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Garten Eden gegen „Entstehung der Arten“

Evolutionsgegner Garten Eden gegen „Entstehung der Arten“

Dinosaurier spazieren neben Homo Sapiens, im Garten Eden verführt die tückische Schlange Adam und Eva – im „Creation Museum“ in Petersburgh im US-Bundesstaat Kentucky erwacht die Schöpfungsgeschichte zum Leben.

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Zum 200. Geburtstag Charles Darwins am 12. Februar zeigt das American Museum of Natural History in New York auch Tierskelette, die seine Theorie erläutern.

Quelle: Don Emmert/afp

Auch 200 Jahre nach dem Geburtstag von Charles Darwin am 12. Februar 1809 und 150 Jahre nach Erscheinen seines Schlüsselwerks “Über die Entstehung der Arten“ zweifeln in den USA mehr als zwei Drittel der Bürger die Evolutionstheorie an. Doch für kreationistische Ideen sind auch Menschen auf dieser Seite des Atlantiks empfänglich.

Ein Fünftel der Deutschen steht der Evolutionstheorie nach neuen Studienergebnissen zumindest skeptisch gegenüber, sagt Dittmar Graf, Professor für Biologiedidaktik an der Technischen Universität Dortmund. Eine Umfrage unter 1200 Lehramtsstudenten in Dortmund ergab zudem, dass 15 Prozent der künftigen Pädagogen Darwins Theorie nicht akzeptieren. Bei angehenden Bio-Lehrern seien es immerhin noch sieben Prozent. Doch „Biologie kann man nicht verstehen, wenn man die Evolution nicht versteht“, sagt Graf. Er fürchtet wachsende Wissenschaftsfeindlichkeit in einem Land, in dem Politiker die Bildung immer wieder als wichtigste Ressource preisen.

Dank Internet und großzügiger Sponsoren hätten kreationistische Gruppen in Deutschland viele Möglichkeiten zur Verbreitung ihrer Ideen, sagt Graf. Hochglanzzeitschriften und Bücher würden gratis an Lehrer verschickt. Auch der Boom der Privatschulen begünstigt die Vorkämpfer der Schöpfungslehre: Der Verbund der Freien Evangelischen Schulen Berlins etwa wirbt auf seinen Internetseiten damit, dass dort im Biologieunterricht der „Ausschließlichkeitsanspruch“ der Evolutionslehre hinterfragt wird. Immerhin 540 Kinder werden an diesen Schulen unterrichtet.

Die Evangelikalen gehörten zu den Hauptverfechtern kreationistischer Ideen, sagt Reinhold Leinfelder, Direktor des Museums für Naturkunde in Berlin. Der Paläontologe sieht sich oft mit Argumenten konfrontiert, welche die Evolutionstheorie auf pseudowissenschaftliche Weise als falsch entlarven sollen. „Manche sagen zum Beispiel, weil es Krabben schon vor 30 Millionen Jahren gab, kann es auch keine Evolution geben.“ Andere bewerteten Darwins Theorie als eine Art fehlgeleitete Religion. Die Debatte sei mitunter sehr emotional: „Bei mir in der Vorlesung sind schon Studenten aufgestanden und haben gesagt: ’Dieser Nautilus ist so schön, den kann nur ein Gott erschaffen haben.’“

Dass die biblischen Vorstellungen vom Garten Eden bei vielen verfangen, liege auch an der Sehnsucht nach „einfachen Antworten auf schwierige Fragen“, sagt Leinfelder. Der Didaktiker Graf glaubt, dass Skepsis an der Evolutionstheorie auch durch die übermäßige Betonung von Schöpfungsmythen in der Früherziehung entsteht. Manche Menschen hätten zudem ein „psychologisches Problem“ mit der Vorstellung, von Affen abzustammen. Graf organisiert im Februar in Dortmund eine Konferenz, auf der sich europäische Forscher mit den Gefahren des Kreationismus befassen.

Eine „offene Diskussion“ über Evolutions- und Schöpfungslehre wünscht sich derweil die evangelikale Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“. Vorträge von Vereinsmitgliedern würden im Darwin-Jahr von christlichen Gemeinden und Studentengruppen besonders nachgefragt, berichtet Geschäftsführer Reinhard Junker. Sein kreationistisches Werk „Evolution - ein kritisches Lehrbuch“ liegt mittlerweile in sechster Auflage vor. Dennoch stoße das Thema „Schöpfung“ auch nach 30-jähriger Tätigkeit des Vereins bei den Deutschen nicht auf steigende Resonanz, sagt der gelernte Biologe - „auch wenn wir uns das wünschen würden“.

In den USA freuen sich die Verfechter der biblischen Schöpfungslehre derweil weiter über Zuspruch. Die 6500 Quadratmeter des „Creation Museum“ haben seit seiner Gründung Mitte 2007 schon mehr als eine halbe Million Besucher gesehen.

afp

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