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Göttinger Stefan Hell erhält Nobelpreis für Chemie

Spezielle Mikroskopiertechnik Göttinger Stefan Hell erhält Nobelpreis für Chemie

Große Freude in Göttingen: Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr auch an den Göttinger Forscher Stefan Hell (51), der dort im Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie arbeitet. Er erhält die Auszeichnung für seine Beiträge zur Nanoskopie, mit denen er einen Glaubenssatz zur Auflösungsgrenze optischer Mikroskopie und Bildgebung überwunden hat.

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Der Göttinger Forscher Stefan Hell erhält den Nobelpreis 2014 für Chemie.

Quelle: Pförtner/dpa

Stockholm/Göttingen. Für einen exakten Blick in lebende Zellen erhalten der deutsche Forscher Stefan Hell sowie zwei US-Amerikaner den Chemie-Nobelpreis. Mit ihren Supermikroskopen lasse sich etwa beobachten, wie sich Eiweiße bei der Entstehung von Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson zusammenlagern, teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Mittwoch in Stockholm mit.

Der 51-jährige Hell stimulierte in seinem Mikroskop winzige Untersuchungsobjekte mit Hilfe von Laserstrahlen zur Fluoreszenz - sie leuchten dann selbst. Die US-Forscher Eric Betzig und William Moerner entwickelten unabhängig davon eine ähnliche Technik. Hell arbeitet am Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie in Göttingen. Zudem sucht er am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg nach Wegen, seine Technik auch in der Krebsforschung einzusetzen.

Alle drei Forscher erhalten den Preis für die Entwicklung der superauflösenden Fluoreszenzmikroskopie. Die höchste Auszeichnung für Chemiker ist mit umgerechnet rund 880 000 Euro (8 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Hell hat die Vergabe an ihn völlig überrascht. "Ich konnte es nicht glauben", sagte er nach der Bekanntgabe in Stockholm am Telefon während der Pressekonferenz. "Glücklicherweise habe ich die Stimme von Staffan Normark wiedererkannt, deshalb habe ich realisiert, dass es wahr ist.

Aber ich habe eine Weile gebraucht, das zu realisieren." Der Ständige Sekretär der schwedischen Wissenschaftsakademie hatte dem deutschen Preisträger die Nachricht am Vormittag vor der offiziellen Verkündung überbracht. "Die Arbeit der Preisträger hat es möglich gemacht, molekulare Prozesse in Realzeit zu verfolgen", sagte Sven Lidin, der Vorsitzende des Nobel-Komitees für Chemie. Nun könne man auch sehen, wie sich krankmachende Eiweiße zusammenlagern. "Dies hat uns sogar die strukturellen dynamischen Veränderungen von Neuronen im Gehirn gezeigt, die während Lernprozessen stattfinden."

Glücklich und überrascht

Die neue Mikroskopie "sagt uns nicht nur wo, sondern auch wann und wie". Lange Zeit war die Auflösung der Lichtmikroskopie auf natürliche Weise begrenzt. Sie konnte keine Strukturen abbilden, die kleiner waren als die Hälfte einer Wellenlänge des Lichtes - das sind 200 Nanometer und damit etwa die doppelte Größe von Viren. Diese Grenze wurde durch die neue Technik gesprengt. Nun lassen sich Proteine von wenigen Nanometern beobachten. "Diese grundlegende Arbeit hat die optische Mikroskopie in den Nanometer-Bereich gebracht", schreibt das Nobel-Komitee.

Glücklich und überrascht reagierte der US-Amerikaner Betzig, der sich gerade in München aufhält, auf die Verkündung des Preises: "Ich gucke seit einer halben Stunde auf meinen Computer, aber könnte genau so gut ins Nichts gucken. Ich bin wie gelähmt", sagte der 54-Jährige der Nachrichtenagentur dpa.

"Das vorherrschende Gefühl ist eigentlich Überraschung. Totale Überraschung." Betzig wollte noch am Mittwoch in München einen Vortrag halten. "Ich werde das natürlich tun. Deshalb bin ich hierhergekommen und es gibt keinen Grund, nun nicht weiterzuarbeiten." Die feierliche Überreichung der Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

Über den Preisträger

Stefan W. Hell (Jahrgang 1962) promovierte 1990 an der Universität Heidelberg in Physik und arbeitete von 1991 bis 1993 am Europäischen Molekularbiologischen Laboratorium (EMBL) in Heidelberg. Danach folgte ein dreieinhalbjähriger Aufenthalt an den Universitäten Turku (Finnland) und Oxford (Großbritannien).

Als Leiter einer Max-Planck-Nachwuchsgruppe wechselte er im Jahr 1997 an das Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie. Seit 2002 ist er an diesem Institut Direktor und Leiter der Abteilung NanoBiophotonik. Zudem leitet er seit 2003 die Abteilung Optische Nanoskopie am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Stefan Hell hat für seine Forschung viele Preise und Auszeichnungen erhalten, darunter den 10. Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten (2006), den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis und den Niedersächsischen Staatspreis (beide 2008), den Otto-Hahn-Preis für Physik (2009), den Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft (2011), den Wissenschaftspreis der Fritz Behrens-Stiftung (2012) und die Carus-Medaille der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina (2013).

Auszeichnungen

  • 2000: Preis der International Commission for Optics
  • 2001: Helmholtz-Preis für Metrologie
  • 2002: Berthold Leibinger Innovationspreis, 3. Preis
  • 2002: Carl-Zeiss-Forschungspreis
  • 2002: Karl Heinz Beckurts-Preis
  • 2004: Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
  • 2006: Robert B. Woodward Scholar, Harvard University
  • 2006: Deutscher Zukunftspreis
  • 2007: Julius-Springer-Preis für angewandte Physik
  • 2007: ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
  • 2008: Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis
  • 2008: Niedersächsischer Staatspreis
  • 2008: Nominierung für European Inventor of the Year des Europäischen Patentamte
  • 2008: Methode des Jahres 2008 der Zeitschrift Nature Methods
  • 2009: Otto-Hahn-Preis für die Entwicklung neuer mikroskopischer Verfahren
  • 2010: Ernst-Hellmut-Vits-Preis
  • 2011: Familie-Hansen-Preis
  • 2011: Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft
  • 2011: Meyenburg-Preis
  • 2011: Göteborg Lise Meitner Preis 2010/2011 der Chalmers Universität
  • 2012: Wissenschaftspreis der Fritz-Behrens-Stiftung
  • 2012: Ehrenmitglied der Rumänische Akademie
  • 2013: Carus-Medaille
  • 2014: Kavli-Preis in Nanowissenschaften
  • 2014 Nobelpreis für Chemie

eb mit dpa

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Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr auch an den Göttinger Forscher Stefan Hell (51), der dort im Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie arbeitet.

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