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Blog: Eine Woche Nobelpreis - Bericht aus Stockholm

Tageblatt-Nobelwoche Blog: Eine Woche Nobelpreis - Bericht aus Stockholm

Tageblatt-Redakteurin Angela Brünjes berichtet in diesem Blog täglich aktuell aus Stockholm über die Nobel-Woche, die Nobel-Lecture und natürlich die Verleihung des Nobelpreises. Angereichert mit verschiedenen multimedialen Inhalten, wie Videos oder Bildern, sind Sie als Leser bei dieser Reise hautnah dabei.

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Göttinger Stefan Hell nimmt Nobelpreis für Chemie entgegen
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Nobelpreisträger Hell zu Gast bei CDU/CSU-Bundestagsfraktion
Quelle: Nietfeld/dpa
Abschluß
 
Hüpfender Frosch

Eine Minute wie ein Frosch hüpfen und quaken, dazu möglichst noch grinsen und auf jeden Fall einen Frack tragen: Wer das schafft, dazu Nobelpreisträger ist oder sich um die Stockholmer Studentenschaft verdient gemacht hat, wird in den „Orden des immerzu grinsenden und hüpfenden Frosches“ aufgenommen.

Stefan Hell hat es geschafft. Beim Festakt von Max-Planck-Gesellschaft und Universität Göttingen erzählte er in der Aula am Wilhelmsplatz davon. Nach vielen lobenden Reden auf ihn, ergriff der am Mittwoch nach Göttingen zurückgekehrte Nobelpreisträger vom Orden und anderen Begebenheiten während der Nobelwoche.

So seien er und seine Ehefrau Anna Hell gut vorbereitet nach Stockholm gereist. Vieles bei den Feierlichkeiten sei heute noch so, wie es ihnen  Filmausschnitte gezeigt hätten und wie es Eva-Maria und Erwin Neher aus dem Jahr 1991 berichteten (damals erhielt der wie Hell am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen tätige Erwin Neher mit Bert Sakmann den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin).

Was sich verändert hat, ist nach Ansicht von Hell die Anzahl der Fotografen. Denn nicht nur die Medienvertreter seien aktiv, sondern jeder, der über ein fototaugliches Handy verfüge: „Und schon wird bei Twitter oder Facebook gemeldet, ich habe einen Nobelpreisträger getroffen“, erzählte Hell.

Und er habe sich auch schnell an die Kleiderordnung in Stockholm gewöhnt. Beim ersten Termin hieß es für den Dress Code zwar noch Casual Wear. „Aber Eric Betzig und ich haben gleich festgestellt, dass wir besser das angezogen hätten, was für den Rest Woche dann üblich war: immer Anzug und Schlips!“

Und dreimal war Frack angesagt: bei Preisverleihung und Nobel Bankett am Mittwoch, beim Dinner im Schloss auf Einladung von König Carl Gustaf und Königin Silvia und schließlich beim Luciaball der Studentenschaft, wo der Frosch-Orden verliehen wurde.

Der existiere seit 30 Jahren und sei lange Zeit das einzige Zeichen der Nobelpreisträger gewesen (inzwischen gibt es die goldene Reversnadel mit dem Bildnis von Preisstifter Alfred Nobel), berichtete Hell. Und das haben vielleicht auch diejenigen gewusst, die gleich nach der Bekanntgabe des Nobelpreises an Hell, dem Physiker kleine Frösche aus Fruchtgummi schenkten     - das war ein Gruß mit Gratulation aus der Schulklasse von einem der Söhne.

Tag 7 - Donnerstag, 11. Dezember 2014
 
Glanzvoll war's - und eine Ehre

Es war ein königlicher Abend, es war eine mystische Nacht, wie es schwedische Tageszeitungen am heutigen Donnerstag schreiben. Alles, was am Nobeltag in Stockholm passierte, war ebenso wundervoll wie unvergesslich. Für die Schweden, insbesondere die Stockholmer, ist es das Ereignis des Jahres. Jedenfalls gilt das für Jahre ohne königliche Hochzeit.

Das schwedische Königshaus ist bei der Preisverleihung und dem festlichen Bankett aber auch so gut vertreten, dass allein dies schon für Gesprächsstoff sorgt. Und deshalb hat es am Donnerstag auch der Chemie-Nobelpreisträger Stefan Hell aus Göttingen ins Morgenmagazin des schwedischen Fernsehens geschafft.

Er ist teils länger zu sehen als am Vorabend während der Liveübertragungen von Zeremonie und Bankett: Am Morgen geht es nicht um neuartige optische Mikroskope, es geht um die Tischdame von Stefan Hell. Prinzessin Madeleine trug ein schlicht geschnittenes Abendkleid in violett-beige, das bei den Modefachfrauen Aufmerksamkeit erregt hat, weil der feine Stoff wie transparent wirkte.

Hejdå (Auf Wiedersehen) Stockholm.

Quelle:

Und während die Damen des Königshauses mit Diademen und Colliers glänzen, zeigt die Neue beim Nobeldinner in dieser Hinsicht Zurückhaltung: Sophia Helqvist, die künftige Ehefrau von Prinz Carl Philip, hat hier auch nahezu schmucklos, aber Strahlen schön ihr Debüt bestanden, urteilt die Hofkolumnistin von Dagens Nyheter.

Im Svenska Dagbladet ist das Kollier von Kronprinzessin Victoria Thema: offenbar ist das Kreuz aus Brillanten noch keinem unter die Augen gekommen.

Dass das schwedische Königshaus an der Verleihung des Nobelpreises teilnimmt und den Preisträgern damit Ehre erweist, macht alles zu einem erst recht glanzvollen Ereignis. Darauf sind die Schweden stolz. Vom Stolz seiner Landsleute auf den Nobelpreis hat auch Jean Tirole gesprochen im TV-Interview.

Der Franzose hat den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhalten. Seit der Bekanntgabe sei er nun daheim in Toulouse ein bekannter Mann; sogar in Paris werde er auf der Straße erkannt und mit Glückwünschen bedacht.  Seine Landsleute gratulierten, "und ja, sie sind stolz, dass gleich zwei Nobelpreise in diesem Jahr nach Frankreich gehen." Schriftsteller und Landsmann Patrick Modiano hat den Literaturnobelpreis erhalten.

