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Sammlungen der Universität Von der Zeit geprägt: Münzkabinett der Georgia Augusta
Campus Themen Sammlungen der Universität Von der Zeit geprägt: Münzkabinett der Georgia Augusta
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00:18 15.04.2013
Fachgespräch am Münztresor: Kustos Daniel Graepler (Mitte), sein Vorgänger Christof Boehringer und Mitarbeiterin Kathrin Weber. Quelle: EF
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Studierende aller genannten Fachgebiete sollten daher im Laufe ihrer Ausbildung auch Kenntnisse in der Münzkunde, der Numismatik, erwerben. Und was kann dafür lehrreicher sein, als der Umgang mit originalen Objekten?

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass viele Universitäten sich eigene Münzkabinette zugelegt haben. Das Göttinger ist nach den Sammlungen in Leipzig und Tübingen das drittgrößte universitäre Münzkabinett in Deutschland – und eines der ältesten. Bereits 1773 wurde der Grundstock dazu gelegt.

Heute werden in der Sammlung, die sich im Archäologischen Institut der Universität befindet, über 40 000 Objekte höchst unterschiedlicher Art aufbewahrt und für Forschung und Lehre genutzt. Das Spektrum reicht von frühen griechischen Prägungen über römische, byzantinische und islamische Münzen bis hin zu umfangreichen Beständen aus Mittelalter und Neuzeit, vorwiegend aus Mittel- und Nordeuropa, aber auch aus vielen anderen Regionen rund um den Globus.

Auch ungewöhnliche Münzformen sind darunter wie die großen Kupferplatten, die der schwedische König 1732 in einer Phase des Edelmetallmangels in Umlauf bringen ließ.

Im frühen 19. Jahrhundert wurden wichtige Münzfunde aus dem Königreich Hannover der Sammlung überwiesen. Der größte Teil ihrer Bestände stammt jedoch aus dem Ankauf von Privatsammlungen und aus bedeutenden Schenkungen.

Grundstock 1773 gelegt

Genannt seien nur die großen Serien russischer Münzen und Medaillen, die einer der größten Wohltäter der Georgia Augusta, der Baron von Asch (1727–1807), nach Göttingen sandte, und die Stiftung des Arabistik-Professors Peter Bachmann, der der Universität 1991 über 5500 Münzen schenkte, die er in den Jahren zuvor zusammen mit seiner Frau im Libanon gesammelt hatte.

Der Grundstock zum Göttinger Münzkabinett wurde 1773 gelegt, als die Naturalien- und Kunstsammlung des Professors Christian Wilhelm Büttner von der Universität erworben und damit das Academische Museum eingerichtet wurde. Büttners Sammlung enthielt auch zahlreiche Münzen, besonders aus der Zeit der römischen Republik.

Der Direktor des neuen Museums, Christian Gottlob Heyne (1729–1812), veröffentlichte sogleich drei gelehrte Abhandlungen über die römisch- republikanischen Stücke, die damals, in den Jahren vor der Französischen Revolution, auf besonderes Interesse stießen.

Neuerdings sind diese Silberdenare erneut zum Gegenstand eines Forschungsvorhabens geworden.

Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Verbundprojekts „Kenom“ entwickeln verschiedene Münzsammlungen in Deutschland (Hannover, Kiel, Halle, Weimar und Göttingen) gemeinsam eine Datenbankstruktur zur digitalen Erfassung numismatischer Materialien aller Art, von antiken Münzen über neuzeitliche Medaillen bis hin zum Papiergeld des 20. Jahrhunderts.

Das Göttinger Münzkabinett ist in dem Projekt für die Antike zuständig. Bearbeitet werden zunächst die Prägungen der römischen Republik. Erstmals seit Heynes Zeiten werden diese Bestände damit wissenschaftlich publiziert, in einer über das Internet abrufbaren Bilddatenbank.

von Daniel Graepler

Stephan Eckardt

Industrie- und Werbefotograf, unterstützt den Kustos der Sammlungen am Archäologischen Institut, Dr. Daniel Graepler, der auch für das Münzkabinett zuständig ist. Ohne diese Kooperation wären die vielfältigen Forschungs-, Ausstellungs- und Publikationsaktivitäten der Sammlungen des Archäologischen Instituts kaum denkbar. Nach der Ausbildung als Industrie- und Werbefotograf  legte Eckardt in Hannover die Meisterprüfung ab.

Seit vielen Jahren am Archäologischen Institut tätig, zählt der 1961 geborene Eckardt heute zu den renommiertesten archäologischen Fotografen in Deutschland. Für die Internetpräsentation der Sammlung der Gipsabgüsse (viamus.de) hat er über 6000 Aufnahmen antiker Skulpturen angefertigt, die heute weltweit in Lehrveranstaltungen eingesetzt und für Publikationszwecke verwendet werden. Auch seine inzwischen in vier umfangreichen Bänden publizierten Aufnahmen der Vasensammlung des Instituts haben Maßstäbe gesetzt.

Für die Jubiläums-Ausstellung „Dinge des Wissens“ 2012 hat Eckardt Objekte auch aus zahlreichen anderen Göttinger Sammlungen fotografiert. Sie sind in den Begleitband zur Ausstellung eingeflossen und illustrieren viele Beiträge dieser Tageblatt-Serie.

Gegenwärtig arbeitet Eckardt an der systematischen Bilddokumentation der römisch-republikanischen Münzen für das Verbundprojekt „Kenom“. Das Faszinierende an den Sammlungen im Archäologischen Institut, so Eckardt, sind die diversen Fundgattungen mit ihren unterschiedlichen Materialeigenschaften, die den Fotografen jeweils vor neue Herausforderungen stellen.

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