krull in seinem Vortrag „Bewahren, erschließen, vermitteln. Museen und Sammlungen als Orte des Erkenntnisgewinns“ an, um den Wandel zu verdeutlichen. Beruflich beschäftige er sich seit 30 Jahren auch mit wissenschaftlichem Sammeln und forschenden Museen. In den 1980er-Jahren sei es völlig ausreichend gewesen, wissenschaftliche Sammlungen zu pflegen und sie für Fachkollegen zu präsentieren. Mit dem Museumsboom und dem Public Management, das in den 90er-Jahren Einzug hielt, sei der Wandel gekommen. „Was fürs Fernsehen die Einschaltquote ist, ist seitdem bei Museen die Besucherzahl“, so Krull. 2014 konnten die 6300 Museen in Deutschland 111 Millionen Besucher verzeichnen.

Doch die Zahl  relativiert sich beim Blick auf die jeweiligen Häuser. Wer zum Besuchermagnet werden will, wie das Londoner Kunstmuseum Tate Modern, muss „immer wieder neu gestalten, anders präsentieren“, erklärte Krull, der auch Vorsitzender des Stiftungsrates der Universität Göttingen ist, mit Blick auf das in Göttingen geplante Forum Wissen. Es sollte ein Forschungs-, Begegnungs- und Bildungsort werden, der Wissen auf unterschiedlichen Ebenen und in verschiedenen Formen vermittle. Das wissenschaftliche Wunderkammerprinzip habe in Göttingen früh begonnen, aber nun gehe es darum, für die Dinge des Wissens Interaktionsräume zu schaffen für alle Altersgruppen. „Es ist höchste Zeit, die Zeit der Sammlungshüter zu überwinden“, sagte Krull mit Blick auf den Ausgangszeitpunkt seines Vortrages. Und das neue Forum Wissen, forderte Krull, müsse Teil der Universität bleiben und von Stadt, Land und Bund gefördert werden.

Die Ringvorlesung „Wissensort Museum“ endet am Dienstag, 16. Februar, mit dem Vortrag „Wissen-Schaffen sichtbar machen. Konzept und Perspektive des Forum Wissen Göttingen“ von Dr. Marie Luisa Allemeyer, Göttingen, und Dr. Joachim Baur, Berlin, um 18.15 Uhr in der Aula der Universität, Wilhelmsplatz 1.

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