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Schlafen in der Blase

Neue Wohnform Schlafen in der Blase

Wie schläft es sich in einer Kunststoffblase? Und wie duscht es sich in einer Telefonzelle? 20 junge Architektur-Studenten probieren es in Bochum gerade aus: Ihr Experiment versteht sich als Lösungsidee für studentische Wohnungsnöte.

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Fußboden wie eine Hüpfburg: die Wohnblase zwischen Mehrfamilienhäusern.

Quelle: dpa

Bochum. „Die Autos sind in dieser Straße noch nie so langsam gefahren“, sagt Angelika Koch. Jeder halte an, um zu sehen, was 20 Architektur-Studenten da in die Einfahrt neben ihr Mehrparteienhaus in Bochum gequetscht haben: eine Wohnblase aus Polyurethan.

Man betritt das Gebilde über eine Leiter in einer ausrangierten Telefonzelle. Sie ist Eingang, Treppenhaus und Badezimmer zugleich. Oben steht man in einem fast leeren Kugelraum mit lichtdurchlässigen Wänden. Ein hüpfburgartiger Boden bildet eine große Matratze. „Er ist nicht so fest wie ein Betonboden“, sagt Alexander Rakow, einer der Studenten, „aber er trägt einen, und es ist ein schönes Gefühl, darauf herumzulaufen.“ „Bloon“ haben sie ihren Testballon getauft.

Vorausgegangen war ein Wettbewerb zur Frage, wie Studierende künftig wohnen können. Architektur-Dozentin Agnes Giannone erweiterte die Frage im Seminar: „Wie entwickelt sich eine Stadt wie Bochum, die alle Studentenwohnheime außerhalb hat, die sich aber neu erfinden muss und durch ihre Studenten ein wahnsinnig lebendiges Potenzial hat?“ Die Wohnblasen-Idee war als eine von mehreren im Rennen. Sie stammt von Seminarteilnehmer David Keuer. „Eigentlich waren sich alle einig, dass mein Projekt raus ist, weil es nach unserem damaligen Stand schwierig bis gar nicht zu realisieren war.“

Anderthalb Jahre haben er und 19 andere Studenten an der Umsetzung gearbeitet. Mehrere zehntausend Euro habe das Experiment gekostet, sagt Giannone. Der größte Teil davon kam aus einem Förder-Programm für neue Ideen für städtisches Zusammenleben des internationalen Chemie-Unternehmens Akzo Nobel.

Bei der Bewohnbarkeit der Blase scheiden sich die Geister der Schaulustigen. Die Küche würde ihr fehlen, sagt eine von ihnen. Tatsächlich ist die minimalistische Einrichtung eine Konsequenz aus einer Befragung von 277 Bochumer Studierenden, erklärt Rakow: „Rausgekommen ist wirklich, dass die Leute sich heutzutage vor allem auf ihr Bett und auf ihr Laptop beziehen.“ Allabendlich werden Fotos auf die Rückseite der Kunststoffhaut projiziert, die die Bewohner auf einen angeschlossenen Computer hochladen. Die Projektionstechnik kommt von dem Hildesheimer Start-up „Urban Invention“. Wenn alles klappt wie geplant, will die Studentengruppe mit dem „Bloon“ auf Reisen gehen, sagt Seminarleiterin Giannone.

Von Fabian May

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