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Sammlungen der Universität Forstbotanischer Garten auch im Winter grün
Campus Themen Sammlungen der Universität Forstbotanischer Garten auch im Winter grün
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16:32 25.01.2013
Steht wie bei allen Tannen aufrecht am Zweig: Ihr Zapfenschmuck macht die Korea-Tanne zu einem beliebten Zierbaum. Quelle: Meng
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Göttingen

Die Forstfakultät der Georg-August Universität Göttingen beherbergt mit über 2 000 Gehölzen eine der größten Baum- und Strauchsammlungen Deutschlands. Neben den einheimischen Holzgewächsen sind Bäume aus der gemäßigten Zone der ganzen Welt von Nordamerika bis China zu finden. Die Baumsammlung dient Forschung und Lehre.

Sie wird für die botanisch-dendrologische Grundausbildung benötigt und ist besonders in die Ausbildung der vielen internationalen Studierenden eingebunden, die an der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie studieren. Des Weiteren kommen die Gehölzsammlungen in speziellen Forschungsprojekten zum Einsatz, beispielweise um die Diversität von Inhaltsstoffen wie Ölen, Fetten und Harzen zu untersuchen. Daneben sind der Forstbotanische Garten und das Arboretum, in dem die Baumarten nach geographischer Herkunft sortiert sind, ein stets zugängliches Ausflugsziel für die Göttinger und ihre Gäste.

Im Winter können sich die Besucher vor allem an den immergrünen Gehölzen erfreuen. Kurz vor Weihnachten steht natürlich bei vielen die Frage nach der Wahl und dem Ursprung des Tannenbaums im Vordergrund. Während eines Spazierganges durch den Forstbotanischen Garten sind über 100 verschiedene, je nach Weltregion übliche Weihnachtsbäume anzuschauen. Darunter befinden sich über 30 Tannen- und Kiefern-Arten sowie etwa 20 verschiedene Fichtenarten. Des Weiteren gibt es interessante Douglasien, Wacholder, Schein- und echte Zypressen oder Eiben. Die japanische Sicheltanne hat zum Beispiel weiche, nach innen gerichtete Nadeln und einen lockeren Wuchs, während die chinesische Spießtanne zwar kompakter wächst, dafür aber 3 bis 7 Zentimeter lange, stechende Nadeln hat. Bäume, die Sie auch in unseren ostasiatischen Arboreten China und Japan sehen können.

Die Tradition des Weihnachtsbaums, Christbaums oder Tannenbaums hat einen heidnischen Ursprung. Bereits die alten Griechen, Römer und Germanen schmückten ihre Häuser zur Winterzeit mit immergrünen Zweigen. Die allerersten Berichte über den Christbaum stammen aus Freiburg. Später breitete sich der Christbaum von Norden nach Süden über Österreich, Italien, Frankreich usw. aus. Mit der Auswanderungswelle aus Deutschland nahmen die Deutschen auch die Tradition des Weihnachtsbaumes mit und so gelangte der Weihnachtsbaum in die gesamte Welt.

Welche Baumart als Tannenbaum verwendet wird, unterliegt modischen Veränderungen. Nach dem zweiten Weltkrieg waren vor allem Fichten beliebt, später dann die stachelige Blaufichte, die sich auf Grund ihrer waagerechten Aststellung sehr gut schmücken lässt. Heute ist die Blaufichte als Weihnachtsbaum durch die Nordmanntanne weitgehend abgelöst worden. Die Nordmanntanne hat weiche dunkelgrüne Nadeln und verströmt einen würzigen Geruch. Im Forstbotanischen Garten werden keine Weihnachtsbäume angeboten und es ist streng verboten, die Bäume zu beschneiden. Aber bei einem winterlichen Spaziergang können Sie neben diesen typischen Bäumen auch neue Arten entdecken, die in anderen Ländern als Weihnachtsbäume verwendet und die hier von manchen Speziallieferanten angeboten werden: zum Beispiel die Küsten-, Colorado- und Korea-Tanne, die Rot-Fichte, die Serbische-Fichte sowie die Wald- und Schwarz-Kiefer. Fast alle in Deutschland verkauften Bäume stammen aus speziellen Weihnachtsbaumkulturen.

Von Volker Meng

Zur Person: Volker Meng

Volker Meng, technischer Leiter des forstbotanischen Gartens der Universität Göttingen, startete mit einer Gärtnerlehre ins Berufsleben und schloss  eine zweijährige Floristen-Ausbildung an, bevor er in Weihenstephan Gartenbau studierte. Nach dem Studium war Meng zunächst beim Zivildienst am Berufsbildungswerk Bethel im Fachbereich Baumschule, anschließend wurde er Fachbereichsleiter am Berufsbildungswerk Bethel. Seit Januar 1993 ist er technischer Leiter des Forstbotanischen Gartens der Universität Göttingen.

„Die Leitung eines botanischen Gartens zu übernehmen, stellt für jeden botanisch interessierten Gärtner eine echte Herausforderung dar, vor allem aber eine Chance, sein Hobby mit dem Beruf zu verschmelzen“, sagt Meng (54). Obwohl die Verwaltungsaufgaben einen immer größeren Stellenwert bekommen haben, sei die anziehende Vielfalt und Faszination der Botanik auch nach Jahren immer noch lebendig. Meng: „Die Triebfeder ist die Neugier und der Wille immer wieder Neues kennenlernen zu wollen.“

Als eine seiner wichtigsten Aufgaben nennt Meng die Verbindung des Gartens mit der Fakultät für Forstwissenschaften und den Studierenden nicht abreißen zu lassen. Die 1994 begonnene Umstellung auf eine weitgehend ökologisch ausgerichtete Bewirtschaftung hat den Garten nicht nur in floristischer, sondern vor allem in faunistischer Hinsicht sehr bereichert. Die größte Herausforderung der nächsten Jahre wird darin liegen, so Meng, die pflanzen-geographischen Arboreten trotz des für die Universität begrüßenswerten Ausbaues der Institute zu erhalten.

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