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Gefahr im Verzug! - Der Göttinger Straßenverkehr

„Immer diese Erstis!“ Gefahr im Verzug! - Der Göttinger Straßenverkehr

Erstsemester in Göttingen - wie ist das? Lisa-Marie Räker hat sich auf das Abenteuer Studium eingelassen: "In diesem Blog teile ich meine Erfahrungen als Ersti an der Georg-August-Universität hier in Göttingen mit Euch und versuche, ein paar hilfreiche Tipps rund um das Studentenleben an der Georgia Augusta zu geben." Heute: Straßenverkehr.

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Lisa-Marie Räker

Quelle: EF

Göttingen ist nicht nur Studenten-, sondern auch Fahrradstadt, das habe ich schnell gemerkt. Nie zuvor habe ich so viele Fahrräder auf einmal gesehen wie am Bahnhofsplatz oder auf dem Z-Campus, ich war ganz erstaunt. Dann sagte man mir: „Wenn man hier Student ist, muss man auch Fahrrad fahren!“ Ich war ganz von den Socken. Ich soll Fahrrad fahren? Ich kann Fahrrad fahren echt gar nicht leiden und habe es immer tunlichst vermieden, mich auf einen Drahtesel zu setzen. Aber gut, ich habe mein Fahrrad mit nach Göttingen genommen und mich ins Getümmel gestürzt. Das, was ich dabei so gelernt habe, möchte ich Euch nicht vorenthalten.

Wer in Göttingen Fahrrad fährt...

… ist selten allein unterwegs. Bei Subway in der Nähe vom Bahnhof gibt es so eine futuristisch aussehende Säule, die jeden Tag die vorbeifahrenden Fahrräder zählt. Das höchste, was ich bisher darauf gelesen habe, war irgendwas mit viertausend. Die Säule zeigt auch an, wie viele Fahrräder im ganzen Jahr daran vorbei gefahren sind.

 
Beim Fahrradfahren in Göttingen gibt es ein paar wichtige Regeln, die man unbedingt beachten sollte. Auch wenn ich in den letzten zehn Jahren vielleicht fünf Mal Fahrrad gefahren bin, habe ich diese Regeln schnell gelernt. Für einige von Euch mögen diese Dinge auch selbstverständlich sein, für mich waren es die meisten allerdings nicht.

 
Rechtsfahrgebot
Auf der Straße ist es logisch, dass man rechts fährt. Allerdings gilt das gleiche auch für Fahrradwege auf dem Bürgersteig. Man fährt immer auf dem rechten Radweg! Auch wenn es rechts keinen Radweg gibt, darf man nicht den linken benutzen, sondern muss auf der Straße fahren. Geisterfahrer können mit einem Bußgeld bestraft werden. Für mich war das neu, wo ich herkomme, gibt es immer nur einen Radweg, den sich alle teilen… Auf dem Radschnellweg, der vom Bahnhof zur Norduni führt und blau markiert ist, darf allerdings in beide Richtungen gefahren werden.

 
Schulterblick
Wenn man in einer Kleinstadt den Führerschein gemacht hat, so wie ich, dann gewöhnt man sich den Schulterblick nach der Prüfung schnell wieder ab. Seit ich aber hier in Göttingen bin, mache ich IMMER einen Schulterblick, egal ob ich mit dem Auto, dem Rad oder auch zu Fuß unterwegs bin. Das ist ganz wichtig, weil man sonst Gefahr läuft, von einem der „Raser-Radlern“, die hier zuhauf unterwegs sind, umgefahren zu werden. Da kann es zu einem schlimmen Unfall kommen, egal, wie man unterwegs ist. Jetzt drehe ich mich immer kurz um, bevor ich abbiege. Vor allem wenn man im Zentrum unterwegs ist, ist das sehr wichtig. Dort fahren Busse und Autos und Fußgänger gehen plötzlich über die Straße. Auch auf der Fahrradautobahn ist es wichtig, aufmerksam zu sein und sich umzugucken, besonders wenn es voll ist.

