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Im Schneckenhaus auf Reisen: Tischler baut Mini-Wohnwagen

Kleinstwagen Im Schneckenhaus auf Reisen: Tischler baut Mini-Wohnwagen

Von außen ist er rund wie ein Schneckenhaus. Von innen ist der Wohnwagen so klein, dass gerade einmal eine Matratze darin Platz hat. Doch dafür wiegt das rollende Schlafzimmer auch nur 200 Kilogramm.

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Der Tischler Harald Prien baut Kleinstwohnwagen in Eigenarbeit.

Quelle: David Hecker/ddp

Es ist so leicht, dass selbst ein Fiat-500-Fahrer damit in den Urlaub fahren kann. Und genau das war die Idee von Harald Prien. Der Tischler aus Ostertimke bei Zeven in Niedersachsen baut Wohnwagen, die selbst von den kleinsten Autos wie Ente, Goggo und Smart gezogen werden können.

Prien selbst begeistert sich für Urlaub im Wohnmobil und für italienische Oldtimer. Als Präsident des Bremer Fiat-500-Clubs besitzt er zwei Fiat 500 und zwei Fiat 600. So kam er auf den Gedanken, kleinste Wohnwagen für kleinste Autos zu bauen. „Es ist ein Schlafraum für die Fahrer von Kleinstwagen, aber luxuriöser als ein Zelt“, sagt er.

Tatsächlich ist der Wohnwagen Schlaf- und Wohnzimmer zugleich. Wenn man die Matratze zusammenrollt, lässt sich der Fußboden hochklappen und mit zwei weiteren kleineren Handgriffen stehen Tisch und Bänke da. Ein Teil des Bodens wird zur Trennwand, der Rest verwandelt sich - durch einen zweiten, abgesenkten Fußboden - in Sitzbänke. „Die Idee stammt von Wohnwagen der 1930er Jahre“, erklärt der 44-Jährige. Der Tisch ist zwischen den beiden Fußböden eingebaut.

Lange brauchte Prien nicht dafür, um den Schneckenhaus-Wohnwagen zu entwickeln, der auch hinter Motorradgespanne, Quads und Trikes gehängt werden kann. Denn zuvor hatte er schon fahrende Buden gebaut, wie sie auf Jahrmärkten stehen. So wusste er, welches Material er benutzen muss und wie er den Wohnwagen wasserdicht bekommt. Prien benutzt einen dünnen und damit leichten Kunststoff, verschraubt und verklebt sämtliche Teile und dichtet sie dann gegen Feuchtigkeit ab. Knapp 40 Stunden reine Arbeitszeit braucht er, bis ein Wohnwagen fertig ist. Der Tischler arbeitet alleine, nur beim Bau des Fahrgestells hat er Hilfe von einem Schweißer.

Auch in der Caravan-Industrie geht der Trend zu sparsameren Modellen. Aspekte wie Leichtbauweise und Multifunktionalität stünden im Mittelpunkt, sagt der Caravaning Industrie Verband (CIVD) in Frankfurt am Main. „Im Jahr 2008 wurden in Deutschland 19 279 Caravans neu zugelassen“, sagt CIVD-Sprecher Christof Sambel. Über mehrere Jahre betrachtet gehe die Zahl der Caravan-Neuzulassungen leicht zurück. Kleine Caravans bilden die kleinste Gruppe der Zulassungen.

Die Kunden des Tischlers aus Ostertimke können sich zwischen zwei Modellen entscheiden, dem schneckenhausrunden und einem eckigen. Zu haben sind sie beide in den Farben blau-grau, rot-gelb, grün-weiß und schwarz-weiß. „Gekauft wird eigentlich nur der runde, der sieht einfach nostalgischer aus und passt besser in die Zeit der Oldtimer“, sagt Prien. Deshalb soll auch der eckige, in dem ein bisschen mehr Platz für die Beine unter dem Wohnzimmertisch ist und in dem es noch zwei kleine Regale gibt, in Kürze rundere Formen bekommen.

Prien baut jeden Wohnwagen genau so, wie der Kunde ihn haben will. „Wer mit einer schmaleren Matratze auskommt, kann auch Regale, einen Kühlschrank oder Kocher bekommen“, sagt er. Mit Sonderanfertigungen kennt er sich aus. Der Tischler arbeitet auch für Radio Bremen und das Bremer Theater. Der neue Polizeitresen im übernächsten Bremer „Tatort“ und Teile des Bühnenbildes des Musicals „Marie Antoinette“ sind von ihm.

3200 Euro kostet der runde, 3500 Euro der eckige Wohnwagen. 1,23 Meter ist die Liegefläche breit. „Wer zwei Meter Breite gewöhnt ist, für den ist es zu klein. Aber eigentlich reicht es für zwei Personen“, sagt Prien. Für den eigenen Familienurlaub mit Frau und zwei Kindern sei der Wagen aber zu klein. „Wir haben ja auch noch zwei Hunde“, sagt er lachend. „Aber bei Regen haben wir hier schon Tee mit vier Leuten getrunken.“

ddp

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