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Demenz: 1,2 Millionen leiden an der Volkskrankheit

Warum es nicht immer Alzheimer ist Demenz: 1,2 Millionen leiden an der Volkskrankheit

In Deutschland gibt es rund 1,2 Millionen Menschen, die an einer Demenz leiden. Im Jahr 2020 werden es voraussichtlich doppelt so viele sein. „Dennoch“, erklärt Prof. Mathias Bähr, Direktor der Abteilung Neurologie am Universitätsklinikum, „werden die als Demenz bezeichneten Krankheiten nach wie vor stark tabuisiert, bagatellisiert und häufig nicht optimal behandelt.“

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Mangelnde Unterstützung: Nur 20 Prozent der Demenzkranken werden angemessen behandelt.

Quelle: Decker

Das Bild, das wir von dementiellen Erkrankungen haben, ist geprägt durch die weit häufigste Form, die Alzheimer-Erkrankung. An ihr leiden etwa 55 Prozent der Betroffenen.

Weitere wichtige Erkrankungen, die teilweise anders therapiert werden müssen, sind die Lewy-Körperchen-Demenz (15 Prozent), die gefäßbedingte Demenz und Mischformen mit Beteiligung der Gefäße (15 Prozent), die Demenz im Rahmen einer Parkinson-Erkrankung (fünf Prozent) und frontotemporale Demenzen (fünf Prozent ).

Demenz als Nebenwirkung
Neben der Unterscheidung zwischen den verschiedenen Demenzformen muss bei der Diagnose sichergestellt werden, dass es sich bei den Symtomen nicht um die Folgen anderer Erkrankungen handelt. So können sich beispielsweise eine depressive Episode, die Nebenwirkungen eines Medikamentenmissbrauches, Abflussstörungen von Nervenwasser, Schilddrüsenstörungen, Vitamin B12-Mangel oder auch Infektionskrankheiten des Gehirns nach außen wie eine dementielle Erkrankung darstellen. Die Diagnostik hierfür ist sehr aufwändig. Und nicht selten unterbleibt die sorgfältige Abklärung.

„Nur 20 Prozent der Demenzkranken erhalten eine angemessene Therapie“, warnt Dr. Anja Schneider, Leiterin der Gedächtnisambulanz des Universitätsklinikums Göttingen. Nur jeder dritte Patient wird im Diagnosequartal einem Neuropsychiater vorgestellt. „Und außerhalb größerer Städte“, so Schneider, „ist ein nervenärztliches Angebot teilweise gar nicht vorhanden.“

Dringender Handlungsbedarf
Angesichts der demografischen Entwicklung besteht hier dringender Handlungsbedarf. Kamen 1975 noch 25 jüngere Menschen auf einen 75jährigen, waren es 2001 nur noch zwölf, und 2040 werden es 6,2 sein. „Die Wahrscheinlichkeit, an einer Demenz zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter jedoch nicht linear, sondern exponentiell“, erklärt der Neurologe. Nicht zuletzt die volkswirtschaftlichen Folgen seien dramatisch.

Bundesmittel vorhanden
Erfreulich sei, dass mittlerweile erhebliche Bundesmittel für die Demenz-Forschung bereit stehen. „Deutschland ist in der Grundlagenforschung zur Demenz sehr gut aufgestellt.“ Eine Schwachstelle bestehe dagegen bei der Umsetzung der Ergebnisse aus der Grundlagenforschung in die medizinische Praxis. Hier ge-be es erheblichen Nachholbedarf.
Bis heute sind die meisten Formen der Demenz nicht heilbar. Selbst das Fortschreiten der Krankheit lässt sich beispielsweise bei Alzheimer nicht verzögern. Lediglich die Symptome können abgemildert werden.
Dies liegt nicht zuletzt daran, dass der krankmachende Mechanismus der Alzheimer-Demenz noch nicht wirklich verstanden ist. Neuere Forschungen haben zum Beispiel ergeben, dass die so genannten Plaques, also Ablagerungen im Gehirn, keine solch große schädigende Rolle spielen, wie bisher angenommen. Offenbar sind andere Ursachen deutlich wichtiger für den Tod der Gehirnzellen.

Neue Einsichten zu Ursachen
„Wir gehen davon aus, dass das in den Plaques abgelagerte, so genannte Abeta-Peptid nur in der direkten Umgebung giftig wirkt. Lagern sich die Peptide jedoch in den Gehirnzellen ab, sind sie deutlich schädlicher“, erklärt Prof. Thomas A. Bayer, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Göttingen.

Diese neuen Erkenntnisse ermöglichen es, mittelfristig neue Wirkstoffe für Alzheimer-Patienten zu entwickeln. Ebenso sind die Forscher auf der Suche nach einem Schnelltest, der es ermöglicht, Alzheimer per Reihenuntersuchung unaufwändig und preiswert in einem sehr frühen Stadium zu diagnostizieren.

Denn auch mit Wirkstoffen, die heute noch Zukunftsmusik sind, müssen die Zerstörungen im Gehirn, die die Krankheit anrichtet, verhindert werden. Die Regeneration zerstörten Hirngewebes ist nicht möglich.

Von Heike Jordan

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