 
Musikhören
Mit Kopfhörern Musik zu hören ist beim Fahrradfahren nicht verboten. Aber ich rate Euch davon ab. Auch wenn es cool oder entspannend ist, tut Ihr Euch und den anderen Verkehrsteilnehmern keinen Gefallen damit. Ich habe es ausprobiert und gemerkt: Man ist weniger aufmerksam und nimmt das Verkehrsgeschehen an sich nicht mehr ausreichend wahr. Durch die Musik in den Ohren ist man immerzu abgelenkt, auch wenn man versucht, sich auf den Verkehr zu konzentrieren – es ist nicht zu 100 % möglich. Deswegen denke ich, das kann ziemlich gefährlich sein.

 
Betrunken Radfahren
… ist eine Straftat. Wenn man mit über 1,6 Promille unterwegs ist, wird die Straßenverkehrsbehörde eine MPU („Idiotentest“) anordnen. Verweigert man diese oder fällt durch, kann der Führerschein entzogen werden oder sogar ein Radfahrverbot verhängt werden. Auch wenn mit geringerer Alkoholisierung ein Unfall verursacht wird, macht man sich strafbar und kann vor Gericht angeklagt werden.

 
Rote Ampel
Mögen sie noch so nervig sein – fahrt nicht über rote Ampeln! Es wird mit einem Bußgeld und Punkten bestraft, wenn man über eine rote Ampel fährt. Ihr gefährdet damit also nicht nur den Verkehr und somit andere Menschen, sondern auch Euren Führerschein. Gerade für Studenten, die noch in der Probezeit sind, ist das nicht gerade wünschenswert. Also plant für die Fahrt zur Uni einfach zwei, drei Minuten mehr ein… :-(

 

Defensiv Fahren
Ich möchte Euch ans Herz legen, dass Ihr beim Fahrradfahren eine defensive Fahrweise an den Tag legt. Es geht alles so schnell auf der Straße, und man verliert bei den vielen Fahrrädern, Autos und Bussen sehr leicht den Überblick. Jeder will irgendwie an sein Ziel kommen – bei manchen scheint die Betonung auf „irgendwie“ zu liegen… Seid immer aufmerksam und denkt daran: Da draußen fahren so viele Idioten herum… Ihr müsst mit allem rechnen!

 
Bus

 
Das Busliniennetz in Göttingen finde ich sehr gut. Wo ich herkomme, fährt der Bus – wenn man Glück hat – stündlich. Daher ist es für mich, die ich oft zu faul bin, Fahrrad zu fahren, ein wahrer Luxus, dass hier im Viertelstundentakt ein Bus zur Uni fährt. An dieser Stelle möchte ich meinen großen Respekt vor allen Busfahrern erwähnen! Wie die es manchmal schaffen, durch die engen Straßen durchzukommen, ohne den Bus oder parkende Autos zu beschädigen, ist mir echt ein Rätsel. Vor allem in Grone „An den Weiden“, wo zurzeit die Straße erneuert wird, ist es sehr eng. Dann laufen da noch Leute rum, Fahrradfahrer kommen angesaust und Autos stehen im absoluten Halteverbot. Ich hätte da schon mit meinem PKW ernsthafte Probleme, aber ich vermeide es sowieso, in Göttingen mit dem Auto herumzufahren. Die Busfahrer allerdings sind so talentiert – die kommen da ohne Probleme durch, und zwar nicht irrsinnig langsam, sondern schon eher flott. Mir scheint es immer, dass die wenigsten dies zu würdigen wissen. Die meisten Leute, die in den Bus einsteigen, sagen nicht „Hallo“. Sie gucken den Fahrer nicht einmal an. Das finde ich nicht nur unfreundlich, sondern auch schade. Schließlich bringt der Fahrer eines Busses seine Fahrgäste sicher an ihr Ziel. Da kann man doch wenigstens freundlich grüßen, denke ich mir. Das erlebt man hier leider selten.

 
Wenn Ihr mal Bus fahrt, könnt Ihr ja dem Busfahrer freundlich „Guten Tag“ sagen – das lohnt sich allein schon deswegen, weil die meisten dann ganz erstaunt gucken, ziemlich witzig.

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