Und auch meine Tischherren beim Bankett sind stolz. Der TV-Kollege Håkan aus Norwegen erzählt von den "wunderbaren" Mosers, die so unkompliziert und hilfsbereit sind: "Das finden wir Norweger großartig, dass so berühmte Wissenschaftler wie May-Britta und Edvin zu uns gehören."

Die Unkompliziertheit von Medizin-Nobelpreisträgerin May-Britt Moser, die beim Bankett Tischdame von König Carl Gustaf war, hat das schwedische Fernsehen in einer Szene immer wieder gezeigt: Im Tischgespräch gestikuliert sie temperamentvoll und hebt dabei den Zeigefinger an die Stirn - wer ihrer Meinung nach hier wohl einen Vogel hat?

Aber nicht nur deshalb dürfte sie, wie Dagens Nyheter schreibt, die meistfotografierte Person des Abends gewesen sein: schließlich hatte sie den König immer an ihrer Seite.

Zurück zum Stolz über Nobelpreisträger. Aus Japan ist als Berichterstatter Jori Kiwamura dabei. Seit einer Woche ist er in Stockholm, um für verschiedene Magazine zu berichten. "Die ganze Nation ist so stolz darauf, dass gleich drei Japaner den Nobelpreis erhalten haben", sagt er.

Mein "Nobel Desk" bis Mittwochabend. Sehr praktisches Modell.

Quelle:

Und er verehre die drei Physiker, aber besonders Isamu Akasaki. Das klingt pathetisch, aber Jori hat ja Recht, wenn er sagt: "Für mich ist es große Ehre, hier zu sein als Berichterstatter."  Für mich war es das auch!

Vielen Dank an

Eva-Maria Neher für Filme und Fotos,

Ruthild Winkler-Oswatitsch,

pek, fri und chb,

Troubleshooter ms am Newsdesk,

die Onliner sw und pto,

meine verständnisvollen Lieben daheim.

Herzlich bedanke ich mich bei meinen

Chefs Uwe Graells und Christoph Oppermann für den Auftrag (Cheers!) Und, na klar, danke ich Chemie-Nobelpreisträger Stefan Hell!

Stefan Hell vom MPI für biophysikalische Chemie erhält in Stockholm den Nobelpreis für Chemie. © dpa

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Tag 6 - Mittwoch, 10. Dezember 2014
 

Stefan Hell vom MPI für biophysikalische Chemie erhält in Stockholm den Nobelpreis für Chemie. © dpa

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Live-Stream von der Nobelpreis Zeremonie in Oslo unter nobelprize.org
 
Bitte Platz nehmen

Das Menü des Nobel Banketts ist ebenso eine Geheimsache wie die Sitzordnung. Sicher ist nur, dass jeder Nobelpreisträger neben einem Mitglied der schwedischen Königsfamilie Platz nimmt.

Stockholms Zeitung "Dagens Nyheter" hat herausbekommen, wer neben wem am Tisch der Ehrengäste beim Festessen im Rathaus nach der Preisverleihung sitzen wird. Möglicherweise sind die Preisträger am Vormittag auch auf die Sitzordnung hingewiesen worden.

Sie wurden ins Konserthuset gebracht, um über die Zeremonie vor Ort informiert zu werden. Während in Stockholm noch die Probe für die elf Preisträger lief, wurden in Oslo schon Malala Yousafzai aus Pakistan und Kailash Satyarthi aus Indien mit den Friedensnobelpreisen geehrt.

Eintrittskarten von Angela Brünjes  für die Preisverleihung und das Nobel Bankett.

Quelle:

In Stockholm verlassen die Preisträger in Limousinen und ihrer Gäste in Bussen zwischen 15 und 15.15 Uhr das Grand Hotel Richtung Konzerthaus am  Hörtorgert. Dort beginnt die Verleihung der Nobelpreise um 16.30 Uhr.

Die "Gala aller Galas", das Nobel Bankett im Rathaus, beginnt um 19 Uhr mit dem Einzug der Mitglieder des Königshauses und der Preisträger. Wenn König Carl XVI Gustaf und Kronprinzessin Victoria an der Tischmitte Platz genommen haben, sind Medizin-Nobelpreisträgerin May-Britt Moser und Chemie-Nobelpreisträger Eric Betzig diejenigen am Tisch, die von beiden Seiten mit Gesprächspartnern des Königshauses versorgt sind.

Moser wird zwischen dem König und Prinz Daniel sitzen; Betzig zwischen Victoria und ihrer jüngsten Schwester Prinzessin Madeleine. Die jüngste Tochter des Königspaares hat den Göttinger Nobelpreisträger Stefan Hell als weiteren Tischherrn zu ihrer Linken. Anna Hell, gegenüber von ihrem Ehemann platziert, kann sich auf Gespräche mit Prinz Daniel, dem Ehemann der Kronprinzessin freuen, und Chemie-Nobelpreisträger William E. Moerner.

Der Physiker aus den USA ist neben Prinzessin Christina, einer Schwester des Königs, platziert. Die Prinzessin lebt in Stockholm und nimmt regelmäßig an Veranstaltungen der Nobel Foundation sowie den Nobel Banketts teil. Der Göttinger Chemie-Nobelpreisträger von 1967, Manfred Eigen, sprach von ihr im Tageblatt-Interview vor kurzem.

Sie war beim Bankett 1967 seine Tischdame und die beiden, so titelte damals "Svenska Dagbladet", waren "Das süßeste Paar des Abends". Mal sehen, wer diesen Titel heute Abend bekommt.

Für superauflösende Mikroskope, ein Navi im Gehirn, die Kunst der Erinnerung und den Kampf für Kinderrechte gab es in diesem Jahr Nobelpreise. In Oslo und Stockholm werden die Preisträger gefeiert. © dpa

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Wichtige Stationen in Stockholm
Tag 5 - Dienstag, 9. Dezember 2014
 
Chorsingen eine Art Volkssport

Gesungen, vor allem im Chor, wird in Schweden gerne. Die Stockholmer treffen sich im Sommer an sechs Dienstagen auf der Insel Djurgården im Freilichtmuseum Skansen, um gemeinsam Volkslieder beim Picknick zu singen.

