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Beisiegel: „Ein Extrem Schwerer Fall“

Tageblatt-Interview zum Plagiatsfall Beisiegel: „Ein Extrem Schwerer Fall“

Intensiv, zügig und solide will die Universität Göttingen den Fall aufarbeiten: Ein ehemaliger Mitarbeiter hat seine Dissertation zu mehr als 90 Prozent aus einer anderen wissenschaftlichen Arbeit abgeschrieben. Das Tageblatt hat dazu bei Uni-Präsidentin Ulrike Beisiegel nachgefragt.

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Ulrike Beisiegel, Präsidentin der Uni Göttingen

Quelle: Archiv

Immer häufiger wird bekannt, dass wissenschaftliche Arbeiten Plagiate sind. Wie bewerten Sie den von der Sozialwissenschaftlichen Fakultät aufgedeckten Fall?
Das ist sicher ein extrem schwerer Fall. Dass 90 Prozent des Inhalts einer Dissertation aus einer anderen wissenschaftlichen Arbeit stammen ist für mich auch mit einem gewissen Entsetzen verbunden. Aus meiner Tätigkeit im Ombudsgremium der Deutschen Forschungsgemeinschaft kenne ich wohl das Problem, aber diese Dimension hat mich mehr als erstaunt.

 
Können sich die Gutachter und Fakultäten vor solchen Machenschaften schützen?
Mit Blick auf die Gutachter kann im Moment niemanden etwas vorgeworfen werden. Aber alle Beteiligten müssen jetzt intensiv, solide und zügig den Sachverhalt aufarbeiten. Den Beginn hat die Sozialwissenschaftliche Fakultät gemacht, die mit Bekanntwerden des Falles sehr schnell und richtig handelte. Das ist gut. Hinsichtlich der Dissertationen ist allgemein sehr wichtig, bei der Nachwuchsbetreuung noch besser zu werden und darüber die Qualitätskontrolle zu gewährleisten. Die Fälschung von Zeugnissen ist heute immer schwerer zu entdecken.

 
Die Sozialwissenschaftliche Fakultät hat den Doktorgrad aberkannt. Kann der einstige Mitarbeiter dagegen vorgehen?
Davon gehe ich nicht aus, weil er schriftlich mitgeteilt hat, dass es ihm leid tut und auch die Dissertationsurkunde bereits zurückgeschickt hat. Generell ist ein Einspruch in einer solchen Sache aber möglich.

 
Was bedeutet der Fall für Studierende, die von dem einstigen Dozenten geprüft und benotet worden sind?
Die Prüfungen sind nicht korrekt durchgeführt worden, soviel ist klar. Das Verfahren ist dadurch beschädigt, dass jemand geprüft hat, der dazu nicht berechtigt war. Deshalb nehmen wir uns die Rechtslage vor und sehen die Prüfungsunterlagen durch. Momentan ist davon auszugehen, dass es eine Abwägungsfrage ist und es nicht zwangsläufig eine Wiederholung einer Prüfung geben muss. Wenn Studierende das verlangen, soll das erfolgen. Wir wollen niemanden, der sein Studium absolviert hat, die Prüfung wiederholen lassen.

 
Wie hoch ist der Schaden für die Universität durch diesen Plagiatsfall?
Ein Schaden ist sicher für die Universität entstanden. Jetzt gilt es zu prüfen, in welcher Größenordnung. Denn es geht um die wissenschaftliche Integrität dieser Universität. Dafür stehen alle wissenschaftlichen Mitarbeiter von den Hilfskräften bis zu den Professorinnen und Professoren. Deshalb ist dies ein extrem ernst zu nehmender Fall und die Aufklärung eine wichtige Angelegenheit.

 

Interview: Angela Brünjes

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