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Bovenden 60 Tonnen Munitionsschrott ausgebuddelt
Die Region Bovenden 60 Tonnen Munitionsschrott ausgebuddelt
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17:08 14.11.2018
Sprengstoffräumung im Wald bei Lenglern. v.l.: Alexander Maudanz, Michael Lücke und Gerd Kühnl mit Munition. Quelle: CHH
Lenglern

Vor zwei Jahren haben die Arbeiten begonnen, jetzt sind sie fast abgeschlossen: Noch in diesem Jahr wird die zwei Hektar große Fläche der ehemaligen Munitionsfabrik Muna von Sprengstoffen befreit sein. 11 000 sogenannte Sprengmittel – überwiegend Bomben – haben Spezialisten dort aus dem Boden geholt.

Tonnenweise Bomben und Munitionsschrott

Zwölf Hektar groß ist die Fläche zwischen Harste, Lenglern und Parensen, auf der die Überreste der Muna im Boden verstreut und versteckt sind. Bis zu fünf Meter tief in der Erde finden sich die Überbleibsel der Munitionsanstalt: tonnenweise Splitter aber auch jede Menge scharfer Bomben, nämlich etwa 11 000. Dazu kommen 60 Tonnen Splitter, die die Mitarbeiter der Firma M.A.K.S dort bereits aus dem Boden geholt haben. Das erklärt deren Chef, Alexander Maudanz. „60 Bomben mussten zudem direkt vor Ort gesprengt werden, weil es zu gefährlich wäre, sie zu transportieren”, fügt Dirk Müller vom niedersächsischen Kampfmittelbeseitigungsdienst hinzu. Vor allem die kleinen SD1 Bomben sind es, aber auch die größeren SD2-Modelle, die auf dem Muna-Gelände liegen. Die mit Sprengstoff gefüllten Bomben zersplittern bei Zündung. Bis zu 700 Bomben holen die Männer in einer Woche aus dem Boden.

Fünf Meter tiefe Krater

Von der Wucht der Sprengstoffe aus dem Zweiten Weltkrieg zeugen die mehr als fünf Meter tiefen Krater auf der Fläche. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Bestände der ehemaligen Wehrmachts-Produktion in Lenglern dort in die Luft gejagt. Die Reste finden sich überall im Wald. Doch das ist bald vorbei. „Ende des Monats aber spätestens im Dezember sind wir hier fertig”, sagt Michael Lücke von den Landesforsten, in deren Besitz das Gelände ist. Rund 1, 5 Millionen Euro sind dann in die Sanierung geflossen. Die Wiederaufforstung des Waldes wird parallel vorn getrieben.

Noch aber laufen die Arbeiten, noch suchen Männer mit Metalldetektoren über die Flächen, noch werden wöchentlich vier Container voll Munitionsschrott nach Munster gebracht. „Die Splitter werden zunächst von Hand darauf geprüft, ob noch Sprengstoff daran klebt”, erklärt Holger Kiel vom Ingenieurbüro Döring. Danach kommen sie zur Entsorgung in einen Ofen und werden dann zu ganz normalem Schrott.

Muna: Bundesweites Pilotprojekt

Auf den geräumten Flächen müssen sich die Experten auch um die Verunreinigungen im Boden, beispielsweise durch den Sprengstoff TNT, kümmern. „Das hier ist ein Pilotprojekt”, erklärt Martin Gries vom Landkreis Göttingen. Bundesweit habe man dieses Verfahren nur in einem kleinen Versuch in Bayern getestet, hier komme es erstmals auf einer großen Fläche zum Einsatz. Knapp 40 Sprengtrichter haben die Fachleute gefunden. Dort ist die Belastung am größten. Die Trichter werden nun in einem neuen Verfahren schichtweise mit Kompost und Boden aufgefüllt. „Der Kompost bindet die Schadstoffe, sie gehen sehr schnell eine feste Verbindung ein, die nicht auszuwaschen ist”, erklärt Gries. Die vier am stärksten kontaminierten Trichter werden ständig überprüft, eine Tiefenbohrung lässt ein penibles Monitoring des Wassers und des Bodens in unterschiedlichen auf eine TNT-Belastung zu. Die restliche Fläche wird mit einem System aus Gräben, Kompostgruben und kleinen Teichen durchzogen, in denen das Wasser ebenfalls gereinigt wird. Auch Sonnenlicht zersetzt TNT. Das Muna-Gelände steht auf Gestein aus der Zeit des Keuper, es ist ein dichter, wasserundurchlässiger Boden. „Ein Glücksfall” sagt Gries. Noch aber kann es sein, dass Bomben im Boden stecken. „Niemand sollte auf dem Gelände vom Weg abweichen“, rät Lücke.

Von Britta Bielefeld

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