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Bovenden „Tatort als gemeinsames Lagerfeuer“
Die Region Bovenden „Tatort als gemeinsames Lagerfeuer“
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00:19 11.09.2017
Quelle: scharf
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Bovenden

Wie hat sich die Medienlandschaft verändert und wie verändert sich gerade heute das Nutzungsverhalten? Diesen Fragen sind Historiker Dirk Schumann und Medienpädagoge Sascha Prinz am Freitagnachmittag auf Einladung der Bovender SPD nachgegangen.

Anlass der Veranstaltung in der AWO Begegnungsstätte war die Eröffnung der Dauerausstellung zum 140. Geburtstag des SPD-Parteiorgans „vorwärts“, die von der Flensburger Professorin für Public History Astrid Schwabe konzipiert wurde. Ihr Kollege Schumann forscht an der Universität Göttingen mit dem Schwerpunkt auf dem 20. Jahrhundert.

Seine Einführung spannte den historischen Rahmen von der in die Entwicklung der modernen Medienwelt 1890 bis in die Gegenwart. Er beschrieb die entstehende Vielfalt zur Jahrhundertwende, das Aufkommen von Generalanzeigerpresse, Boulevard und Illustrierten ebenso wie die Propaganda der Kriegsjahre oder die Radikalisierung der Medien in der Weimarer Republik. Schumann beleuchtete außerdem die Rolle des Rundfunks und des Kinos im dritten Reich und landete schließlich über die Lizenzpresse im Nachkriegsdeutschland in der jüngsten Geschichte.

Dass sich der immerwährende Medienwandel in der Gegenwart besonders drastisch vollzieht, beschrieb Prinz. Durch Digitalisierung und Individualisierung sei heute jeder gleichzeitig Sender und Empfänger von Nachrichten. Jeder schicke seine Botschaften in die Welt und empfange aus aller Welt. Zudem sei nie zuvor der Zugang zu Informationen so einfach gewesen, so der Medienpädagoge. Um so erschreckender sei es, dass sich gleichzeitig so viele Menschen falsch informieren lassen.

Dass viele Phänomene der neuen Medien sich in der Geschichte wiederholen, machte Schumann deutlich. Stichwort Fake-News: „Das Gerücht war zu jeder Zeit eine beliebte Nachricht.“ Hier habe sich bestenfalls die Art der Übermittlung professionalisiert. Aus Stammtischen seien Whatsapp-Gruppen geworden. Und auch das öffentliche Selbstmarketing, wie es sich bei Youtube beobachten lässt, habe schon Kaiser Wilhelm betrieben – und auch er wurde dafür belächelt.

Prinz wagte abschließend einen Ausblick: „Der Medienkonsum wird sich weiter individualisieren. Nur der Tatort bleibt uns am Ende als gemeinsames Lagerfeuer.

Von Markus Scharf

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