Himmelt gesanglich "Taylor the Latteboy" an: Linda Hovmark.Himmelt gesanglich "Taylor the Latteboy" an: Linda Hovmark.

Himmelt gesanglich "Taylor the Latteboy" an: Linda Hovmark.

Quelle:

Wahrscheinlich sind das dann die Stockholmer, deren Chor gerade Sommerpause macht. Denn "die Schweden mögen Chöre sehr, sehr gerne", sagt Studentin Annika. Das habe ich heute auf der Straße erfahren.

Auf meinem Fußweg von der Deutschen Schule Stockholm im Karlavägen zur Vasagatan hörte ich den Gesang schon weit vor dem Stureplan. Die Lautsprecher waren ganz schön laut aufgedreht, aber gesungen wurde live von acht Sängerinnen und einem Sänger mit roten Schürzen. Die Schürzen hatten das Emblem des Kaffeeladens hinter dem Gesangsensemble.

Meine erste Eingebung: Kollegen aus der Kaffeebar, die in der Mittagspause trällern. Aber dafür jedesmal das nicht eben kleine technische Equipment aufbauen. Aber eine Werbeaktion mit Chor?

Ja, genau das war es! In Schweden kommt so etwas an, was auch die Anzahl der Passanten bewies, die gerne verweilten. Und als Linda Hovmark von "Taylor the Latteboy" sang, gab es von Servicekraft Gabriel eine kleine Kaffeespezialität dazu.

Bei Starbucks freuten sich Alexandra und Jim über den Anklang der Aktion zur Eröffnung des Ladens in der Birger Jarlsgatan. Dass "mag man hier", erzählt Chef Jim, der glaubt, dass draußen bald mitgesungen wird.

"Wenn wir Lieder singen, die viele kennen, dann klappt das", erzählt mir Sängerin Linda in einer kurzen Pause. Der Chor wird es schon schaffen, dass das Straßenpublikum mitmacht: Die Mitglieder sind Studenten der "Kulturama"-Schule für Kunst.

Ben, der gerade seine Mittagspause beginnt und als Rechtsanwalt in der Nähe arbeitet, erzählt mir, dass die Schule in Schweden bekannt ist und etwa 3000 Studenten hat. Und bevor er mitsingt, erfahre ich von ihm noch, dass Chorsingen für die Schweden eine Art Volkssport ist. War gar nicht so abwegig meine Idee vom Mittagspausen-Chor.

P.S.: Für die Stockholm-Kenner: Ich bin ohne Stadtplan, Navi und nach nur klitzekleinem Umweg zum Hotel gekommen ...

Himmelt gesanglich "Taylor the Latteboy" an: Linda Hovmark.

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Besonderes Saisongeschäft

Am Mittwoch, dem Tag der Verleihung der Nobelpreise 2014, muss alles sitzen. Morgens um 10.30 Uhr beginnt die Probe in der Konzerthalle: Es geht um Sitzordnung, Begrüßung und die kurze Begegnung mit dem König, wenn er Medaille und Urkunde überreicht. Der Termin ist natürlich nur für die Preisträger wichtig, die auf der Bühne Platz nehmen werden. Wenn um 16.30 Uhr die Zeremonie beginnt, dann muss nicht nur das Verleihungszeremoniell sitzen, sondern auch der Anzug.

Und der muss Ansprüchen einer Kleiderordnung genügen, wie sie zur ersten Preisverleihung im Jahr 1901 noch für (damals sicher vor allem) die Herren der Wissenschaft üblich waren, aber heutzutage manchen ausgezeichneten Preisträger in eine ungewohnte Lage bringen, wenn der der große Gesellschaftsanzug (auch White Tie) angesagt ist. Den schreibt der Dresscode den Herren für die Verleihung des Nobelpreises und das folgende Nobel Bankett vor.

Doch unter den blitzgescheitesten Wissenschaftlern von heute hat nicht jeder das im Kleiderschrank, was der Dresscode verlangt: schwarzer Frack (offene Jacke mit knielangen Schwalbenschwänzen), Frackhose mit Seidenbändern auf den Seitennähten, weiße Weste aus Baumwoll-Piqué, weißes Hemd mit Brust aus Baumwoll-Piqué mit Vatermörder-Kragen und langen Ärmeln, Manschettenknöpfe, weiße Fliege, schwarze Seiden-Kniestrümpfe, Hosenträger (auf keinen Fall einen Gürtel!), evtl. weiße Handschuhe, Taschenuhr (Armbanduhr allenfalls in Gold) und schwarze Lackschuhe.

Soweit das im Überblick, was wirklich nötig ist.

Foto: Schneider für Herrenkonfektion mit besonderem Auftrag: Lars Allde.

Schneider für Herrenkonfektion mit besonderem Auftrag: Lars Allde.

Quelle: Brünjes

Dass manchem Gast, der mit oder von den Preisträgern eingeladen wird zur Verleihung und dem Bankett, diese Kleiderordnung Kopfzerbrechen bereitet, weiß ein Lars Allde nur zu gut. Er ist derjenige, der diskret dafür sorgt, dass alles sitzt. Der Herrenschneider hat sein Geschäft "Hans Allde" in der Birger Jarlsgatan 58. Dort ist das Schaufenster schon seit einigen Wochen nobel dekoriert. Die Nationalfarben blau-gelb, ein Foto von Preisstifter Alfred Nobel und im Mittelpunkt alles, was einen perfekten White Tie ausmacht. Hier sind schon aus vielen Master Minds, die Casual Wear bevorzugen, garderobenmäßig Gentlemen geworden.

Am Sonntag wollte ich dieses Geschäft fotografieren – und hatte Reporterglück: Eine Dame kam aus dem Geschäft und blickte mich fragend an. Und kaum hatte ich erzählt, um was es geht, war schon Lars Allde gerufen und mit mir im Gespräch.

