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Hoffnung für Patienten mit chronischer Nesselsucht

Nesselsucht-Forscher Marcus Maurer Hoffnung für Patienten mit chronischer Nesselsucht

Etwa eine Million Menschen in Deutschland leiden an Nesselsucht, auch Urtikaria (Vom lateinischen Urtica = Brennnessel) genannt. Dabei treten bei den Patienten Quaddeln am ganzen Körper auf, die schrecklich jucken und brennen – als hätte man in Brennnesseln gefasst. Außerdem bekommen rund 40% der Patienten sogenannte Angioödemen, das sind Hautschwellungen, die häufig im Gesichtsbereich auftreten.

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Wirkstoff gegen chronische Nesselsucht gefunden.

Quelle: depositphotos.com / lightpoet

Schuld an Quaddeln, Juckreiz und Hautschwellungen sind zu einem großen Teil die Mastzellen.

Dies sind Zellen der körpereigenen Abwehr, die sich unter anderem in den oberen Hautschichten befinden. Wenn die Mastzelle durch Immunglobulin E (=IgE, Antikörper, der für allergische Reaktionen verantwortlich ist) angeregt wird, schüttet diese den Botenstoff Histamin aus – was wiederum die Blutgefäße erweitert und somit die Urtikaria-Symptome auslöst.

Physisch gesehen ist der nahezu unerträgliche Juckreiz, der mit den Quaddeln einhergeht, besonders schlimm. Er treibt die Patienten schier zur Verzweiflung. Doch auch psychisch leiden sie: sehr viele Patienten leiden unter Angstzuständen oder Depressionen, einige von ihnen denken sogar an Selbstmord.

Schlafstörungen bis hin zur Schlaflosigkeit

Da die Beschwerden häufig abends am stärksten sind, leiden viele Nesselsucht-Patienten auch an Schlafstörungen bis hin zur Schlaflosigkeit. Doch damit nicht genug – häufig wird die Krankheit vom Umfeld nicht ernst genommen und Patienten geben geliebte Dinge wie Hobbies auf, isolieren sich von Familie und Freunden oder verlieren sogar ihre Arbeit. Ein normales, alltägliches Leben ist für sie nicht mehr möglich.

Marcus Mauer (Charité, Berlin) ist der Mastzell- und Urtikaria-Forscher in Deutschland. Mit seiner Grundlagenforschung hat er zum einen das wissenschaftliche Verständnis über die vielfältigen Funktionen der Mastzelle entscheidend vorangetrieben.

Zudem hat er sich auch der Erforschung einer bestimmten Erkrankung, deren Schlüsselzelle die Mastzelle ist, gewidmet: der Nesselsucht. Wie wichtig ihm seine Arbeit ist, zeigt, dass er deutschlandweit die erste Urtikaria-Sprechstunde ins Leben gerufen hat. Er war dabei ständig auf der Suche nach neuen Therapieansätzen, da bisherige Behandlungssituation für Patienten und Ärzte sehr unbefriedigend war.

Erkenntnis durch Zufall

Bei seiner Arbeit zur Nesselsucht stand der Forschungszufall Pate. Seit 2005 ist der Wirkstoff Omalizumab für die Behandlung von schwerem allergischem Asthma zugelassen. Mit diesem Wirkstoff wird verhindert, dass das IgE an die Mastzelle gebunden wird, so dass die Mastzelle kein Histamin ausschüttet und eine allergische Reaktion (also Quaddelbildung und Juckreiz) nicht ausgelöst wird.

Im Gegensatz zu schweren allergischen Asthma sind bei der Nesselsucht häufig keine Auslöser zu finden, so dass man sich die Nesselsucht häufig nur als Allergie „gegen sich selbst“ erklären kann. Ein Patient, der an Asthma und Urtikaria litt, bekam daher zur Behandlung des Asthmas Omalizumab verabreicht.

Dabei verschwanden sowohl die Asthma- wie auch die Nesselsucht-Symptome. Aufgrund von Fällen wie diesem trat Maurer an Novartis heran, um gemeinsam die Wirkung von Omalizumab auf die Nesselsucht zu erforschen. Im Jahr 2007 wurde daher ein umfangreiches Studienprogramm in diesem Bereich aufgesetzt – und Maurer war maßgeblich an mehreren wichtigen Studien beteiligt.

Neuer Wirkstoff

Ein erster Höhepunkt war die Publikation ASTERIA II-Studie in NEJM (der hochrangigsten medizinischen Zeitschrift weltweit) im März 2013. Erstautor der Studie war Prof. Maurer. Es folgten noch die Glacial- und die Asteria-Studien, an denen Maurer ebenfalls maßgeblich beteiligt war.

Dank Maurer können nun unzählige Nesselsucht-Patienten wieder aufatmen. Im Februar 2014 erfolgte die Zulassung von Omalizumab für die Behandlung der chronischen spontanen Urtikaria. Durch den Wirkstoff sind die Patienten innerhalb kürzester Zeit – meist innerhalb einiger Tage, manchmal sogar in wenigen Stunden – vollständig symptomfrei, Quaddeln und Juckreiz treten nicht mehr auf und auch die Psyche kann heilen.

Das bedeutet, dass mit Omalizumab ein jahrelanger Leidensweg beendet werden kann und den Patienten der Weg zurück in den Alltag, oder gar in neues Leben, möglich ist.

Von Niels Dahnke

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Hoffnung für Patienten mit chronischer Nesselsucht
Foto: Hoffnung für Patienten mit chronischer Nesselsucht: Therapie mit Omalizumab.

Etwa eine Millionen Menschen in Deutschland leiden an Nesselsucht, auch Urtikaria (Vom lateinischen Urtica = Brennnessel) genannt. Dabei treten bei den Patienten Quaddeln am ganzen Körper auf, die schrecklich jucken und brennen – als hätte man in Brennnesseln gefasst. Außerdem bekommen rund 40% der Patienten sogenannte Angioödemen, das sind Hautschwellungen, die häufig im Gesichtsbereich auftreten.

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