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Bovenden Eichen statt Sprengstoff
Die Region Bovenden Eichen statt Sprengstoff
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14:21 25.10.2018
Eichensaat auf dem dem Muna-Gelände: Stephanie Rompf sät, Detlef Brähmer fährt. Quelle: Hartwig
Lenglern

Auf dem Gelände der ehemaligen Munitionsfabrik Muna im Wald zwischen Lenglern, Harste und Parensen steht in 150 Jahren ein erntereifer Eichenwald. Am Donnerstag wurde er gesät.

Eichen werden in der Region nur selten gesät

„Eichenholz ist total trendy”, sagt Michael Rudolph von den Niedersächsischen Landesforsten. Ob das in 150 Jahren auch noch gilt, weiß keiner der Förster und Waldarbeiter, die sich am Mittwoch auf dem Gelände der Muna getroffen haben. Denn: Das Einsäen von Eicheln in den Boden mit einer kleinen Maschine ist eher selten. „Zurzeit ist das die einzige Fläche in der Region”, sagt Revierförster Klaus Wolkenhauer.

Muna-Gelände Lenglern: Brähmer (r.) und seine Kollegen säen Eichen. Quelle: bib

Üblich ist es, dass kleine Bäumchen gepflanzt werden. Um mit seiner Saatmaschine arbeiten zu können, dafür braucht es eine vergleichsweise große Fläche. Und die muss aufgeräumt sein. Große Stucken beispielsweise würden diese Arbeit unmöglich machen. „In den Landesforsten arbeiten wir aber nach dem Löwe-Prinzip”, erklärt Rudolph. Löwe steht für langfristiges ökologisches Wirtschaften, Monokulturen sollen künftig reduziert und durch Mischwälder ersetzt werden. Das heißt, es bleibt auch Wurzelwerk und Altholz liegen.

Auf dem Muna-Gelände sieht die Sache ganz anders aus. Seit zwei Jahren werden dort Munitions- und Sprengstoffreste gesucht, gefunden und gesichert. Sprengkrater überall auf der Fläche zeugen von den Funden, noch immer suchen Fachleute mit Sonden die Flächen ab.

Eichenwald auf zwei Hektar Fläche

Einige sind allerdings bereits völlig frei von Altlasten und auch von Altholz. Auf einer zwei Hektar große Fläche können dort also Waldarbeiter Detlef Brähmer und seine Männer Eichen säen. An Brähmers Trecker hängt ein Anhänger, in den sich heute Forstanwärterin Stephanie Rompf an die Eichelsaat macht. „Wir fahren mit 0,6 bis 0.9 Stundenkilometern”, erklärt Brähmer. Rompf steckt Eicheln in einen Trichter, der sie in die gezogene Furche befördert. Der Abstand sei „Fingerspitzengefühl”, sagt die junge Frau.

 

Diese Saattechnik, so erklären es Rudolph und Wolkenhauer, wurde nach dem Jahrhundert-Orkan 1972 verbreitet eingesetzt. Damals mussten riesige Flächen wieder aufgeforstet worden. Heute, so Wolkenhauer, arbeite man aber bodenschonender. Das Saatgut für den künftigen Eichenwald bei Harste stammt aus der Region – aus der Gemeinde Staufenberg. Forstanwärterin Dajana Hausmann hat dort, mithilfe einiger Studenten, zentnerweise Eicheln gesammelt. In diesem Jahr gab es besonders viele der Früchte. „Wir hatten Vollmast”, sagt sie. Vollmast heißt, dass fast alle Bäume in diesem Jahr Früchte trugen, das komme nur alle sieben bis zehn Jahre vor.

Anwärterin Dajana Hausmann mit Saat-Eichel. Quelle: bib

Als Saatgutlieferanten kommen nur wenige, besonders vitale Traubeneichen in Frage. Hausmann hat sie gezielt in der Region gesucht und bei Escherode gefunden. Nun kommt ihre Ernte in die Erde. Zusätzlich wird Roggen auf den Flächen gesät. Er wurzelt tief und „erschließt”, den Boden, so Rudolph. Das hilft den jungen Eichen beim Wachen. Denn: Die deutsche Eiche ist alles andere als anspruchslos. Ohne jahrelange Pflege würde sie nur im geringen Umfang gedeihen und Buche und Brombeere unterliegen.

Von Britta Bielefeld

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