Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
Nobelpreisträger Hell diskutiert mit Schülern in Stockholm

„Viel wichtiger als jeder Napoleon“ Nobelpreisträger Hell diskutiert mit Schülern in Stockholm

Während der Nobel Woche in Stockholm ist das Programm für die Preisträger dicht gedrängt mit Empfängen in den Botschaften ihrer Heimatländer, bei den Wissenschaftsorganisationen und der Nobel Foundation. Am Dienstag nahmen einige von ihnen am „Nobel Week Dialogue – The Age to Come“ im Kongresszentrum von Stockholm teil. 

Voriger Artikel
Erinnerung an Alfred Nobel: Preisverleihung an seinem Todestag
Nächster Artikel
Göttinger Stefan Hell nimmt Nobelpreis für Chemie entgegen

„Mich interessiert, ein Problem zu lösen“: Stefan Hell im Gespräch mit Mia Bendix und Bartolomeus Häußling Löwgren.

Quelle: Brünjes

Stockholm. Der Göttinger Preisträger Stefan Hell besuchte die Deutsche Schule in Stockholm. Am Abend besuchten alle das Nordische Museum. Und am Mittwoch, dem 108. Todestag von Preisstifter Alfred Nobel, wird das wichtigste Ereignis der Woche um 16.30 Uhr in der Konzerthalle beginnen – die Verleihung der Nobelpreise 2014.

Physik war sein Fach. In der Schule hat es Stefan Hell so gefallen, dass er es auch studiert hat. Und am heutigen Mittwoch erhält der Göttinger Physiker den Nobelpreis für Chemie.

„Aber ich habe Chemie nach der zehnten Klasse abgewählt“, erzählt der Wissenschaftler, der die STED-Mikroskopie entwickelt hat und damit den scharfen Blick in lebende Zellen und auf winzigste Molekülstrukturen ermöglichte, in der Deutschen Schule in Stockholm (DSS). Am Dienstag besuchte er die Schüler von Stockholms ältester Schule, um seine Forschung und sich vorzustellen.

Etwa 200 Schüler aus Mittel- und Oberstufe, Lehrer und einige Eltern sind in der Sporthalle, die auch als Aula genutzt wird. Hell erzählt von seinen Forschungsideen und den Schwierigkeiten, die er in den Anfangsjahren hatte, um seine Idee durchzusetzen. „Der Spaß an der Sache ist die Voraussetzung, dass etwas gelingt“, sagt der 51-Jährige. Und das betont er immer wieder.

Hell ist mit Erfindung der STED-Mikroskopie ein entscheidender Durchbruch für die wissenschaftliche Forschung gelungen. Der Physiker führt das auch auf sein Interesse zurück, dass er schon immer gerne verstehen wollte, wie die Natur und ihre Gesetze funktionieren, aber auch „was der Newton entdeckt oder der Einstein bewiesen hat“.

Und dann bricht er eine Lanze für die Naturwissenschaften. Gefragt nach seinen Vorstellungen von einem guten Schulunterricht, nimmt er sich zurück, weil er den heutigen Schulunterricht nicht beurteilen könne. Aber dann kommt er doch auf den Geschichtsunterricht zu sprechen.

Nur fürs Erste

Der sei an Menschen orientiert und nicht an wichtigen Erfindungen. „Der Kunstdünger hat möglich gemacht, dass wir heute satt sein können. Und die Elektrizität war viel wichtiger als jeder Napoleon“, argumentiert Hell, um zu verdeutlichen, „dass die Naturwissenschaften den Lauf der Welt bestimmen. Dass Triest einmal zu Österreich gehört hat, ist das heute noch wichtig? Viel wichtiger ist doch, dass die Röntgenstrahlen erfunden worden sind.“ Damit kommt er bei den Schülern gut an.

Im Gespräch mit Mia Bendix und Bartolomeus Häußling Löwgren aus dem 12. Jahrgang verblüfft Hell seine Zuhörer: „Mikroskopie an sich hat mich nie interessiert. Mich hat interessiert, ein Problem zu lösen.“ Als Schüler sei er „kein Nerd gewesen; bei Jugend forscht habe ich auch nicht mitgemacht oder irgendwas gebastelt“, meint er.

Hell kam als Jugendlicher aus Rumänien nach Ludwigshafen. Hier hatte er ein einziges Problem in der Schule: Er hatte nie Englischunterricht gehabt. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Das Abitur legte Hell nach Klasse 12 ab als dafür noch 13 Schuljahre üblich waren. Als Student kam er noch ohne Englisch aus, indem er die Welt- und Wissenschaftssprache bewusst umging: Er suchte sich Themen, die in der Fachliteratur vor allem auf Deutsch behandelt wurden: „So bin ich auch zur Lichtmikroskopie gekommen“, gibt er zu.

Das Englischproblem hatte Hell auf diese Weise nur fürs Erste gelöst. Später eignete er sich die Grundlagen der Sprache bei einem Forschungsaufenthalt in England an. Er habe schnell gelernt, vielleicht auch, weil er in seiner Kindheit neben der Muttersprache Deutsch auch Rumänisch und Ungarisch sprach sowie Latein erlernte. Auch Englisch ist für ihn überhaupt kein Problem mehr.

Älteste Schule

Die Deutsche Schule Stockholm (DSS) ist die älteste Schule der Stadt und, nach Kopenhagen, die zweitälteste deutsche Auslandsschule.

Die erste Urkunde datiert aus dem Jahr 1612 als die deutsche St. Gertruds Gemeinde vom schwedischen König das Privileg erhielt, die Schule zu gründen.

Inzwischen ist sie eine Begegnungsschule für Schüler aller Nationalitäten. Von den 582 Schülern sind derzeit 366 deutschsprachig.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Uni Göttingen begrüßt zum #unistartgoe Studienanfänger