Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Aktuelles Ignorieren erlaubt: Job-Anrufe in der Freizeit
Campus Studium & Beruf Beruf & Bildung Aktuelles Ignorieren erlaubt: Job-Anrufe in der Freizeit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:22 25.07.2016
Oh nein, der Chef ruft an - Arbeitnehmer dürfen dienstliche Anrufe nach der Arbeit meist aber ignorieren. Quelle: Monique Wüstenhagen
Anzeige
Berlin

Nach Feierabend klingelt das Handy: Die Nummer kennt man, es ist die Arbeit. Rangehen oder nicht? Prinzipiell gilt: In der Regel ist man nicht verpflichtet, solche Anrufe anzunehmen, sagt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin.

Natürlich gibt es Ausnahmen. Klar ist der Fall zum Beispiel bei Bereitschaftsdiensten: Da ist Erreichbarkeit Pflicht. Diese Dienste werden aber auch vergütet und gelten als Arbeitszeit, erklärt Bredereck. Er rät, sich nach Betriebsvereinbarungen zum Thema zu erkundigen und im Arbeitsvertrag nachzulesen. Steht dort nichts zur Erreichbarkeit nach Dienstschluss, müsse man Anrufe generell nicht annehmen.

Doch auch nicht alles, was im Vertrag steht, ist rechtlich bindend. Steht dort zum Beispiel, dass man "rund um die Uhr" erreichbar sein muss, sei das eine unwirksame Klausel, erläutert Bredereck. Sie gilt auch dann nicht, wenn der Vertrag unterschrieben wurde.

Generell könne kein Arbeitgeber von Mitarbeitern verlangen, 24 Stunden erreichbar zu sein, betont der Anwalt. Aber wenn es etwa konkrete Absprachen für einen Anruf in einem bestimmten Zeitfenster gibt, sollte man da auch erreichbar sein. Die Erreichbarkeiten nach den Dienstzeiten hängen auch von der Position im Unternehmen ab. Von Angestellten mit viel Verantwortung könne man durchaus erwarten, dass sie auch nach Dienstschluss in Notfällen erreichbar sind, erklärt der Experte. Dies stehe so explizit meistens nicht in Arbeitsverträgen. Es ergebe sich aber indirekt aus der Stellenbeschreibung und einer entsprechend hohen Vergütung.

Bredereck fasst das Thema so zusammen: "Rechtlich gesehen sind die Arbeitnehmer meistens nicht zu Erreichbarkeit verpflichtet." Nicht selten fühlen Beschäftigte sich dazu aber verpflichtet. Viele Arbeitnehmer seien freiwillig auch nach Dienstschluss erreichbar. Was als Kompromiss helfen könnte, sind klare Absprachen - zum Beispiel, dass der Arbeitgeber einen nur in bestimmten Notfällen anruft, die man konkret umreißt.

Sonst bleibt Arbeitnehmern die Möglichkeit, einen Anruf zu ignorieren und dann zu sagen: "Ich habe das Klingeln nicht bemerkt." Etwas anderes könne das Unternehmen meist nicht nachweisen, erklärt Bredereck.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Schule ist abgeschlossen, die Berufswahl steht an. Doch welche Ausbildung soll es sein? Vor dieser schweren Frage stehen jedes Jahr viele junge Leute. Dabei sind bestimmte Berufe insbesondere bei Männern begehrt. Eine Hitliste.

25.07.2016

Jugendliche mit Problemen beim Übergang von der Schule zum Job werden häufig von einem Ansprechpartner zum nächsten geschickt. Jugendberufsagenturen sollen die Hilfsangebote bündeln. Doch nicht überall funktioniert das gleich gut.

25.07.2016

Talentscout, PR-Agent, Musikproduzent oder doch als Künstler auf der Bühne stehen? Die Popmusikbranche ist ein beliebtes Berufsfeld mit vielfältigen Möglichkeiten. Gradlinige Karrieren gibt es aber kaum.

16.09.2016
Anzeige