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Fehlende Krankheitseinsicht der Betroffenen

Lebensplanung aus der Bahn Fehlende Krankheitseinsicht der Betroffenen

Alzheimer-Patienten werden oft im Kreise der Familie betreut. Die pflegenden Angehörigen leider unter der Krankheit einer nahestehenden Person meist sehr. Den betroffenen Patienten sind die eigene Funktionsdefizite häufig kaum bewusst. „Jetzt spricht sie von ihrer Schulzeit“, erklärt Herr R., der mit seiner Alzheimer-kranken Mutter in die Gedächtsnisambulanz zu einem Routinetermin gekommen ist. Die 79jährige Dame „fühlt sich ganz gut“. 

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Oft im Kreise der Familie betreut: Alzheimer-Patienten.

Quelle: dpa

Sie lebte mit ihrem Mann in Osterode im Einfamilienhaus, als deutlich wurde, dass etwas nicht stimmt. Der Hausarzt überwies dann an die Göttinger Gedächtnisambulanz zur Abklärung, leider mit eindeutigem Befund. 

Im Anfangsstadium konnte zunächst der Ehemann die Betreuung übernehmen. Die Kinder wohnen in Deutschland verstreut. Allerdings kommt es bald zu Spannungen zwischen den Eheleuten. „Mein Vater hat meine Mutter viel zu sehr bevormundet. Das hat sie sich trotz Krankheit nicht gefallen lassen.“

Der erste Versuch, die Pflegeversicherung in Anspruch  zu nehmen, um Unterstützung zu bekommen, scheitert allzu typisch: Der Vater hatte pflichtbewusst das Haus herausgeputzt, als die Mitarbeiter des medizinischen Dienstes kamen. Die Mutter hatte einen sehr guten Tag. Eine Pflegebedürftigkeit wurde nicht festgestellt.

„Beim zweiten Versuch, dann schon im Heim, ist meine Mutter gleich auf Pflegestufe 2 eingruppiert worden“, so Herr R. Das Heim war schließlich die einzige Option für die Kinder. Auch der Vater zog mit ins Heim - zunächst in eine gemeinsame Wohnung, dann in zwei getrennte Zimmer. „Dort geht es beiden jetzt ziemlich gut“, erklärt der Sohn, der regelmäßig aus Dortmund kommt und seine Mutter besucht. Leider ist durch den Umzug der Freundeskreis sehr eingeschlafen, bedauert er. Natürlich werden die Unterhaltungen mit seiner Mutter auch immer flacher, aber man könne noch viel voneinander haben. So positiv fällt das Fazit von Ehepaar M. aus der Gegend südlich von Kassel nicht aus. Sie ist Alzheimer-krank. Er kümmert sich rund um die Uhr um alles. 

„So hatten wir uns unser Alter nicht vorgestellt“, sagt er immer wieder. „Mit 40 haben wir zum ersten Mal Urlaub gemacht, vorher nur gearbeitet und Kinder großgezogen. Und jetzt, wo wir das Leben noch ein bisschen genießen wollten, ....“

Schon vor mehr als zehn Jahren zeigte seine Frau die ersten Symptome. Von außen ist ihr kaum etwas anzumerken. Nur bei Fragen sagt sie zu ihrem Mann, jetzt müsse er mal helfen. „Meine Frau meint immer noch, es sei alles so wie früher.“ Aber inzwischen seien sie, die Vereinsmenschen, überall ausgetreten. Freunde und Bekannte wüssten nicht, wie sie mit der Krankheit umgehen sollten und blieben fern. „Ach, so schlimm ist es nun aber auch wieder nicht“, sagt sie. „Was hast Du denn?“ 

Herr M. kann kaum einmal das Haus verlassen, höchstens schnell das Wichtigste einkaufen. Dann muss er wieder nach Hause. „Meine Frau hat sich lange geweigert, irgendeine Hilfe zu beantragen. Sie sieht überhaupt keine Notwendigkeit. Er hingegen möchte wenigstens stundenweise rauskommen. Die Anträge sind nun endlich ausgefüllt.

„Meine Mutter weigert sich schlichtweg, zum Arzt zu gehen“, erklärt eine Göttingerin, die bei ihrer im Rheinland lebenden Mutter eine Demenz vermutet. Das Gespräch mit dem Hausarzt der Mutter brachte auch kein Ergebnis. Die knapp 70jährige Dame weist jeglichen Verdacht weit von sich, der Tochter hingegen erscheinen die Symptome typisch

„Ich denke, viele Angehörige brauchen schon in der Verdachts-Phase ganz pragmatische Unterstützung“, so die Tochter. Wie bekomme ich meine Eltern dazu, den Arzt aufzusuchen? Wie kann ich gar mit ihnen über eine Vorsorgevollmacht reden oder ihre Wünsche erfragen für den Fall, dass sie irgendwann nicht mehr in Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sind? 

„Schon an dieser Stelle würde ich mir Hilfe wünschen.“ Es gehe so viel kostbare Zeit verloren: für eine früh beginnende Therapie und für innerfamiliäre Klärungen, was im Fall der Fälle geschehen soll. 

„Ich denke, gerade den Angehörigen von Alzheimer-Kranken, die ja durchaus aggressiv gegenüber den vertrauten, pflegenden Menschen werden können, würde es sehr helfen, wenn die Betroffenen vorher noch selbst bestimmt hätten, wie Dinge laufen sollen, wenn sie sie nicht mehr steuern können.“ Aber das sei nur in frühen Stadien der Krankheit möglich. Heike Jordan

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