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Schlanke Zellen meistern Aushungern besser

Studie der Universität Kassel Schlanke Zellen meistern Aushungern besser

Körperfett erfüllt viele nützliche Funktionen für Organismen. Biologen der Universität Kassel haben jetzt überraschende Auswirkungen von Speicherfett auf einen primitiven Einzeller entdeckt. Die Ergebnisse der Experimente zeigen, dass schlanke Zellen ein Aushungern besser meistern als fette Zellen.

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Die Universität Kassel hat den Nutzen von Körperfett untersucht.

Quelle: dpa

Kassel. Körperfett erfüllt viele nützliche Funktionen für Organismen. Biologen der Universität Kassel haben jetzt überraschende Auswirkungen von Speicherfett auf einen primitiven Einzeller entdeckt. Die Ergebnisse der Experimente zeigen, dass schlanke Zellen ein Aushungern besser meistern als fette Zellen.

Der genutzte Einzeller Dictyostelium discoideum lebt normalerweise als Amöbe im Waldboden und ernährt sich von Bakterien. Bei Nahrungsmangel rotten sich mehrere hunderttausend Zellen zusammen und bilden einen winzigen pilzförmigen Fruchtkörper, in dem sie als Sporen überdauern können. Ob Fettreserven für die Überdauerung von Vorteil sind, war bisher unbekannt.

„Da Alpenüberquerung, Winterschlaf und erhöhte Körpertemperatur für Einzeller nicht in Frage kommen“ sagt Prof. Markus Maniak, Zellbiologe vom Institut für Biologie an der Universität Kassel, „war das experimentelle Vorgehen recht offensichtlich“. In einem Experiment mischte Doktorandin Jessica Kornke Amöben, die Fettreserven hatten, mit solchen, die schlank waren. Die Mischung wurde anschließend ausgehungert bis sich Fruchtkörper bildeten. Die Zellen wurden verschiedenfarbig markiert, wodurch leicht zu verfolgen war, welche Zellen die direkte Konkurrenzsituation leichter meisterten.

Zur großen Überraschung der Wissenschaftler setzten sich die schlanken Amöben gegen die fetten Zellen durch. Tatsächlich starben innerhalb der 24 Stunden, die für die Fruchtkörperbildung notwendig sind, etwa 80 Prozent der fetten Zellen vorzeitig.

Die Forscher waren durch das Ergebnis, dass Schlanksein einen drastischen Effekt auf die Zellgesundheit hat, angespornt weitere Experimente durchzuführen. So untersuchten Kornke und Maniak eine Reihe von Dictyostelium-Mutanten, in denen Gene defekt sind, die auch bei Menschen zu gestörtem Stoffwechsel und fehlendem Fettgewebe führen. Die Amöben waren trotz eines Überangebots an Nahrung ebenso wenig in der Lage, Fettreserven anzulegen wie Menschen mit Gendefekt. Passend zur vorherigen Erkenntnis nahmen diese „genetisch-schlanken“ Zellen auf dem Weg durch die Fastenzeit keinen Schaden und trugen in normalem Umfang zur Fruchtkörperbildung bei.

„Wir sind doch sehr verwundert“, erklärt Biologieprofessor Maniak, „dass diese primitiven Einzeller Probleme zeigen, wie sie für überernährte Zivilisationen üblich sind, und müssen nun dringend herausfinden, welche molekularen Ursachen hinter der drastisch verkürzten Lebenserwartung der fetten Zellen stehen.“ jes/r

Von Angela Brünjes

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