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1773 gegründet: Das Academische Museum in Göttingen

Erste wissenschaftliche Sammlung 1773 gegründet: Das Academische Museum in Göttingen

Die erste wissenschaftliche Sammlung der Universität Göttingen war das 1773 gegründete „Academische Museum“. Der Naturforscher Johann Friedrich Blumenbach (1752–1840) trug darin Gegenstände aus aller Welt zusammen: Mineralien und Gesteinsproben, Fossilien, präparierte Tiere und Pflanzen, aber ebenso Antiquitäten, Kunst- und Alltagsgegenstände außereuropäischer Völker.

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Knochen eines eiszeitlichen Wollhaar-Nashorns (Coelodonta antiquitatis) aus Großbritannien: Bis Oktober im Geowissenschaftlichen Museums zu sehen.

Quelle: GM

Nicht nur historisch steht das Academische Museum am Beginn der Geschichte der Göttinger Universitätssammlungen. Auch das Konzept, die Sammlungen in Forschung und Lehre zu nutzen, geht direkt auf Blumenbachs Zeit zurück. Das gilt ebenso für die aktuellen Göttinger Bestrebungen, diese Schätze der Wissenschaft für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Kupferstich: Johann Friedrich Blumenbach (1752-1840).

Quelle:

Die Göttinger Professoren nutzten das Academische Museum, um konkrete Forschungsfragen zu klären. Den Orientalisten Johann David Michaelis (1717–1791) etwa interessierte bei der Beschäftigung mit alten Manuskripten die Beschaffenheit des antiken ägyptischen Papyrus. Von Blumenbach erhielt er eine entsprechende Probe. Der Physiker Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799) griff bei seinen Untersuchungen zum spezifischen Gewicht oder zu den magnetischen Eigenschaften neu entdeckter Elemente auf Vergleichsmaterial im Museum zurück.

Opossum aus Nordamerika

Ebenso präsent waren die Sammlungen im universitären Unterricht. Blumenbach zeigte den Studenten der Naturgeschichte Muscheln, Kleidung und Waffen aus der Südsee und Straußeneier aus Afrika. Entsprechend berühmt waren diese Veranstaltungen und begeisterten viele Nachwuchswissenschaftler für die Naturforschung, unter ihnen Alexander von Humboldt (1769–1859). Ehemalige Studenten schickten Blumenbach zum Beispiel indianische Tabakspfeifen, ein Opossum aus Nordamerika, Meteorite aus Sibirien oder versteinerte Saurierfährten aus Thüringen.

Das Museum diente nicht nur Göttinger Professoren und Studenten. Gegen eine geringe Eintrittsgebühr stand es den Göttinger Bürgern und durchreisenden Fremden offen. Schon damals waren die Sammlungen ein Schaufenster der Universität und der Wissenschaften. Prominenten Besuchern erklärte Blumenbach selbst die Ausstellungsobjekte. Höhepunkt war stets seine Sammlung von über 200 menschlichen Schädeln aus allen Regionen der Welt. Sie zeigte, dass alle Völker der Erde zu einer einzigen Spezies Mensch gehören und gleichwertig sind. Für die Abwertung außereuropäischer Kulturen und die Versklavung der Bewohner fremder Länder gab es somit keine Rechtfertigung.

Fertig zur Aufnahme: Alexander Gehler hält ein Schädelfragment von einem Riesenhirsch bereit. © GM

Quelle:

Schädelsammlung

Forscher und Laien, die nicht nach Göttingen kommen konnten, versorgte Blumenbach mit Abbildungen wichtiger Gegenstände der Sammlung: Seine Schädelsammlung dokumentierte er für Fachkollegen – und deshalb auf Latein – mit ausführlich kommentierten Kupferstichen. An eine breitere Öffentlichkeit richteten sich seine 100 „Abbildungen naturhistorischer Gegenstände“, zumeist von exotischen Tieren wie dem „Schinesischen See-Raben“ oder dem in Australien entdeckten geheimnisvollen Schnabeltier, aber auch von irischen Basaltsäulen, Fossilien oder Hühnerembryonen.

Blumenbach nutzte die Massenmedien seiner Epoche, um die wissenschaftlichen Sammlungen der Georgia Augusta über Göttingen hinaus bekannt zu machen. Ein Forschungsprojekt der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen greift seit 2010 diese Idee auf und setzt dabei auf das digitale Massenmedium unserer Zeit: das Internet.

Fotos und Filme im Internet

Dazu werden die heutigen Sammlungen nach Stücken durchsucht, die Blumenbach beschrieben und abgebildet hat. Fotos oder Filmsequenzen der Objekte werden im Internet online gestellt und mit Blumenbachs eigenen Abbildungen und Erläuterungen verbunden.

So zeigt sich, was um 1800 einen Naturforscher interessierte und was er möglicherweise vernachlässigte oder übersah. Für heutige Betrachter eines Objekts kann etwas ganz anderes auffällig oder wichtig sein, denn Neugier und Aufmerksamkeit sind stets auch von der eigenen Zeit und deren Fragestellungen geprägt.

Blumenbach online  

Das Göttinger Editionsprojekt „Johann Friedrich Blumenbach – online“ digitalisiert seit 2010 die Werke und Sammlungen Johann Friedrich Blumenbachs. Projektträger sind die Akademie der Wissenschaften, die Universität und die Universitätsbibliothek. Ein wichtiger Kooperationspartner ist das Geowissenschaftliche Zentrum der Universität, das die meisten der noch erhaltenen Sammlungsobjekte Blumenbachs besitzt. Eingescannt werden die Bücher und Aufsätze Blumenbachs im Digitalisierungszentrum der Universitätsbibliothek.
Ziel des Projekts ist ein neuartiges Online-Portal, das zugleich historische Texte und naturwissenschaftliche Sammlungsobjekte präsentiert. Zum Mitarbeiterteam gehören deshalb sowohl Wissenschaftshistoriker wie Autor Wolfgang Böker und Informatiker als auch Biologen und Geowissenschaftler. Der Leitungskommission des Projekts gehören Fachwissenschaftler aus Deutschland, der Schweiz und Italien an.

blumenbach-online.de

 
 

Geschenk von Graf Finkenstein an das Academische Museum: 45 Millionen Jahre alter baltischer Bernstein. © Geowissenschaftliches Museum (GM)

Quelle:

Von Wolfgang Böker

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