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Studium & Beruf Kinderkrankenschwester ist für viele ein Traumberuf
Campus Studium & Beruf Kinderkrankenschwester ist für viele ein Traumberuf
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00:00 26.01.2013
Einen Job in der Kinderkrankenpflege zu bekommen, ist nicht leicht. Denn es gibt viel mehr Bewerber als Ausbildungsplätze. Quelle: dpa
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Berlin

Für das Mädchen war es kein leichter Start: Normalerweise dauert eine Schwangerschaft 40 Wochen. Es kam in der 25. Woche auf die Welt - 450 Gramm schwer. Drei Wochen später ist der Säugling immer noch winzig. Ein grünes Kabel steckt in seiner Nase und versorgt es mit Nahrung. Die Augen verdeckt eine Mullbinde, denn die Netzhaut kann das Licht noch nicht aushalten.

Vorsichtig schiebt die Kinderkrankenschwester Janette Perrey ihren Arm in den Brutkasten. Ihre schmale Hand sieht im Vergleich zum Babykopf riesig aus. Sie scheint den Unterschied gar nicht zu bemerken: Routiniert fängt ihre Pranke an, den Bauch des Mädchens zu massieren.

Ist die Station voll belegt, betreuen Perrey und die anderen Kinderkrankenschwestern 28 Frühchen im Helios Klinikum Berlin-Buch. Zusammen mit den Ärzten stehen sie 28 Familien zur Seite, die häufig völlig überfordert sind. Wickeln, füttern, waschen: Beim ersten Kind sind diese Handgriffe für alle Eltern nicht leicht. Bei so kleinen Babys sind sie noch schwieriger. Fast immer sind die Eltern von Frühgeborenen völlig unbeholfen. „Wir sind dann das verlängerte Sprachrohr der Kinder“, sagt Schwester Perrey.

Perrey ist eine von 38000 Kinderkrankenschwestern in Deutschland. Während eine Ausbildung in der Alten- und Erwachsenenpflege nur wenige anzieht, gibt es in der Kinderkrankenpflege jedes Jahr mehr Bewerber als Ausbildungsplätze. „In Stuttgart kommen zum Beispiel auf 56 Ausbildungsstellen 1000 Bewerber“, sagt Elfriede Zoller vom Berufsverband Kinderkrankenpflege Deutschland. Die Frühchenstation ist dabei nur ein Einsatzgebiet der Fachkräfte. Daneben arbeiten sie in Kinderkliniken auf allen Stationen - von der Chirurgie bis zur Psychiatrie. Außerhalb können sie bei ambulanten Pflegediensten Jobs finden.

„Kinderkrankenpfleger betreuen kranke Kinder: Vom Frühgeborenen bis zum 18-jährigen Jugendlichen, sagt Zoller. Die Mehrheit der Fachkräfte ist weiblich. Die meisten lockt die Arbeit mit Kindern. „Viele denken allerdings, es reicht in dem Beruf, gut mit Kindern zu können“, sagt Peter Schellmann, Pflegedienstleiter am Helios Klinikum Berlin-Buch. Doch die Arbeit mit kranken Kindern fordere viel mehr.

Schwester Janette Perrey wechselt Windeln, füttert und notiert das Gewicht der Frühchen. Während andere Patienten ihren Pflegern sagen können, wenn sie Schmerzen haben, muss Perrey raten. Können die Kinder bereits sprechen, haben sie häufig große Angst. Daneben haben Kinderkrankenpfleger oft noch zwei Patienten mehr: die Eltern. „Viele von ihnen sind sehr besorgt. In der Regel sind sie in der Klinik ständig präsent“, erzählt Perrey. Ein großer Teil der Arbeit in ihrem Job bestehe deshalb darin, die Erziehungsberechtigten zu beruhigen - und sie dabei anzuleiten, die Kinder richtig zu pflegen.

Werden die Kinder gesund, mag Perrey ihren Job. Doch nicht alle haben dieses Glück. „Gewisse Sachen muss man lernen, auf der Arbeit zu lassen“, sagt sie. Es gibt Tage, die laufen nicht gut. Manchmal ist die Lage eines Kindes lange Zeit stabil - und dann verschlechtert sich der Gesundheitszustand plötzlich. Am Anfang war das für sie nicht leicht. „Einmal standen die Eltern weinend auf dem Flur, und ich musste auch sofort losheulen“, sagt sie. Wenn sie heute merkt, dass es nicht geht, tauscht sie mit einer Kollegin das Zimmer mit den zu betreuenden Kindern.

Angehende Auszubildende sollten gut auf Menschen zugehen können, Einfühlungsvermögen haben und geduldig sein, sagt Zoller. Für die drei Jahre lange schulische Ausbildung zum Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger ist formal nur ein Realschulabschluss erforderlich. Da der Bewerberandrang sehr groß ist, seien aber sehr gute Noten im Abschlusszeugnis notwendig, sagt Schellmann.

Auf dem Stundenplan in der Kinderkrankenpflegeschule stehen die Grundlagen der Pflege. Das Curriculum gleicht in Teilen dem von Kranken- und Altenpflegern: Es geht um Krankheitsbilder, die Anatomie des Menschen oder Pflegetechniken. „Kinderkrankenpfleger schauen dann auf alles noch einmal mit einem speziellen Blick“, sagt Zoller.

Daneben verbringen die Auszubildenden immer wieder Praxisphasen im Klinikum. „Im ersten Lehrjahr ist das vor allem Gucken, Danebenstehen und einen guten Eindruck machen“, erinnert sich Perrey. Später fangen die Auszubildenden an, kleinere Aufgaben unter Aufsicht selbst zu erledigen. Die Ausbildungsvergütung liegt laut der Bundesagentur für Arbeit im ersten Lehrjahr bei rund 870 Euro brutto im Monat. Bis zum dritten Lehrjahr steigt sie dann auf 1030Euro. Berufseinsteiger verdienen rund 2400 Euro brutto im Monat.

Ein Nachteil der Arbeit ist die Schichtarbeit. „Man sollte vorher berücksichtigen, dass man nicht jedes Wochenende und jeden Feiertag freihat“, sagt Perrey. Einen anderen Job kann sie sich trotzdem nicht mehr vorstellen: Sie interessiere die Medizin, erzählt sie. Und den Rest erzählen die Karten an der großen Pinnwand im Flur: „Liebes Team! Danke, Danke, Danke!“ steht auf einer - und Ähnliches auf vielen mehr.

Kristin Kruthaup

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