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05:11 10.04.2017
Kathrin Ehrhardt arbeitet seit 2009 an der Mercator-Grundschule in Berlin-Lichterfelde. Als immer mehr Kinder zu wenig Deutsch konnten, übernahm sie die Aufgabe, den Sprachstand der Kinder festzustellen, sie in Gruppen einzuteilen und dann den Förderunterricht zu gestalten. Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert
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Den Unterricht beginnt Kathrin Ehrhardt immer auf die gleiche Weise. Wenn auch sonst im Leben ihrer Schüler vieles im Umbruch ist, soll zumindest das verlässlich sein.

In ihrem Unterrichtsraum gibt es einen großen Kalender. "Welchen Wochentag haben wir heute?", fragt sie immer als Erstes. Vor ihr sitzen Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren. Sie kommen aus Somalia, Syrien, der Slowakei oder der Türkei.

Ehrhardt, 48, unterrichtet in einem Bereich, der nach Ansicht vieler Experten in den Schulen immer wichtiger wird. Sie bringt Kindern mit Migrationshintergrund Deutsch bei. Jedes zweite Kind an der Mercator-Grundschule in Berlin-Lichterfelde hat einen Migrationshintergrund. Dazu kommen seit zwei Jahren die geflüchteten Kinder. Damit die Kinder im Unterricht mitkommen, brauchen viele eine spezielle Förderung.

Ehrhardt übernahm an ihrer Schule die Aufgabe, den Sprachstand der Kinder festzustellen, sie in Gruppen einzuteilen und dann den Förderunterricht zu gestalten. Die Grundschullehrerin versteht die Situation ihrer Schüler: Als ihre Eltern anfingen, im Ausland zu arbeiten, musste sie als Kind selbst in eine Schule gehen, deren Unterrichtssprache sie nicht verstand.

"Deutsch als Fremdsprache" (DaF) oder "Deutsch als Zweitsprache" (DaZ) zu unterrichten, war lange Zeit ein Berufsfeld, dass nicht sonderlich im Fokus der Öffentlichkeit stand. DaF richtet sich an alle, die Deutsch völlig neu lernen, DaZ an alle, die Deutsch neben einer anderen Sprache als zweite lernen - zum Beispiel, weil sie in Deutschland leben, zuhause aber kein Deutsch sprechen. Derzeit sind DaF- und DaZ-Experten sehr gefragt. "Seit Ende 2015, Anfang 2016 ist der Arbeitsmarkt wie leer gefegt", sagt Matthias Jung vom Fachverband Deutsch als Fremd- und Zweitsprache.

Um DaF oder DaZ unterrichten zu können, gibt es zum einen die Möglichkeit, einen entsprechenden

Studiengang an der Hochschule zu wählen. Eine weitere Möglichkeit ist es, an der Hochschule andere Fächer oder auf Lehramt zu studieren - und parallel Zusatzqualifikationen in DaZ und DaF zu erwerben.

Neben der Möglichkeit des Studiums gibt es die Option, nach dem Studium Weiterbildungen in DaF und DaZ zu machen. Universitäten und das

Goethe-Institut bieten solche Kurse an. Das erste Studium muss aber in der Regel einen sprachtheoretischen oder -praktischen Hintergrund haben, um unterrichten zu können, erklärt Heike Uhlig vom Goethe-Institut. Wichtig sei auch, dass die Lehrer selbst schon einmal eine Fremdsprache gelernt haben.

Lehrerin Ehrhardt weiß aus ihrer eigenen Erfahrung, wie hilflos man ist, wenn man sich nicht verständigen kann. Aber sie vertraut auch darauf, dass fast alle Kinder wahnsinnig schnell lernen. Etwas erstaunt sie immer wieder: wie nüchtern viele Kinder ihr Schicksal hinnehmen. Nach dem Üben mit dem Datum arbeitet Ehrhardt an verschiedenen Themen, etwa was in eine Schultasche hinein muss oder wer zur Familie gehört. Ehrhardt fragt dann Sachen wie: "Mit wem bist Du nach Deutschland gekommen?". Die Antworten der Schüler sind oft traurig. "Ich bin mit meiner Mutter hier. Mein Vater und mein Bruder sind tot", hörte sie neulich wieder. Ehrhardt versucht dann nicht bedrückt zu sein, sondern es wie die Kinder als Tatsache hinzunehmen.

Längst nicht jedem gelingt das. Wer DaF oder DaZ unterrichten will, sollte deshalb auf jeden Fall frühzeitig Praktika machen, rät Uhlig vom Goethe-Institut. Dabei merkt man schnell, ob das Unterrichten der eigenen Muttersprache etwas für einen ist. Mitbringen sollten Jugendliche neben einem Interesse für fremde Kulturen vor allem die Leidenschaft, mit Sprache zu arbeiten.

Ehrhardt macht die Arbeit mit den Kindern besonders Spaß, wenn sie einen "Aha"-Moment haben - und sie plötzlich etwas verstanden haben. Neulich war es wieder so weit, als ein Kind sagte: "Es heißt

derMond" - nicht die oder das Mond. Für Ehrhardt jedes Mal ein schöner Augenblick.

dpa

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