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Kassel Kunstwerke von Künstlern aus Ghana
Campus Kassel Kunstwerke von Künstlern aus Ghana
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15:59 24.10.2017
Eines der Kunstwerke aus Afrika, die Julian Imort für die Ausstellung aus Ghana nach Göttingen gebracht hat. Quelle: Hartwig
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Göttingen

Es ist keineswegs eine gewöhnliche Ausstellung. „Und eigentlich war sie auch nicht vorgesehen“, erzählt Dr. Michael Kraus, Kustos der Ethnologischen Sammlung, in der Eröffnungsrede im gut besuchten Hörsaal der Sammlung. Die Idee sei den Ethnologie-Studierenden Julian Imort und Jacqueline Est im Frühling in einer Bar gekommen. „Wir wollten die Lebenswelt der Künstler in Ghana porträtieren und ihre Kunst nach Göttingen bringen“, sagt Imort.

Für ihre Bachelor-Arbeiten reisten die Studierenden in die ghanaischen Städte Cape Coast und Kumasi, um die Lebensumstände der dort lebenden Künstler kennenzulernen. Est beschäftigte sich während der Forschung mit den ökonomischen Aspekten der Lebenswelten von Künstlern vor Ort. Imort fragte vor allem nach den Beweggründen und Motivationen, die die einzelnen Produzenten zum Malen gebracht hatten und was sie mit ihrer Arbeit bezwecken möchten. „Unsere Bachelor-Arbeiten beginnen wir demnächst“, erzählt Imort. Ganz sicher seien die genauen Themen jedoch noch nicht. „Die Ausstellung und die Forschung in Ghana werden aber auf jeden Fall mit eingebunden.“

Gerede des weißen Mannes

Imort erzählt von den Höhen und Tiefen, die einem privilegierten Europäer beim Versuch die Situation in Ghana wiederzugeben, begegnen und erläutert die Auswahl der Bilder: „Es geht nicht um die eigenen Ästhetikvorstellungen.“ Auch das prätentiöse Gerede des weißen Mannes über Kunst sei fehl am Platz. „Generell“, ergänzt Kraus, „unterscheiden sich die westlichen Schönheitsideale drastisch von den Vorstellungen der Menschen“.

Vielmehr erkundigten sich Imort und Est, die bei der Eröffnung aufgrund eines Auslandssemesters in Tansania leider nicht dabei sein kann, welche Werke die Künstler gerne ausstellen würden. „Ziel der Ausstellung ist es, die Künstler mit ihren Wünschen und Problemen in den Vordergrund zu stellen und die Bedeutung der Gemälde aus der Perspektive ihrer Produzenten vorzustellen“, betont Imort.

Finanziert von „Kreativität im Studium“

So entstand eine bunte Sammlung an Gemälden und handgefertigten Objekten versehen mit Kommentaren der Urheber, die normalerweise nicht im Museum zu sehen ist. Dank der Finanzierung durch „Kreativität im Studium“ jedoch sind die Werke, die für den Verkauf an Touristen bestimmt waren, nun in der Ethnologischen Sammlung zu sehen. Sie zeigen alltägliche Szenen wie Gespräche von Marktfrauen, das Dorfleben im nördlichen Ghana oder Sonnenuntergänge. Sie spiegeln aber auch die Gefühlswelten der Künstler wider, die sich mit ernsten Themen wie Sklaverei, Rassismus und Frieden beschäftigen.

Evans Odiyifo ist beispielsweise der Ansicht, dass Afrika sich noch immer in einem Zustand der Sklaverei befindet. „Uns wird nicht die Chance ermöglicht, unsere eigenen Angelegenheiten zu regeln, obwohl wir alle sagen, dass wir in einer demokratischen Welt leben.“ In den Gemälden schwingt aber auch Hoffnung mit: So soll das Bild „Peace Wanted“ von Appiah Ntiaw zur friedlichen Kommunikation miteinander anregen.

Der Künstler John ruft zur Toleranz auf: Sein Gemälde „Tolerance“ zeigt Nilpferde, Krokodile und Vögel, die gemeinsam friedlich in der Sonne dösen. Der Produzent Ebenezer stellt das Werk „Black and White“ aus. Es zeigt einen Pianisten, der Klaviertasten bedient: „Für mich gibt es keinen Unterschied zwischen Schwarz und Weiß. Wir sind eins, im Zusammenspiel sind wir harmonisch.“

Die Ausstellung in der Ethnologischen Sammlung, Theaterplatz 15, kann bis sonntags zwischen 10 und 16 Uhr besichtigt werden (bis Sonntag, 4. Februar 2018).

Von Karolin Basten

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