Ja, in diesem Jahr habe er wieder gut zu tun. Um die 160 Aufträge seien es für die Verleihung. "Keine Frage, in der Zeit von Oktober bis zur Preisverleihung habe ich Hochsaison. Da bin ich auch sonntags im Geschäft", erzählt der stilvoll gekleidete Herrenschneider. Seinem Vater Hans Allde, nach dem die Firma in einem Eckhaus benannt ist, sei es auch schon so ergangen.

Für den großen Anlass werden die von seinem Team angefertigten Maßanzüge verkauft, aber auch verliehen. Wer nicht in der Nähe ist, kann seine Maße mitteilen und dann kurz vor der Verleihung zur Anprobe kommen. Damit dann alles sitzt. Allde weiß und rät es seinen Kunden, dass auch das Ankleiden geübt werden muss. Wer als Oberbekleidung Jeans und T-Shirt bevorzugt, "der kann nicht sofort mit allen speziellen Knöpfen umgehen oder eine Fliege binden".

Und die Geschichte von Literaturnobelpreisträger Jean-Marie Gustave Le Clézio darf Allde bei aller ihm eigenen Diskretion erzählen. Schließlich war sie beim Bankett 2008 Gesprächsthema: Clézio wollte seine Fliege unbedingt selbst binden, aber er bekam es nicht hin. Hilfe wollte er auch nicht gleich annehmen. Dabei war Allde wie bei jeder Verleihung in der Nähe, um mit den versierten Handgriffen des Fachmannes bei Bedarf zu assistieren. Die Abfahrt der Busse soll sich damals verspätet haben. Erst als Allde helfen durfte, kam die Fliege in die korrekte Form. Aber ansonsten schweigt er über das, was ungeübten Frackträgern passieren kann.

Foto: 1949 eröffnete Hans Allde das Geschäft in der Birger Jarlsgatan.

1949 eröffnete Hans Allde das Geschäft in der Birger Jarlsgatan.

Quelle: Brünjes

Allde freut sich, dass ich bereits in Göttingen von ihm gehört hatte und auch einen Beitrag über sein exklusives Geschäft mit dem besonderen Saisonbetrieb in einem Magazin kannte. Und Kundschaft aus Göttingen hat er schon gehabt und auch für die bevorstehende Verleihung: "Am Sonnabend war ein Gast aus Göttingen hier, ja".

Der Nobelpreisträger aus Göttingen war das ganz sicher nicht. Stefan Hell hat sich seinen ersten Frack angeschafft, als ihm 2009 die finnische Universität Turku die Ehrendoktorwürde (mit Schwert zur Urkunde) verlieh. "Ich habe schon den zweiten Frack. Habe ich in Göttingen gekauft", erzählte er lachend als ich ihn am Sonntagvormittag danach fragte.

P.S.: Dass Koffer auf Flugreisen abhanden kommen oder später als ihre Besitzerinnen ans Ziel, hat mich bei dieser Reise erstmals nervös gemacht. Mein Koffer ist am Freitag ja nicht mit mir in Stockholm gelandet, aber glücklicherweise mit dem nächsten Flugzeug aus Kopenhagen angekommen. Und ich war erleichtert, denn darin war auch meine Garderobe, die die Kleiderordnung für Damen zum Nobel Bankett vorschreibt.

 
 
 

Himmelt gesanglich "Taylor the Latteboy" an: Linda Hovmark.

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Tag 4 - Montag, 8. Dezember 2014
 
Hells Nobel Lecture

Der Göttinger Physiker Stefan Hell hat am Montagvormittag in der Aula Magna der Universität Stockholm eine großartige Vorlesung gehalten. Traditionell erklären die Preisträger vor der Verleihung des Nobelpreises ihre Forschung. Vor vielen Studenten, Wissenschaftlern, aber auch Familienangehörigen und Göttinger Kollegen erzählte der 51-Jährige lebhaft und wissenschaftlich so seriös wie unterhaltsam von seiner Erfindung der STED-Mikroskopie.

Lecture beginnt mit Hell.

Lecture beginnt mit Hell.

Quelle:

Dass Abbe-Limit zu überwinden,ist Hell damit gelungen und in der Weiterentwicklung der Blick in lebende Zellen. Was darin passiert, ist durch die Sichtbarmachung von Molekülen verwirklicht. "Das gelang mit einem Laserstrahl", beschrieb es Hell. "An/Aus ", laute der Name des Spiels, meinte der Nobelpreisträger, der auf seinem Weg bis zur Auszeichnung viele Hürden zu überwinden hatte.

Am Mittwoch wird er dafür belohnt mit der wichtigsten Auszeichnung für Wissenschaftler: Hell hat den scharfen Bick auf Proteine, Synapsen für die Lebenswissenschaften ebenso ermöglicht wie für die Materialwissenschaften neuartige Erkenntnisse über die Beschaffenheit von Stoffen.

Am Ende der Nobel Lecture sagte Hell, "die Geschichte wird weitergehen. Sie hat gerade erst begonnen." Für die STED-Technologie gebe es noch viele Einsatzmöglichkeiten.

 
 
Geheimis

Ladenschlusszeiten am Sonntag kennt man in Schweden nicht. Als ich mich über die geöffneten Geschäfte wundere und über die belebten Straßen rund um die Konzerthalle am Hörtorget, wundert sich Eric Lindstedt noch mehr – darüber, dass in Deutschland sonntags nicht eingekauft werden kann.

Dann entdecke ich eine Einkaufsquelle, die auch in Deutschland sonntags erlaubt ist: einen Flohmarkt. Vor dem "Konserthuset" werden schöne alte Dinge verkauft, aber auch das, was bei uns auf den Wochenmärkten typisch ist. Das echte Flohmarkt-Angebot wäre jetzt was für mich, aber dafür ist keine Zeit. Für die Mittagszeit ist Regen angesagt.

Erzählt Anekdoten und kennt sich gut in und mit Stockholm aus: Taxifahrer Eric Lindstedt

Quelle:

Am Vormittag war es trocken, manchmal ein paar Sonnenstrahlen. Jetzt muss ich die Zeit für Fotos nutzen und habe entschieden, die wichtigsten Orte per Taxi abzufahren. Dabei erweist sich Eric als angenehmer Stadtführer. Das Konzerthaus, erzählt er, habe erst vor ein paar Jahren wieder den Anstrich erhalten, den es auch zur Eröffnung 1926 hatte: Blau.

