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Keinerlei Anerkennung für hohen Einsatz

Laienhelfer Keinerlei Anerkennung für hohen Einsatz

Häufig fragen mich Angehörige beim Erstgespräch, ob ich das wirklich alles glaube, was sie mir über den Kranken berichten“, erzählt Dagmar Hillmann, Sozialarbeiterin in der Gedächtnisambulanz. Das Wichtigste sei, erst einmal zuzuhören und herauszufinden, was der Angehörige will. Manche reden sich spontan den Ärger von der Seele. Andere warten ab, was kommt.

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Berät und unterstützt: Dagmar Hillmann.

Quelle: Vetter

„Ich versuche dann deutlich zu machen, dass der Angehörige die eigentliche Fachperson ist“, erklärt Hillmann. Gefragt wird auch nach der häuslichen Versorgungssituation. Was wird gebraucht? Was lässt sich wie finanzieren? Bei all' diesen Aufgaben unterstützt Hillmann die Angehörigen. Ebenso berät sie in Hinblick auf Entlastungsangebote für die Angehörigen. „Ich mache den Menschen deutlich, dass sie etwas für sich tun müssen, um die Pflege weiter leisten zu können.“ Wenn sie zusammenbrechen, muss der Alzheimer-Kranke fast immer ins Heim.

Manche Angehörige kommen nur zu ein oder zwei Gesprächen, andere regelmäßig. Viele rufen auch kurz an, um die im Alltag auftretenden Probleme direkt zu klären. „Heute rief eine Dame an, die überraschend in sechs Tagen operiert werden muss.“ Die Pflegestufe für ihren Mann sei noch nicht bewilligt, wäre jedoch die Voraussetzung für die vorübergehende Heimunterbringung. „Ich starte dann eine elende Telefoniererei. In diesem Fall eineinhalb Stunden.“ Jetzt hoffe sie, dass noch alles klappt. Hier sei sehr hilfreich, dass sich die Akteure rund um Göttingen regelmäßig in der Arbeitsgruppe Geronto-Psychiatrie des Sozialpsychiatrischen Verbundes treffen. Dadurch lassen sich derartige Notfälle häufig auf einem verkürzten Dienstweg regeln.

Die zweite Dame, die telefonisch um Rat fragte, wolle nun endlich eine Pflegestufe für ihren Mann beantragen, nachdem sie dies aus Loyalität bisher nicht gegen seinen Wunsch habe tun wollen. „Jetzt sucht sie Unterstützung bei der Antragsstellung.“ Man dürfe nicht vergessen, dass die pflegenden Familienangehörigen bei Demenz-kranken Menschen häufig 70 Jahre alt und älter seien, so Hillmann. „Und es sind etwa drei Viertel aller Betroffenen, zuhause betreut werden. Von massenweiser Abschiebung ins Heim kann keine Rede sein.“

Die Rolle der Pflegenden sei oft extrem undankbar. Eine Tochter, die ihre Mutter pflegt, musste sich von den Geschwistern anhören, wie fit die Mutter doch noch sei. „Der Bruder sagte gar, dass es überhaupt nicht in Frage komme, die Mutter in ein Heim zu geben.“ Die Schwester fügte sich, bis sie selbst ins Krankenhaus musste. In dieser Zeit übernahm ihr Bruder die Betreuung der Mutter. „Anschließend betrieb er selbst mit Nachdruck die Heimunterbringung.“

Da die Angehörigen zuhause oft keinerlei Anerkennung für ihren Einsatz bekommen, falle es vielen schwer, sich auch einmal etwas zu gönnen. „Hier versuche ich, Angebote wie Tagespflege und diverse Betreuungsgruppen zu vermitteln, damit mal Zeit bleibt, wenigstens einen halben Tag lang etwas Schönes für sich zu tun“, so die Sozialarbeiterin.

Laienhelfer

Die Laienhelfer der Diakoniestation Göttingen betreuen erkrankte Familienmitglieder - insbesondere auch Demenz-Patienten - stundenweise zuhause in der vertrauten Umgebung. Zusätzlich werden Betreuungsgruppen angeboten. Alle Helferinnen und Helfer sind in mehrwöchigen Schulungen auf diesen Einsatz vorbereitet worden. Durch ihre Anwesenheit können sie den Angehörigen kleine Freiräume schaffen.

jo

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