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Welches Vergessen ist noch normal?

Verschämtes Schweigen Welches Vergessen ist noch normal?

Die Angehörigen schildern beim Aufnahmegespräch, dass die an Demenz erkrankte Mutter nicht mehr in der Lage ist, ein Ei zu kochen. Die Erkrankte selbst berichtet jedoch, dass sie jeden Tag das Mittagessen zubereitet, schließlich sei da ja sonst auch niemand, der das tun könne. „Diese mangelnde Krankheitseinsicht ist ganz typisch für Patienten, die an Alzheimer erkrankt sind“, erklärt Dr. Anja Schneider von der Gedächtnisambulanz des Universitätsklinikums.

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Umfangreiche Diagnostik

Demenz-Patientin: Mangelnde Krankheitseinsicht ist typisch für an Alzheimer-Erkrankte.

Quelle: Heuer

Verminderte Gedächtnisleistungen seien im Alter bis zu einem gewissen Grad normal. Allerdings gebe es in der Bevölkerung kein Bewusstsein dafür, was eben nicht altersnormal ist. „Dadurch werden Demenzerkrankungen im Frühstadium oft nicht ernst genommen und somit wichtige Chancen vertan“, erklärt Schneider. 

Unterschiedliche Therapie

Zum einen können die Symptome der Demenz um so erfolgreicher bekämpft werden, je früher das Krankheitsstadium ist. Zum anderen kann die Demenz auch eine Nebenwirkung anderer behandlungsbedürftiger Störungen sein wie etwa einer depressiven Episode, den Nebenwirkungen eines Medikamentenmissbrauchs, Schilddrüsenstörungen, Vitamin B12-Mangel, Infektionskrankheiten des Gehirns oder Abfluss-Störungen von Nervenwasser.

Auch müssen verschiedene Formen der Demenz unterschiedlich behandelt werden.Wer bei sich selbst oder bei nahestehenden Menschen Veränderungen in der geistigen Leistungsfähigkeit wahrnimmt, sollte sich daher schnellstmöglich zur Abklärung an einen Fachmann wenden. Gerade bei mangelnder Krankheitseinsicht ist es jedoch für die Angehörigen oft äußerst schwierig, den mutmaßlich Betroffenen zu einer Untersuchung zu bewegen. 

Schamhaftes Schweigen

Außerdem sei es nach wie vor so, dass ein Demenzverdacht erst lange Zeit schamhaft verschwiegen werde, so Schneider. Dies sei einer der Gründe, warum die Gedächtnisambulanz eben nicht Demenzambulanz heißt und warum sie nicht im Gebäude der Psychiatrie in der von-Siebold-Straße untergebracht sei, sondern im Klinikums-Hauptgebäude in der Poliklinik.

Die Versorgungssituation stellt eine weitere Schwierigkeit für die Betroffenen dar. Das gesamte diagnostische Spektrum kann nur von Einrichtungen mit Maximalversorgung geleistet werden. Gerade aus dünner besiedelten Gegenden ist der Anreiseweg oft recht weit. So sind Patienten aus dem nordhessischen oder Thüringer Raum in der Göttinger Gedächtsnisambulanz keine Seltenheit.

Von Heike Jordan

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Nervenwasseruntersuchung

Die Entscheidung, ob die  Gedächtnisstörung eine Demenz ist, setzt häufig eine umfangreiche Diagnostik voraus. Einen Selbsttest gibt es bisher nicht, wohl aber einen kurzen Screeningtest für die hausärztliche Praxis. Der Mini-Mental-Status-Test (MMST) prüft beispielsweise Orientierung, Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit und Rechenfähigkeit sowie die Sprachkompetenz. Im Uhrentest wird der Betroffene gebeten, eine Uhr zu zeichnen und auf ihr eine bestimmte Uhrzeit einzutragen.

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