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Gastprofessor hält Antrittsvorlesung

Micha Brumlik Gastprofessor hält Antrittsvorlesung

In jedem Sommersemester nominiert die Universität Kassel einen Wissenschaftler für die Franz-Rosenzweig-Gastprofessur. In diesem Jahr geht die Professur an den Philosophen und Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik. Am Mittwochabend hielt er im Science Center seine Antrittsvorlesung.

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Micha Brumlik

Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Kassel. Seit 1987 wird die Gastprofessur vergeben, die sich mit dem Werk des jüdischen Religionsphilosophen Franz Rosenzweig auseinander setzt. In seiner öffentlichen Antrittsvorlesung sprach Brumlik über „Franz Rosenzweig und den Zionismus – zwischen Theologie und Politik“.

Blick auf die jüdische Bewegung

Im Mai jährt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 71. Mal. 2018 feiert der Staat Israel sein 70-jähriges Bestehen. Diese historischen Daten nimmt Brumlik zum Anlass für einen Blick auf die jüdische Bewegung – die sich in der Krise befinde, wie er sagt. Die Idee des Zionismus, der die Errichtung eines jüdischen Staates beschreibt, stehe von Anfang an unter dem Antisemitismus, meint Brumlik. Es ginge seither darum, die verletzte Selbstwahrnehmung wieder aufzurichten.

Bei seinem ausführlichen Blick in die Geschichte des Judentums und des Zionismus beginnt Brumlik bei den Anfängen der zionistischen Ideologie, beschreibt das jüdische Volk „in seiner Jugend“ als Staat mit einer Sprache und einer Armee.

Bereits im 2. Jahrhundert wurde dem jüdischen Staat dies genommen. Rosenzweig als Gegner des Zionismus und „spekulativer Religionsphilosoph“, so Brumlik, war der Meinung, das jüdische Volk bilde eine „Gegeninstanz zu allen anderen Völkern der Welt“, da es weder Sprache noch Armee besitze.

Immer irgendwie Rest

Bis heute lebe das jüdische Volk in Trauer und ununterbrochener Sorge um das Fortbestehen des eigenen Staates, so Brumlik. Diese Sorge sei so präsent, dass alles andere ihr untergeordnet wäre. Bereits 1921 schien Rosenzweig, „in völliger Unkenntnis auf die Zukunft, aber mit einem wachen Blick in die Vergangenheit“ genau diesen Zustand vorausgesehen zu haben.

„Der Mensch im Judentum ist immer irgendwie Rest“, zitiert Brumlik Rosenzweig, der den Nationalsozialismus, die Shoa und die Gründung Israels nicht mehr miterlebte. So stellte er 1927 fest, dass der Zionismus eine „gewandelte, äußerlich institutionelle Form des ewigen jüdischen Wesens“ sei.

Der 68-jährige Brumlik studierte Philosophie und Pädagogik an der Hebrew University Jerusalem sowie Philosophie und an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Zurzeit ist er Senior Professor am Zentrum Jüdische Studien Berlin/ Brandenburg.

In diesem Sommersemester hält er zwei weitere Veranstaltungen an der Universität Kassel, eine Vorlesung zum Thema „Kritische Geistesgeschichte des Zionismus“ sowie das Seminar „Messianismus im Judentum“.

Von Tomke Aljets

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