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Diagnose Nesselsucht: So leiden eine Million Patienten in Deutschland

Hoffnung für Patienten mit chronischer Nesselsucht Diagnose Nesselsucht: So leiden eine Million Patienten in Deutschland

Etwa eine Millionen Menschen in Deutschland leiden an Nesselsucht, auch Urtikaria (Vom lateinischen Urtica = Brennnessel) genannt. Dabei treten bei den Patienten Quaddeln am ganzen Körper auf, die schrecklich jucken und brennen – als hätte man in Brennnesseln gefasst. Außerdem bekommen rund 40% der Patienten sogenannte Angioödemen, das sind Hautschwellungen, die häufig im Gesichtsbereich auftreten.

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Hoffnung für Patienten mit chronischer Nesselsucht: Therapie mit Omalizumab.

Quelle: depositphotos.com / Gorilla

Schuld an Quaddeln, Juckreiz und Hautschwellungen sind zu einem großen Teil die Mastzellen.

Dies sind Zellen der körpereigenen Abwehr, die sich unter anderem in den oberen Hautschichten befinden. Wenn die Mastzelle durch Immunglobulin E (=IgE, Antikörper, der für allergische Reaktionen verantwortlich ist) angeregt wird, schüttet diese den Botenstoff Histamin aus – was wiederum die Blutgefäße erweitert und somit die Urtikaria-Symptome auslöst.

Nesselsucht ist eine der häufigsten Hauterkrankungen: Jeder vierte Deutsche hat mindestens einmal im Leben eine Nesselsucht. Das Tragische ist: Es kann jeden treffen. Egal ob Hausfrau oder Universitätsprofessor, die Nesselsucht macht vor keiner Alters- oder Berufsgruppe oder sozialen Schichten halt.

Frauen erkranken häufiger

An einer Nesselsucht erkranken Frauen zweimal häufiger als Männer. Das Tückische dabei: insbesondere Frauen zwischen 20 und 50 sind betroffen; also dann, wenn beispielsweise die Familienplanung ansteht oder die berufliche Karriere in den Vordergrund rückt.

Oft verschwindet die Nesselsucht nach wenigen Tagen wieder, doch es gibt auch Fälle, bei denen die Urtikaria über Jahre hinweg immer wieder auftritt – manchmal sogar 10, 20 oder mehr Jahre. Dann spricht man von chronischer Nesselsucht. Durch aufwändige Untersuchungen versuchen Ärzte, die Auslöser zu finden. Doch nur bei etwa einem Drittel der Patienten gelingt das. Diejenigen, bei denen Quaddeln und Juckreiz ohne erkennbaren Grund immer wieder auftreten, leiden an einer besonders schweren Form: der chronischen spontanen Urtikaria.

Die Nesselsucht wird häufig unterschätzt. Sie ist kein kosmetisches Problem – der Leidensdruck ist enorm hoch, da die Patienten sowohl körperlich als auch psychisch extrem beeinträchtigt sind. Physisch gesehen ist der nahezu unerträgliche Juckreiz, der mit den Quaddeln einhergeht, besonders schlimm.

Angstzuständen oder Depressionen

Er treibt die Patienten schier zur Verzweiflung. Doch auch psychisch leiden sie: sehr viele Patienten leiden unter Angstzuständen oder Depressionen, einige von ihnen denken sogar an Selbstmord. Da die Beschwerden häufig abends am stärksten sind, leiden viele Nesselsucht-Patienten auch an Schlafstörungen bis hin zur Schlaflosigkeit.

Damit nicht genug – häufig wird die Krankheit vom Umfeld nicht ernst genommen und Patienten geben geliebte Dinge, wie zum Beispiel Hobbies, auf, isolieren sich von Familie und Freunden oder verlieren sogar ihre Arbeit. Ein normales, alltägliches Leben ist für sie nicht mehr möglich.

Viele dieser Patienten leiden bereits sehr lange. Sie haben meist einen jahrelangen, unbefriedigenden und aufwändigen Weg hinter sich, bei dem sie immer wieder bei verschiedenen Ärzten aber auch Heilpraktikern Hilfe gesucht haben. Doch häufig war dies nur wenig oder gar nicht erfolgreich. Die betroffenen Patienten haben sich meist mit ihrer Erkrankung abgefunden – sie habe resigniert, obwohl viele von ihnen mit ihrer Behandlung nicht zufrieden sind.

Ursache bisher nicht bekannt

Einer der Hauptgründe für die bisher unzureichende Behandlung von chronischer spontaner Urtikaria ist, dass die Ursachen nicht bekannt sind oder herausgefunden werden können. Die Patienten sind quasi „allergisch gegen sich selbst“. Man kann daher die Auslöser der Erkrankung nicht vermeiden – es bleibt also nur eine medikamentöse Therapie.

Ziel einer erfolgreichen Urtikaria-Therapie ist eine vollständige Symptomfreiheit, da die Erkrankung nicht geheilt werden kann. Doch bisher standen zur Behandlung der Nesselsucht lediglich Antihistaminika zur Verfügung, die aber nur bei rund 50% der Patienten geholfen haben.

Seit Ende Februar 2014 gibt es mit Omalizumab nun eine neue Therapie für die Patienten, denen bisher gar nicht oder nicht ausreichend geholfen werden konnte. Mit diesem Wirkstoff wird verhindert, dass das IgE an die Mastzelle gebunden wird, so dass die Mastzelle kein Histamin ausschüttet und Quaddelbildung und Juckreiz verhindert werden.

Innerhalb kürzester Zeit – meist innerhalb einiger Tage, manchmal sogar in wenigen Stunden – sind die Patienten vollständig symptomfrei, Quaddeln und Juckreiz treten nicht mehr auf und auch die Psyche kann heilen. Das bedeutet, dass mit Omalizumab ein jahrelanger Leidensweg beendet werden kann und den Patienten der Weg zurück in den Alltag, oder gar in neues Leben, möglich ist.

Von Niels Dahnke

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Nesselsucht-Forscher Marcus Maurer
Foto: Wirkstoff gegen chronische Nesselsucht gefunden.

Etwa eine Million Menschen in Deutschland leiden an Nesselsucht, auch Urtikaria (Vom lateinischen Urtica = Brennnessel) genannt. Dabei treten bei den Patienten Quaddeln am ganzen Körper auf, die schrecklich jucken und brennen – als hätte man in Brennnesseln gefasst. Außerdem bekommen rund 40% der Patienten sogenannte Angioödemen, das sind Hautschwellungen, die häufig im Gesichtsbereich auftreten.

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