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Regenwald unterm Radar

Messflüge des DLR in Gabun Regenwald unterm Radar

Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) fliegen am 29. Februar im zentralafrikanischen Gabun zahlreiche Messflüge, um den Zustand des Regenwaldes zu bestimmen. Die gewonnenen Daten helfen dabei, Klimamodelle zu verbessern und die Erderwärmung besser zu verstehen.

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Teil der modernen Technologie: Radarreflektor.

Quelle: DLR

Köln. Die Kampagne wird in Kooperation mit der europäischen (Esa), der französischen (Onera), der gabunischen (Ageos) und dem amerikanischen Raumfahrtzentrum (Nasa) durchgeführt. Onera führte bereits im Juli 2015 Messflüge zur Trockenzeit durch, während das DLR und die Nasa mit insgesamt drei Flugzeugen den Regenwald zur Regenzeit erforschen.

Das Klimasystem der Erde ist hochkomplex und abhängig von einer Vielzahl von Faktoren. Eine hohe Ungewissheit in der globalen Zusammensetzung des Kohlenstoffs besteht derzeit in der Landnutzungsänderung. Circa ein Drittel der Landoberfläche der Welt ist mit Wald bedeckt. Da der Wald die Hälfte des gesamten gebundenen Kohlenstoffs in seiner Biomasse bindet, wirken sich Veränderungen (etwa durch Windwurf oder Rodungen) besonders stark aus. Deshalb ist eine globale Bestandsaufnahme des Waldes sowie deren Änderung besonders entscheidend für eine genauere Bestimmung des gebundenen Kohlenstoffs.

Der Bestand an vorhandenem Regenwald ist bisher unzureichend erfasst, und auch seine Veränderung kann bisher noch nicht regelmäßig quantifiziert werden. Ein besseres Verständnis des Bestandes und dessen Veränderung würde die globale Kohlenstofferfassung enorm verbessern. Sie führen letztendlich zu nachhaltigeren Gegenmaßnahmen zur Erderwärmung.

Gabun besteht zu 88 Prozent aus Regenwald und ist deshalb ideal für die Messkampagne. Über dem Dschungel der zentralafrikanischen Westküste messen die Forscher des DLR-Instituts für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme die oberirdisch gebundene Biomasse der üppigen Regenwald-Vegetation. Dazu haben die Wissenschaftler das DLR-Forschungsflugzeug DO 228-212 mit moderner Radartechnologie im L- und P-Band ausgerüstet.

Mit herkömmlicher Radartechnik lässt sich lediglich die oberflächliche Struktur des Regenwald-Gebiets erfassen. Das deutsche Zwillingssatellitenpaar Tandem-X beispielsweise misst die Streuung des Radarsignals an der Baumkrone - dringt aber nicht durch diese hindurch. Mit Hilfe des am DLR entwickelten flugzeuggestützten Radarsystems „F-SAR“ (SAR: „Synthetic Aperture Radar) ist es möglich, gleichzeitig in mehreren Frequenzbereichen zu messen. Die neue Radartechnik basiert auf polarimetrischer SAR-Interferometrie (Pol-InSAR). Sie ermöglicht ein breit gefächertes Messen von verschiedenen Parametern. „Dank der sehr langwelligen Radarsignale im L- und P-Band dringen wir mit unserem Radar bis zum Waldboden vor und können so den gesamten Bereich zwischen Boden und Krone erfassen“, erklärt Prof. Irena Hajnsek, Projektleiterin der AfriSAR-Mission. Aus den gewonnenen Daten wird die Höhe des Waldes errechnet und ein vertikales 3D-Profil erstellt. eb

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