Er habe das Haus von früher aber nur grau in Erinnerung. Entweder war es der Anstrich oder es war so verstaubt, meint er. Das könnte sogar sein, denn auch jetzt ist es mehr ein blaugrau. Wer weiß, was der Stadtstaub im Laufe der Jahre aus dem Blau macht.

Aber Stockholm ist überhaupt keine staubige Stadt. Sieht so aus, also ob die Stadtreinigung gut arbeitet. Das Wetter, derzeit ist es regnerisch, windig, aber sehr mild für Dezember, gibt Staubwolken auch keine Chance. Und Eric teilt zum Wetter in Schweden die Meinung vieler Schweden: "In diesem Land ist neun Monate Winter und drei Monate herrschen nur minimale Wintersportmöglichkeiten." So schlimm ist es wohl nicht; jedenfalls nicht in diesem Teil von Schweden.

Am Rathaus weht schon eine steife Brise und auf der gegenüberliegenden Seite sind am Himmel  schon die Regenwolken in Sicht. Viele dunkler als der mächtige Bau eigentlich ist, erscheint er auf meinen Fotos. Das Stadshuset ist am Tag der Verleihung der Nobelpreise gleich nach dem Konserthuset ein wichtiger Ort. Hier wird das Nobelbankett gegeben.

Wer eine Eintrittskarte erhält, gehört zu den unverzichtbaren Persönlichkeiten des Abends oder hat Glück gehabt. In der blauen Halle wird dann bis zu 1300 Gästen serviert. Schon die Form des Servierens sei ein Schauspiel, wird erzählt. Aber hier in Stockholm heißt es auch, dass das Menü des Abends das bestgehütete Geheimnis Schwedens ist – bis es auf den Tisch kommt. Während bei allen Veranstaltungen zur Nobel-Woche Englisch die Sprache der Wahl ist, bevorzugen Schwedens beste Köche Französisch für die Menükarten.

Sicher ist auch, dass sie auf jeden Fall versuchen, die moderne schwedische Küche den Gästen aus aller Weller auf höchstem Niveau zu kredenzen. Vielleicht wird sich das Fünf-Gänge-Menü aber auch ein wenig an dem orientieren, was beim ersten Nobelbankett 1901 serviert wurde (und übrigens nach heutigem Geschmackssinn zubereitet, immer noch im Grand Hotel bestellt werden kann):

Im blauen Konzerthaus sind die Nobelpreisträger zweimal: am Montag zum Nobelkonzert und am Mittwoch zur Preisverleihung.

Quelle:

Glattbutt-Filet in Weißweinsauce mit Garnelen und Jakobsmuscheln,

Haselhuhn-Brust mit Salat, Sahnesauce und Gelee von schwarzen Johannisbeeren,

Rinderfilet mit Trüffelsauce, Gänseleber und Spargel,

Eiscreme "Königlicher Erfolg",

Petit fours von Schokolade und Gebäck.

 

Bevor wir am Konzerthaus Halt machten, ging es in die Birger Jarlsgatan. Dort habe ich echtes Reporterglück gehabt, was aber auch irgendwie mit dem Thema Ladenschlusszeiten zu tun hatte. Und damit, dass der Mann, den ich getroffen und gesprochen habe, obwohl ich nicht damit rechnete, beruflich gut zu tun hat in jedem Jahr ab der Verkündung der Nobelpreise bis zum 10. Dezember. Manchmal sogar bis kurz vor Beginn der Verleihung der Nobelpreise. Aber davon später mehr...

 

Himmelt gesanglich "Taylor the Latteboy" an: Linda Hovmark.

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Tag 3 - Sonntag, 7. Dezember 2014
 
Autogramme und Formeln

Autogramme zu geben, ist für den Göttinger Physiker Stefan Hell immer noch ungewohnt. Und noch mehr hat ihn überrascht, dass in Stockholm Menschen ein Foto von ihm dabei haben und um ein Autogramm bitten. Als einer der Wissenschaftler, denen am 10. Dezember in Stockholm der Nobelpreis verliehen wird, ist Hell mit seiner Familie seit Freitag in der schwedischen Hauptstadt.

Am Sonnabend hat er zwei besondere Autogramme gegeben: Im Nobelmuseum im Hause der Schwedischen Akademie am Stortorget. Dort steht sein Name im Gästebuch und unter einem der Stühle im Bistro des Museums. Hier wird es empfohlen, bei einem Besuch nachzuschauen, auf welchem Nobelpreisträger man gewissermaßen gerade Platz genommen hat. Einen Stuhl hochzuheben, umzudrehen, zu begutachten, ist hier eine typische Handlung.

Bistrostuhl aus dem Nobelmuseum mit Unterschrift und Formel von Stefan W. Hell und seiner Kollegen Betzig und Moerner.

Bistrostuhl aus dem Nobelmuseum mit Unterschrift und Formel von Stefan W. Hell und seiner Kollegen Betzig und Moerner.

Quelle:

Seit Sonnabend schmückt also auch die Hell-Unterschrift einen Stuhl. Zusammen mit seinen Kollegen Eric Betzig und William E. Moerner aus den USA hat der Göttinger den Stuhl signiert, der umgedreht auf einem Tisch präsentiert wird. Daneben die der weiteren Preisträger.

Hell hat außerdem die für seine Erfindung der STED-Mikroskopie grundlegende Formel dazu geschrieben: Ein Wurzelturm macht den Unterschied zur Formel von Ernst Ludwig Abbe von 1873, die damals das Gesetz zur beugungsbegrenzten Auflösung im Lichtmikroskop formulierte.

Nach dem Abbe-Limit sind im Lichtmikroskop Strukturen feiner als 200 Nanometer nicht mehr getrennt wahrzunehmen. Stefan Hell widerlegte diesen Lehrsatz und veröffentlichte 2005 die neue Formel, nachdem er sie mit anderen Forschern experimentell nachgewiesen hatte. Damit zeigten sie, dass sich selbst mit herkömmlichen Objekten und fokussiertem Licht, Auflösungen von bis zu 16 Nanometern erreichen lassen.

