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Wechsel der Anbaupflanzen erhöht Erträge

Fruchtfolgeversuche in Harste Wechsel der Anbaupflanzen erhöht Erträge

Wie lässt sich durch den Anbau verschiedener Kulturpflanzen in Folge der Artenreichtum auf dem Acker vergrößern und der Einsatz an Dünger und Pflanzenschutzmitteln verringern? Das erforschen Göttinger Wissenschaftler seit zehn Jahren in Harste. Dort befindet sich einer der größten Fruchtfolgeversuche Europas.

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Dr. Heinz-Josef Koch, Leiter der Abteilung Pflanzenbau am Institut für Zuckerrübenforschung.

Quelle: HW

Harste. „Bei den meisten Pflanzen sinkt der Ertrag, wenn sie mehrmals hintereinander auf der gleichen Fläche wachsen“, schildert Bernward Märländer, Professor für Pflanzenbau und Leiter des Göttinger Instituts für Zuckerrübenforschung, das Problem. Die Pflanzen wüchsen auf den ausgelaugten Böden schlechter. Gleichzeitig nehme ihre die Anfälligkeit gegen Krankheiten und Schädlinge zu.

„Um dem entgegenzusteuern, kam im Mittelalter die Dreifelderwirtschaft auf“, führt der Professor aus. Die Bauern hätten ein Winter-, dann ein Sommergetreide angebaut. Im folgenden Brachejahr habe der Acker als Weide gedient. Albrecht Thaer, der Begründer der Agrarwissenschaft, habe Ende des 18. Jahrhunderts anstelle des Brachejahrs den Anbau von Klee als Futtermittel eingeführt.

„Klee bindet, wie das auch bei Erbsen der Fall ist, mittels Bakterien in den Wurzeln Stickstoff aus der Luft und erhöht so die Bodenfruchtbarkeit“, sagt Märländer. Seit Erfindung des Stickstoffdüngers durch Justus von Liebig sei das aus der Mode gekommen. Heute stehe jedoch der Dünger in der Kritik, weil es Grundwasserprobleme mit Nitraten, Stickstoffverbindungen, gebe. Die Europäische Union fördere nun den Anbau von Erbsen. Das habe auch einen ökologischen Grund: Blühende Erbsenfelder seien Bienenweiden.

Neben Erbsen experimentieren die Wissenschaftler in Harste bei ihren Fruchtfolgeversuchen noch mit vier weiteren Pflanzen. „Die ertragsstärkste Kultur in unseren Breiten ist die Zuckerrübe“, berichtet Märländer. Ähnlich viel Geld lasse sich mit Raps verdienen. Die Pflanze durchwurzele den Boden stark und lockere ihn so. Weizen, der im darauffolgenden Jahr gepflanzt werde, bringe eine Tonne mehr Ertrag pro Hektar.

„Weizen, heute die wichtigste Getreideart, wird seit der Jungsteinzeit in Europa angebaut“, sagt Märländer. Schließlich forschten die Wissenschaftler in Harste über Mais. Mais zähle zu den wenigen Pflanzen, die sich ohne Ertragseinbrüche Jahr für Jahr anbauen ließen.

72 Parzellen auf 4,8 Hektar

Am Himmel kreist der Rotmilan. Über die Felder springen Hasen. Zwischen Harste und Gladebeck liegt die 4,8 Hektar große Fläche des Fruchtfolgeversuchs. Auf 72, jeweils 200 Quadratmeter großen Parzellen wachsen die zu untersuchenden Kulturen. Die Wege dazwischen 20 Meter breit, damit die Landmaschinen ausreichend Platz zum Wenden haben.

Die Versuche laufen meistens über drei Jahre. Die Pflanzen wachsen jeweils auf drei verschiedenen Parzellen gleichzeitig, damit Bodenunterschiede die Ergebnisse nicht verfälschen.

„Der Systemversuch Fruchtfolge ist beim Institut für Zuckerrübenforschung der Abteilung Pflanzenbau zugeordnet“, sagt deren Leiter, Dr. Heinz-Josef Koch. Um das Tagesgeschäft kümmert sich Dr. Anna Jacobs. Seit 2006 entstanden in Harste mehrere Promotionen sowie Dutzende Bachelor- und Masterarbeiten.

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