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Sammlungen der Universität Die Welt der Tiere in einer Sammlung
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16:32 25.01.2013
EckardtIn Bewegungsposen montiert: Skelette verschiedener Huftiere im „Skelettraum“ des Zoologischen Museums. Quelle: Wortmann
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Durch Zukäufe, Schenkungen und Sammelreisen wurden die Anfangsbestände stetig erweitert, wodurch eine Basis für wissenschaftliche Untersuchungen geschaffen wurde. Zahlreiche Neubeschreibungen von Arten und anderen naturkundlichen Veröffentlichungen aus der zoologischen Abteilung des akademischen und später des naturkundlichen Museums Göttingen waren die Resultate.

Heute umfassen die Sammlungen mehr als 140       000 Objekte. Sie liegen als getrocknete oder in Flüssigkeit konservierte Präparate in den Magazinen des Zoologischen Museums.

Die umfangreichste Einzelsammlung ist die Insektensammlung. Sie beherbergt mehr als 100    000 getrocknete Individuen tropischer Schmetterlinge aus Südamerika, Afrika und Asien, aber auch bedeutende Sammlungen europäischer Insekten.

Von Bedeutung ist ebenfalls eine größere Kollektion von Vogelbälgen und Vogeldermoplastiken. Sie entstammt vor allem der Sammlung Major Kirchhofs, die vom Zoologischen Museum 1877 aufgekauft wurde. Wegen ihres Umfangs und ihrer Vielfältigkeit war sie seinerzeit eine der bedeutendsten Vogelsammlungen und wurde von vielen bedeutenden Vogelforschern genutzt.

Die Georg-August-Universität Göttingen verfügt über außergewöhnliche Sammlungen. Ihre Bedeutung ist in letzter Zeit über die Hochschule hinaus bekannt geworden. In Zusammenarbeit mit den Kustoden der Universitätssammlungen stellt das Tageblatt die Gärten und Sammlungen vor.

In mehr als 3500 Behältern werden flüssigkeitskonservierte Präparate aufbewahrt. Im Gegensatz zu getrockneten Tieren wird dabei das gesamte Tier durch Fixierlösungen haltbar gemacht und kann in einer Konservierungsflüssigkeit unbegrenzt aufbewahrt werden. Hauptsächlich kleinere, skelettlose Tiere wie Ringelwürmer, Weichtiere und Stachelhäuter, aber auch Frösche, Fische, Eidechsen und Schlangen werden auf diese Weise erhalten. Unter diesen Objekten befinden sich einige wertvolle Typusexemplare.

Ein Typus ist das Individuum, das der Wissenschaftler in der Hand hielt, als er der Tierart einen wissenschaftlichen Namen gab. Ein Typus ist das Urmeter für eine Art, an dem die Zugehörigkeit eines anderen Individuums zu einer Art überprüft werden kann. Hunderte weitere Typusexemplare von winzigen Tieren aus dem Sandlückensystem der Meeresstrände - unter anderem von den Galapagosinseln - liegen als Dauerpräparate in der Göttinger Sammlung vor.

Diese Objekte sind in Einzelteile zerlegt oder in feine Scheiben zerschnitten und anschließend mit speziellen Harzen auf gläserne Objektträger geklebt und mit einer dünnen Glasscheibe abgedeckt.

Die Sammlungen wachsen laufend weiter. In den vergangenen 15 Jahren kamen etwa 15    000 Tiere hinzu. Darunter befinden sich Insekten aus Madagaskar sowie Sammlungsmaterial einer Nordpolarmeerexpedition. Beides sind Lebensräume, deren Tierwelt durch menschliche Aktivitäten akut bedroht ist. Dadurch sind in den Sammlungen des Zoologischen Museums Tierarten, die in naher Zukunft in der Natur ausgestorben sein könnten.

Ein weiteres Glanzstück soll bald Teil der Sammlung werden. Nicht so riesig wie der Pottwal, aber dafür historisch weitaus spannender ist der Wachsabguss eines Grottenolms. Diesen erhielt Johann Friedrich Blumenbach (1751-1840) vom Direktor des Naturhistorischen Museums in Wien. Er stammt aus derselben Grotte in Slowenien, in der diese einzigartige Tierart wenige Jahrzehnte zuvor entdeckt wurde.

Wissenschaftler und Studierende forschen, lehren und lernen mit den Sammlungen des Zoologischen Museums. Im Rahmen der Sonntagsspaziergänge sind die Dauerausstellungen jeden Sonntag von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Es gibt von Montag bis Freitag Führungen für Gruppen nach Voranmeldung (Telefon 0551 / 39-5463), ein Ferienprogramm für Kinder und weitere Gruppenveranstaltungen wie Kindergeburtstage nach Absprache (Telefon 0551 / 39-5455).

Von Gert Tröster

Weitere Informationen zu der zoologischen Sammlung auf zmgoe.de

Gert Tröster

Gert Tröster, seit 1994 Kustos der Sammlungen des zoologischen Museums der Universität Göttingen, studierte Biologie und Paläontologie an der Universität Tübingen mit Schwerpunkte in der Morphologie, Systematik und Evolution der Glieder- und Wirbeltiere. Abschluss zum Diplombiologen mit einer morphologischen Arbeit über die Larvenmorphologie von Laufkäfern. 

Anschließend Promotion an der Universität Tübingen mit einer Dissertation zur die Funktionsmorphologie und Evolution der stechend-saugenden Mundwerkzeuge der Läuse.

Vier Jahre war Tröster am Senckenberg-Museum in Frankfurt tätig und erforschte die eozäne Insektenfauna der Grube Messel bei Darmstadt. 1994 wechselte der 1954 geborene Biologe an die Universität Göttingen.

Hier ist er seitdem Assistent am Lehrstuhl für Morphologie und Systematik. Arbeitsschwerpunkte sind die Lehre in der Zoologieausbildung und die wissenschaftliche Aufsicht über die Sammlungen sowie den Ausstellungsbereich des Zoologischen Museums.

In den Zoologischen Sammlungen betreut Tröster mehr als 100      000 Objekte. „Durch meine wissenschaftliche Arbeit in der vergleichenden Morphologie und Paläontologie habe ich über die Jahre den Wert von wissenschaftlichen Sammlungen über alle Maße schätzen gelernt.

Zum einen, weil sie mir als Vergleichsmaterial für vergleichend-morphologische Untersuchungen unentbehrlich sind, und zum anderen, weil sie gerade bei wissenschaftlichen Untersuchungen von Fossilien oft die einzige Möglichkeit sind, die oft nur fragmentarisch vorliegenden Fossilfunde zu interpretieren und systematisch zuzuordnen“, sagt Tröster.

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