Sowohl unter dem Stuhl als auch im Gästebuch des Museums hat Hell schlicht seinen Namen geschrieben.

Eine weitere Unterschrift ist dort von ihm in einem Buch zu sehen, das er dem Museum geschenkt hat: Dr. Stefan Hell, 1991. Jeder Nobelpreisträger übergibt dem Nobelmuseum ein für seine Forschung wichtiges Utensil. "Das Buch habe ich mit Dr. signiert, weil ich so stolz war, gerade promoviert worden zu sein", erinnert er sich. Damals hatte er schon das 4Pi-Mikroskop entwickelt und hatte die Vorstellung, dass noch mehr möglich ist.

Auf Seite 20 der Hinweis auf die Stimulated Emission.

Auf Seite 20 der Hinweis auf die Stimulated Emission.

Quelle:

Seine Idee, das Abbe-Limit zu knacken, ließ ihn nicht los. Das Buch "Die Quantentheorie des Lichts" von dem britischen Physiker Rodney Loudon (ob der eigentlich weiß, das eines seiner Werke im Nobelmuseum zu sehen ist?) kaufte Hell, weil er der Überzeugung war, sein Ziel über einen Lehrsatz oder Gedanken der im frühen 20. Jahrhundert erfundenen Quantenoptik zu erreichen. 

1993 ging Hell nach Turku (Finnland). Das Loudon-Buch reiste mit und wurde nochmals gelesen. Und diesmal entdeckte er schon auf Seite 20 das Kapitel über die stimulierte Emission. "Damals ist mir durch den Kopf gegangen: Whow, das könnte der Weg sein!" So kam es dann auch. Und deshalb ist das Buch mit dem Whow-Effekt nun ein Objekt im Nobelmuseum. Übrigens hat es deutliche Gebrauchsspuren – bis Seite 21.

Das Nobelmuseum und die Schwedische Akademie sind im selben Haus untergebracht. Von 1863 bis 1998 war dort die Stockholmer Börse. Wer das Nobelmuseum sucht, wird von Einheimischen dann vielleicht zum "Börshuset" geschickt. Auch das Museum adressiert so: Börshuset, Stortorget 2, Gamla Stan, Stockholm.

Mehr Informationen unter nobelmuseet.se

 
Hell und die Zukunft

"Eines ist sicher, die Chemie-Nobelpreisträger 2014 haben den Grundstein gelegt für die Entwicklung von Wissen, das von größter Bedeutung ist für die Menschheit", teilte die Königlich schwedische Akademie der Wissenschaften am 8. Oktober mit, als sie den Göttinger Stefan Hell und seine Kollegen Eric Betzig und William E. Moerner aus den USA als Preisträger bekannt gab.

Erhalten haben sie den Nobelpreis für die Entwicklung hochauflösender Fluoreszenz-Mikroskopie. Am heutigen Sonntag, 7. Dezember, eröffnete um kurz nach 9 Uhr in Stockholm der Sekretär der Akademie, Staffan Normark, die zentrale Pressekonferenz mit den Preisträgern für Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaften.

Im blauen Salon der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften: Ein Journalist aus Österreich lässt sich mit Stefan Hell fotografieren.

Quelle:

Knapp 30 Minuten dauerte die Gelegenheit für etwa 70 Journalisten, in der Mehrzahl aus den Ländern der Preisträger und Schweden, die ausgezeichneten Wissenschaftler zu befragen. Anschließend waren Einzelinterviews á fünf Minuten möglich, wenn verabredet. Alles zügig getaktet bis zur Abfahrt in schwarzen Bussen und Limousinen der Preisträger um kurz vor 11 Uhr.

Im blauen Salon der Akademie sind die Chemie-Nobelpreisträger. Jeder in einer anderen Ecke des großen Raums, jeder vor dem Poster, das die Akademie herausgegeben hat und das die Arbeiten der Laureaten dargestellt. Im Bildmittelpunkt eine Aufnahme mit einem STED-Mikroskop. Stefan Hell hat die Methode der Stimulated Emission Depletion Microscopy erfunden und permanent fortentwickelt. Damit wurde das Abbe-Limit überwunden, Auflösungen besser als 0,2 Mikrometer.

 "Die Aufnahme wird die Göttinger freuen", meint Stefan Hell. Die Abbildung eines Zellkerns macht den Unterschied deutlich: links ist die Aufnahme nur schemenhaft, rechts sind auch Poren und Moleküle erkennbar.Der Hinweis auf "die Göttinger", von denen die Aufnahme auf dem Poster stammt,  bezieht sich auf das Team von Abberior Instruments. Die Firma hat Hell 2012 mit Kollegen gegründet als Spin-Off des Göttinger Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie und des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg.

Etwa zehn Jahre hat es gedauert, bis die grundlegenden Arbeiten für die nun preisgekrönte STED-Mikroskopie vorlagen. Eine weitere Dekade, um die Anwendung voranzutreiben und den Blick ins Innere von lebenden Zellen zu einer Technologie, deren revolutionärer Einfluss auf neuen Erkenntnisgewinn in Medizin, Biologie und Chemie am Donnerstag mit dem Nobelpreis ausgezeichnet werden wird. Was wird in wiederum zehn Jahren sein? "

Was dann sein könnte, ist schwer zu sagen. Die Wissenschaft hat diesen Aspekt des Unberechenbaren", sagt Physiker Hell. Er trägt einen grauen Anzug, am Revers die goldene Nadel mit dem Bildnis Alfred Nobels. Auf jeden Fall aber werde dieses Feld der Mikroskopie, das er ins Leben gerufen habe, sich weiterhin stürmisch entwickeln. Daran will er weiter beteiligt sein.

In der Pressekonferenz hat er schon gesagt, dass er hofft, dass der Nobelpreis sein Leben nicht total verändern wird. Er will weiterhin in erster Linie Forscher sein. "Ich habe noch andere Interessen, auch in der Wissenschaft. Ich kann mir auch vorstellen, mich, zumindest partiell, auch neuen Problemen zu widmen", antwortet der 51-Jährige vielsagend auf die Frage, was in zehn Jahren sein könnte.

