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Uni Göttingen: Plagiatsvorwürfe gegen Medizinprofessoren haltlos

Datenpool für Forschung genutzt Uni Göttingen: Plagiatsvorwürfe gegen Medizinprofessoren haltlos

Plagiatsvorwürfe gegen zwei einstige Nachwuchskräfte der Medizinischen Fakultät, die heute Professoren sind, hat die Untersuchungskommission der Universität Göttingen als haltlos beurteilt: „Textliche Übereinstimmungen in den überprüften Schriften betreffen nicht die zentralen Inhalte der wissenschaftlichen Arbeit.“

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Campus der Uni Göttingen

Quelle: PH (Symbolbild)

Göttingen. Untersucht wurden von dem fünfköpfigen Gremium die Habilitationsschrift für die Hochschullehrerprüfung von Jörg Rüdiger Siewert, heute Leitender Ärztlicher Direktor der Uniklinik Freiburg, und die Dissertation von Hans-Fred Weiser, Verbandspräsident der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands. Beide Arbeiten sind gut 40 Jahre alt. Die Plagiatsvorwürfe wurden im vergangenen Jahr in Freiburg erhoben. Zum Untersuchungsergebnis teilten die Mediziner mit, sie seien erleichtert, dass das Plagiatsverfahren schon nach einer bloßen „Vorprüfung“ ohne „förmliche Untersuchung“ eingestellt wurde. Anders sehen das die Ankläger, die das Verfahren ins Rollen brachten. Sie sind mit dem Ergebnis nicht einverstanden.

 
Wieso die Kommission zur „erwiesenen Unschuld“ Siewerts und zum „fehlenden Tatverdacht“ bei Weiser gelangte, ist ihrem siebenseitigen Abschlussbericht zu entnehmen. Danach hatte die Arbeitsgruppe Siewert einen „ gemeinsamen Datenpool“ für alle Gruppenmitglieder. Jeder, also auch Weiser, konnte die Daten für sich beanspruchen, „unabhängig davon, wer sie konkret erhoben hatte“. Als „Gemeinschaftsleistung“ galt ferner „die Beschreibung der Methodik mitsamt Schemazeichnungen, ebenso die einmal als richtig erkannte Statistik.“ Die Prüfkommission bemerkt dazu: „Aus heutiger Sicht mag es wünschenswert erscheinen, dass die Arbeitsteilung genauer dargestellt worden wäre“.

 
Im April mahnte der bundesweit maßgebliche „Wissenschaftsrat“ klare Standards an, „welche die Einzelleistung der Wissenschaftler transparent darstellen.“ Wenn in einem Team darauf nicht geachtet wird, entstehen, so bezeichnete der Frankfurter Rechtsprofessor Günter Frankenberg die Gruppenforschung, „geisteskommunistische Manifeste“. Entsprechend rügte auch der Rektor der Technischen Hochschule Aachen vor ein paar Jahren einen Professor, weil sich die Dateien in seinem Institut nicht einzelnen Mitarbeitern zuschreiben ließen. Aber derartige normative Vorgaben sind laut Göttinger Kommission „zur damaligen Zeit“, als Siewert und Weiser zusammenarbeiteten, noch nicht „üblich“ gewesen und Abweichungen mithin „nicht als Fehlverhalten zu beanstanden.“

 

Von Hermann Horstkotte

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