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Zwei Stücke als Kulturgut eingestuft

Besitztümer der Universität Göttingen Zwei Stücke als Kulturgut eingestuft

Zwei kostbare Besitztümer der Universität Göttingen sind jetzt offiziell als national wertvolles Kulturgut eingestuft. Neben der Göttinger Gutenberg-Bibel aus dem Jahr 1454 wurde der so genannte Vizeheliotrop, mit dem der berühmte Mathematiker und Astronom Carl Friedrich Gauß (1777-1855) einst das Königreich Hannover vermessen hat, in das niedersächsische Verzeichnis aufgenommen.

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Der legendäre Vizeheliotrop: Mit diesem nach seinen Vorgaben umgebauten Sextanten hat Carl Friedrich Gauß das Königreich Hannover vermessen.

Quelle: R

Göttingen. Die Eintragung sei Mitte März erfolgt, teilte eine Sprecherin des niedersächsischen Wissenschaftsministeriums in Hannover mit. Damit sei das Verfahren im Rahmen des Gesetzes zum Schutz deutschen Kulturgutes gegen Abwanderung abgeschlossen. Eingetragene Kulturgüter dürfen nur ins Ausland transferiert werden, wenn eine Genehmigung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien vorliegt.

Nur noch vier Exemplare

Die Göttinger Gutenberg-Bibel ist eines von weltweit vier noch komplett erhaltenen Original-Exemplaren. Die drei übrigen Exemplare befinden sich in der British Library in London, der Bibliothèque Nationale in Paris und der Library of Congress in Washington. Die 42-zeilige, auf Pergament gedruckte Bibel wurde 2002 von der UNESCO in das Register des Weltdokumentenerbes „Memory of the world“ („Gedächtnis der Menschheit“) aufgenommen.

Die Gutenberg-Bibel ist nicht nur ein Meisterwerk der Buchkunst, sondern auch ein Schwergewicht: Die beiden Bände wiegen insgesamt rund zehn Kilo. Sie werden in einem besonders gesicherten Tresor der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) in Göttingen aufbewahrt. Die SUB hat vor einigen Jahren in einem aufwändigen Projekt sämtliche 1282 Seiten der in lateinischer Sprache verfassten Bibel digitalisiert, so dass man sich im Internet einen Eindruck von der bibliophilen Kostbarkeit verschaffen kann ( www.gutenbergdigital.de).

Drei Jahre Setzarbeit

Gutenbergs Bibel war das erste große Werk nach der Erfindung des Buchdrucks. Trotz dieses epochalen technischen Fortschritts war die Herstellung ein aufwändiges Unterfangen. Allein die Gussarbeiten für die Gutenberg-Bibel dauerten ein halbes Jahr, insgesamt wurden etwa 100.000 Typen gegossen. Die Setzarbeiten dauerten etwa drei Jahre. Jede Bibel war ein Unikat, da sie per Hand rubriziert wurde: Die Satzanfänge wurden durch feine rote Striche hervorgehoben. Auch die kostbaren Illuminationen, also die Seitenausschmückungen mit Initialen, Rankenwerk und anderen Ornamenten, waren individuelle Handarbeit.

Ansicht der Gutenberg-Bibel

Quelle: R

Den Gauß´schen Vizeheliotropen kennen viele Bundesbürger aus ihrer Geldbörse. Das legendäre Instrument war auf der Rückseite des letzten Zehn-Mark-Scheins abgebildet, der zwischen 1991 und der Einführung des Euro im Jahr 2001 in Umlauf war. Gauß war von 1807 bis zu seinem Tod im Jahr 1855 Leiter der Sternwarte Göttingen gewesen. Er hatte den von der Firma Throughton in London hergestellten Sextanten mit der Nummer 420 kurz nach seiner Ankunft in Göttingen von einem Kollegen erhalten.

Vermessung mit Sonnenlicht

1818 kam ihm bei einem Aufenthalt in Lüneburg die Idee, wie man das Gerät für die Landvermessung nutzen kann: Er ließ den Sextanten so umbauen, dass er das Sonnenlicht mit Hilfe eines dritten Spiegels in eine definierte Richtung reflektiert. Misst man den Winkel zwischen der Sonne und einem fernen Zielpunkt, reflektiert der dritte Spiegel das Sonnenlicht automatisch in Richtung auf das anvisierte Ziel.

Der Vizeheliotrop wurde eines seiner wichtigsten Hilfsmittel bei der Vermessung des Königsreichs Hannover, die Gauß ab 1821 im Auftrag von König Georg IV. vornahm. Heute befindet sich das berühmte Instrument in der Sammlung historischer physikalischer Apparate der Göttinger Physik.

Von Heidi Niemann

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