Als Nobelpreisträger will er auf jeden Fall jungen, erfinderischen Menschen den Weg ersparen, den er gehen musste mit vielen sozialen und finanziellen Einschnitten: Viele Jahre fehlte ihm die institutionelle Unterstützung, die er schließlich am Göttinger MPI für biophysikalische Chemie erhielt.

Seiner Ansicht nach gibt es viele junge Menschen, "die im Studium, nach der Promotion sehr früh eine entscheidende Idee haben, – das ist häufiger der Fall als man denkt. Denen soll sehr sehr schnell geholfen werden, ihre Ideen schnell zu testen. Darum werde ich mich intensiv kümmern." Hell hat sich vorgenommen und für diese Idee auch schon Unterstützung von der Max-Planck-Gesellschaft zugesagt bekommen: "Speziell für sehr junge Forscher, die mit originellen Idee kommen, werde ich etwas tun".

Himmelt gesanglich "Taylor the Latteboy" an: Linda Hovmark.

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Tag 2 - Sonnabend, 6. Dezember 2014
Grand Hotel

So oder so ist das Grand Hotel in Stockholm eine noble Adresse. Im Dezember aber sicher, weil dort dann vom 5. bis 13. die Nobel-Preisträger logieren. Je nach Team- und Familiengröße sind in dem 140 Jahre alten Gebäude 150 bis 200 Personen untergebracht, die hier mit den Laureaten (lat. Lorbeerkranzträger) während der Feierlichkeiten wohnen.

Belegt ist Stockholms erstes Haus am Platze damit noch nicht: 300 Zimmer hat es insgesamt zu bieten. Unter sich sind die Preisträger also nicht. Direkt gegenüber vom Hotel machen die Nobel-Plakate in diesen Tagen darauf aufmerksam, dass derzeit ausgezeichnete Wissenschaftler unter den Gästen sind und mit dem Literaturnobelpreisträger ein herausragender Schriftsteller. Das Grand Hotel ist nah am Wasser gebaut ist und bietet einen wunderbarem Blick auf das jenseits vom Norrström gelegene Königsschloss und Gamla Stan, die Altstadt.

Nobel-Desk aus dem Grand Hotel.

Nobel-Desk aus dem Grand Hotel.

Quelle:

 Gleich im Foyer des Grand Hotels ist der Nobel Desk. Wichtige Informationen für die Preisträger und ihre Begleiter werden hier gegeben. Jeder Interessierte erhält Informationen zu den diesjährigen Nobelpreisträgern, das Nobel-Museum oder das Programm der nächsten Tage. Das wird bei den Stockholmern mit Interesse verfolgt.

Aber noch, so Sophia am Nobel Desk, gibt es Karten für das Nobel-Konzert am Montag in der Konzerthalle. Das Royal Stockholm Philharmonic Orchestra spielt dann unter der Leitung von Andris Nelsons. Solisten werden die Sopranistin Kristine Opolais und der Trompeter Hakan Hardenberge sein.

Am Nobel Desk werden sie von Sophia und ihre beiden Kolleginnen immer im Blick haben, dass alle rechtzeitig ihre Termine erreichen, wenn sie per Bus starten. Am Sonnabend hatten sie um 10 Uhr ihr erstes Get-together im Nobel-Museum. Am Sonntag sind zwei Abfahrten auf dem Terminplan und vier am Montag zu den Nobel-Lectures für Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaften in der Aula Magna der Universität Stockholm sowie am Abend das Nobel-Preis-Konzert.

Im Hotel sollen die zehn Männer und eine Frau sich erholen können, hat Grand Hotel-Managerin Pia Djupmark gesagt: "Wir wollen sie verwöhnen". Und das wird das Fünf-Sterne-Hotel sicher für jeden Gast als oberstes Ziel haben. Dort wartet auf die Nobel-Preisträger zum Abschied am 13. Dezember, dem Tag des Luciafestes, noch ein besonderes Ereignis: Am frühen Morgen ist es Tradition in Schweden, dass Mädchen in weißen Gewändern mit Kerzen durchs Haus gehen.

Voran ein Mädchen, die als Lucia einen Kranz mit Kerzen auf dem Kopf trägt. Inzwischen werden die Nobelpreisträger auf diesen Brauch hingewiesen. Früher wussten sie nicht, dass am Morgen eine Prozession ihr Zimmer erreicht. Manche sollen gedacht haben, sie seien im Himmel, weil ihnen die Mädchen engelsgleich erschienen. Der Literaturpreisträger von 1930, Sinclair Lewis, aber wähnte sich im Delirium.

Nachdem mir am Freitag auf jedem Foto, das ich per Smartphone von mir aufgenommen hatte, mein Yolo-Gesichtsausdruck (Yolo = you only live once) Angst machte, beschloss ich, auf weitere Selfies zu verzichten. Da war zwar das eine schon abgeschickt, aber mehr von der Sorte soll es auch nicht geben.

Keine Selfies mehr: Angela Brünjes in der Hotel-Lobby im Adlon in Stockholm.

Quelle:

Für die Aufnahme nebenan  übernahm freundlicherweise Hotel-Angestellte Johanna die Kamera und zwar in der Hotel-Lobby (ich bin im Adlon, nicht im Grand Hotel...). Gefällt mir viel besser als so ein spontanes Selbstportrait per Handy. Mein Entschluss auf so etwas zu verzichten hat noch am Freitagabend Bestätigung erfahren.

Zu guter letzt am späten Abend tat ich das, wozu am Morgen keine Zeit war: Göttinger Tageblatt lesen, hier in Stockholm natürlich per E-Paper. Da war zu lesen, dass 57 Prozent der Deutschen inzwischen die vor noch gar nicht langer Zeit gehypten Selfies nicht mehr mögen.

Am Sonnabend bin ich vom Grand Hotel über die Strömbron, die Brücke verbindet die Altstadt mit dem nördlichen Teil des Stadtzentrums Norrmalm, Richtung Stortoget geeilt, um einen der Pressetermine wahrzunehmen, die das Nobel-Museum anbietet. Vor Ort am Stortorget musste gewartet werden, weil das Get-together der Nobelpreisträger dort andauerte.

