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Sammlungen der Universität Diplomatischer Apparat der Georgia Augusta
Campus Themen Sammlungen der Universität Diplomatischer Apparat der Georgia Augusta
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19:15 08.02.2013
Neue Untersuchungsmethoden für alte Dokumente: Hedwig Röckelein und Jörg Bölling untersuchen das „Eckhart-Fragment“ aus dem frühen 14. Jahrhundert. Quelle: pug

Die Aufgabe des „Diplomatischen Apparates“ besteht seit seiner Gründung im Jahre 1759 darin, den Studierenden der Geschichtswissenschaft Quellen im Original näher zu bringen, vor allem mittelalterliche Urkunden von Päpsten, Kaisern und Bischöfen. Urkunden galten lange Zeit als „objektive“ Quellen, die bestimmte Rechtsakte unverfälscht dokumentieren.

Seitdem man ihren „subjektiven“ Charakter erkannt hat, tritt die Beschäftigung mit den Interessen der Aussteller und Empfänger der Urkunden in den Vordergrund. In jüngster Zeit ist das Interesse am „Layout“ und an der Medialität der Urkunden gewachsen.

Neben den Urkunden gibt es im Diplomatischen Apparat eine Reihe einzeln überlieferter Siegel – Originale und Nachbildungen. Mannigfaltig sind ihre Farben, Materialien wie Pergament und Papyrus, Wachs, Blei und Gold sowie die Arten der Befestigung an der Urkunde mit Pergament, Hanf oder Seide.

Das weltweit erste universitäre Historische Institut

Alle diese Elemente geben Hinweise auf den Aussteller und die Wichtigkeit des besiegelten Gegenstandes. Im Besitz des Göttinger Diplomatischen Apparates befinden sich zudem einige wenige Handschriften und Fragmente von Handschriften. Die ältesten Fragmente stammen aus dem 6. Jahrhundert.

Siegel: zeigt Königin Maria I. Tudor (1553/54). Büttner

Die Texte sind unter anderem auf Latein, Mitteldeutsch, Altgriechisch, Hebräisch, Arabisch, Persisch, Türkisch, Koptisch, Tamilisch und Singhalesisch abgefasst.

Der Diplomatische Apparat wurde in den vergangenen Jahrhunderten von wegweisenden Forschern geleitet. Begründet wurde er von Johann Christoph Gatterer (1727-1799), der in Göttingen das weltweit erste universitäre Historische Institut und die Historischen Grundwissenschaften begründete.

Diese lehren die alten Schriften und die Herstellung der Bücher in früheren Jahrhunderten, die Kenntnis der Siegel, der Wappen, der Zeitrechnung, der Münzen, der Inschriften, der Stammbäume und der Akten. Im 19. Jahrhundert wurde der Diplomatische Apparat zeitweise von Jacob Grimm (1785-1863) geleitet, im 20. Jahrhundert von Alfred Hessel (1877-1939), dem Onkel des französischen Intellektuellen Stéphane Hessel („Empört Euch!“).

Hessel wurde 1935 wegen seiner jüdischen Herkunft auf Druck Göttinger Nazis aus dem Universitätsdienst entlassen.

2012 wurde der neue Vortragssaal der Staats- und Universitätsbibliothek zu seinem ehrenden Gedenken als „Alfred-Hessel-Saal“ eingerichtet. Die Originale aus dem Diplomatischen Apparat werden bis heute im universitären Unterricht verwendet.

Im Sommersemester 2012 analysierte Bölling zum Beispiel mit seinen Studierenden in einer fächerübergreifenden Lehrveranstaltung Musikfragmente des 12. Jahrhunderts; die Studierenden führten die Stücke anschließend in einem Konzert in der Nikolaikirche auf.

Spärliche finanzielle Ausstattung des Diplomatischen Apparates

Für die Urkunden und Fragmente des Diplomatischen Apparates interessieren sich auch Forscher aus aller Welt. Im vergangenen Jahr waren Kollegen aus den USA, aus Kanada und aus Italien zu Besuch. Für Furore in der Presse sorgte vor allem die Entdeckung eines Predigt-Fragments Meister Eckharts aus dem 14. Jahrhundert.

Daneben gibt es regelmäßig Anfragen zu Gründungsurkunden: für Dorf- und Stadtjubiläen sowie für Ausstellungen, etwa vom Halberstädter Domschatz.

Die Bestände des Diplomatischen Apparates sind bislang nur durch ein maschinenschriftliches Findbuch erschlossen, das vor Ort eingesehen werden muss. Soweit es die spärliche finanzielle Ausstattung des Diplomatischen Apparates erlaubt, bemühen wir uns um die Digitalisierung des Findbuches und eine digitale Publikation der Originale.

Die Pergamente und Papiere müssen bei konstanter Feuchtigkeit und Temperatur aufbewahrt werden. Daher ist die Besichtigung des Diplomatischen Apparates aus konservatorischen Gründen nicht möglich. Für Unterrichts- und Forschungszwecke können aber einzelne Stücke ausgehoben und in anderen Räumen benutzt werden.

Von Hedwig Röckelein und Jörg Bölling

Notation aus dem 12. Jahrhundert: Neumenschrift. Liebetruth
Kaiserurkunde: von Friedrich Barbarossa (1157). Liebetruth
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