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Göttingen Namensvettern im All
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17:08 16.05.2017
Von Christiane Böhm
Haben jetzt ihren eignen Asteroiden: die MPI-Forscher Guneshwar Thangjam und Thomas Platz. Quelle: MPS
Göttingen

Es sei schon wirklich eine Ehre, sagt Platz über den Namensvetter im All. Im August 2018 wird sein Asteroid (11808) Platz der Erde am nächsten sein, dann werde ein Bild gemacht und eingerahmt „und auf den Schreibtisch gestellt“, sagt der Wissenschaftler.

Bereits vor 36 Jahren wurden die beiden Asteroiden am Siding Spring Observatorium in Australien entdeckt. Wie die meisten Vertreter ihrer Art ziehen (11806) Thangjam und (11808) Platz ihre Bahnen im sogenannten Asteroidengürtel zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter. Während der Asteroid Thangjam 3,38 Jahre für einen Umlauf um die Sonne benötigt, braucht der Asteroid Platz dafür 4,08 Jahre. Beide Körper messen maximal etwa 30 Kilometer im Durchmesser.

Deutlich umfangreicher ist die Datenlage nicht. Auch das ist typisch für die meisten der etwa 600 000 bekannten Bewohner des Asteroidengürtels. Ausnahmen bilden der Asteroid Vesta und der Zwergplanet Ceres, die von 2011 bis 2013 und seit 2015 die Ziele der NASA-Mission Dawn waren. Das Kamerasystem an Bord der Raumsonde, das am MPS entwickelt und gebaut wurde und von dort betrieben wird, konnte 90 000 Bilder beider Körper aus großer Nähe aufnehmen. Diese auszuwerten ist das Forschungsfeld von Thangjam und Platz.

Platz, der Geologie und Paleontologie studiert und über Vulkanismus promoviert hat, ist seit zwei Jahren am MPS und Mitglied des Dawn-Teams. Sein Forschungsinteresse gilt vor allem der reichhaltigen Geologie des Zwergplaneten Ceres. So konnte der Forscher in seinen Analysen die Entwicklung des Occator-Kraters auf der Nordhalbkugel detailliert nachzeichnen. Bei seiner Suche nach Wasser richtet der Forscher sein Augenmerk ebenfalls auf die Polregionen von Ceres. Dort fand er Krater, in deren dauerhaftem Schatten gefrorenes Wasser überdauert hat.

Thangjam arbeitet seit 2012 am MPS. Grundlage seiner Doktorarbeit, die er 2015 abschloss, bilden die Kameradaten des Asteroiden Vesta. Da die FC Kamera mit sieben Farbfiltern ausgestattet ist, lässt sich das Licht, das Vesta ins All reflektiert, in einzelne Wellenlängenbereiche aufspalten. Diese enthalten Informationen über die mineralogische Zusammensetzung der Oberfläche. Mit seinen Auswertungen konnte Thangjam dazu beitragen, die Geschichte und Evolution von Vesta zu entschlüsseln.

In den nächsten Monaten wollen beide Forscher zusammen mit Kollegen vom MPS einen genaueren Blick auf „ihre“ Asteroiden werfen - wenn auch nicht als Forschungsprojekt, sondern eher aus privater Neugier. Dafür nutzen sie ein Teleskop in Australien, das sich über das Internet steuern lässt. Erste Aufnahmen des Asteroiden (11808) Platz sind bereits entstanden. Der Asteroid (11806) Thangjam rückt erst im Dezember dieses Jahres ins Blickfeld der Teleskope. So bleiben noch einige Monate der Vorfreude - auf die Begegnung mit dem kosmischen Namensvetter. chb/r

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