War gar kein Problem, weil auf dem Platz vor dem Museum einer der heimeligsten Weihnachtsmärkte ist: Stortogets Julmarknad (davon demnächst mehr). Vor dem Museum warteten bereits einige Kollegen auf Einlass. Unter den 20 Medienvertretern waren gleich drei Teams aus Japan, weitere aus anderen ostasiatischen Ländern und eine Vertreterin aus Deutschland: jes vom GT.

Das hat mich überrascht . Dass die drei Physik-Nobelpreisträger Shuji Nakamura, Hiroshi Amano und Isamu Akasaki Japaner sind, könnte eine Erklärung dafür sein. Aber das ist nicht der alleinige Grund, erklärt mir Gustav Källstrand, Kurator im Nobel-Museum: Gerade die japanischen Medien zeigen in jedem Jahr ein großes Interesse an der Verleihung und sind mit Teams von verschiedenen TV- und Zeitungsredaktionen vertreten.

"Wenn im Oktober die Preisträger verkündet werden, dann ist das Medieninteresse riesig, vor allem bei den Medien aus den Ländern der Preisträger." Im Dezember seien dagegen die meisten vor allem an der Preisverleihung interessiert. Für die Japaner sei der Nobelpreis aber alljährlich ein Ereignis, das über die gesamte Nobel-Woche mit Interesse verfolgt werde.

Källstrand erklärt das damit, dass die Wissenschaft in Japan nach dem zweiten Weltkrieg lange Zeit brauchte, um sich erfolgreich zu etablieren. Dafür habe der Staat viel in Wissenschaft und Forschung investiert: Wenn sich das jetzt auszahle  mit bahnbrechenden Ergebnissen und besonderen Auszeichnungen, seien die Japaner natürlich besonders stolz auf ihre Forscher. Källstrand hat aber auch festgestellt, dass die ostasiatischen Gesellschaften generell sehr an Wissenschaftsthemen interessiert sind.

Tag 1 - Auf nach Stockholm: Fotos von Tageblatt-Redakteurin Angela Brünjes. © Brünjes

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Tag 1 - Freitag, 5. Dezember 2014
© CC BY-SA 4.0 Guillermo 2002
Quelle: CC BY-SA 4.0 Guillermo 2002
Auf nach Stockholm
© CC BY-SA 2.5 Nordelch
Lage der Stadt in der Provinz Stockholm.
(Zum Vergößern klicken)
Quelle:

Nicht zu fassen: Ich warte, habe Zeit. Seit Tagen war alles immer just in time und gerade kommt bei mir so etwas auf wie, was mache ich denn nun? Mein schwerer Koffer ist schon aufgegeben. Um 16.25 Uhr startet mein Flug nach Stockholm via Kopenhagen. Darauf warte ich jetzt. In der Tageblatt-Redaktion, mittags war ich nochmal kurz dort (was vergessen), geht es heute rund.

Freitags sowieso, aber heute ganz besonders: Morgen zeigen GT und ET ihre neuen Seiten. Mehr verrate ich nicht. Auf jeden Fall ist im Tageblatt bestimmt gerade mehr los als hier auf dem Flughafen Hannover. Ich bin unterwegs, um über die Nobel-Woche in Stockholm zu berichten. Für die Zeitung sowieso. Für mich erstmals aber auch per Blog. Wer hat das nochmal vorgeschlagen? Jedenfalls hoffe ich sehr, dass vielen Online-Leserinnen  und - Lesern das gefällt.

Viele Kollegen haben mir für die Reise viel Spaß gewünscht, den ich sicher haben werde. Und mein Programm kann sich auch schon sehen lassen. Morgen bin ich im Grandhotel, um alles zu regeln, um für die Nobel-Termine meine bestellten Eintrittskarten zu bekommen. Und ich habe auch schon einen Termin mit Stefan Hell, dem Nobelpreisträger aus Göttingen, zugewiesen bekommen. Davon später mehr. Jetzt muss ich zur Abfertigung... Doch nicht: der Flug hat 30 Minuten Verspätung.

Zurück zu Stefan Hell. Er hat auch in Göttingen selten viel Zeit für Interviews. Und nimmt sich dann oft doch mehr als verabredet war. Aber nun geht es hier um den Nobelpreisträger für Chemie in Stockholm.

 Wenn Filmpremieren mit Weltstars anstehen, kommen die meistens zu Interviews vorab in Superhotels und empfangen Presse, Funk und Fernsehen zu kurzen, superkurzen Interviews. Das geht dann im Minutentakt. Der Reihe nach können die Medienvertreter Fragen stellen. Aber fix.

Ich habe nun auch so einen Termin: Am Sonntag mit Stefan Hell. Die königliche schwedische Akademie der Wissenschaften hat mir die Interviewzeit von 9.35 bis 9.40 Uhr zugewiesen! Da muss ich fix sein: Hallo und dann Fragen, Fakten; Fragen, Fakten; ... Die hochauflösende Fluoreszenzmikroskopie und das An-und Ausschalten von Molekülen lass ich dann besser...

Jetzt aber geht's ab nach Kopenhagen.

Ich warte schon wieder . Jetzt auf meinen schweren Koffer, der noch unterwegs ist. Flugverspätung, Anschluss in Kopenhagen sowieso nicht erreicht und den nächsten nur nach Sprint zum Gate erreicht. Hätte ich doch besser ne Shoppingtour auf dem Airport Kopenhagen gemacht, um später mit Koffer anzukommen.

Rollfeld von Stockholm

Jedenfalls sieht es so aus, dass alles, was ich für die Zeit hier benötige, gerade mit dem letzten Flug des Tages von Kopenhagen nach Stockholm unterwegs ist. Tagsüber, so sagte eine Stewardess, gibt es stündlich eine Flugverbindung auf der Strecke.

Aber jetzt ist nicht mehr viel los auf dem Rollfeld von Stockholm, wie mein Foto zeigt. Morgen, wenn es hell ist, mache ich bessere Aufnahmen,versprochen.

 

Tag 1 - Auf nach Stockholm: Fotos von Tageblatt-Redakteurin Angela Brünjes. © Brünjes

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