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Bovenden Vier Stolpersteine erinnern an jüdische Familien
Die Region Bovenden Vier Stolpersteine erinnern an jüdische Familien
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00:19 04.09.2017
Gunter Demnig setzt die Stolpersteine vor dem letzten Wohnsitz der Familien Jacobs und Lilienthal. Quelle: Bänsch
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Bovenden

Der Wahlpflichtunterrichtskurs Geschichte der Integrierten Gesamtschule Bovenden (IGS) hat im Unterricht über deportierte Bovender Bürger im Nationalsozialismus recherchiert. Nun wurden vier Stolpersteine Auf dem Thie 8 in Bovenden als Denkmal für zwei jüdische Familien gesetzt.

Vor eineinhalb Jahren begann der Geschichtskurs des siebten Jahrgangs der IGS Bovenden, sich intensiv im Unterricht mit dem Nationalsozialismus zu beschäftigen. „Dazu entschieden sich die Schüler ganz alleine“, sagt Kurs-Lehrerin Franziska Bömeke. Die Schüler recherchierten schließlich über jüdische Bewohner des Fleckens Bovenden im Nationalsozialismus und stießen dabei auf zwei Familien, für die am Freitag vier Stolpersteine vor ihrem letzten Wohnsitz gesetzt wurden.

Steine sollen Menschen ins Stolpern bringen

„Die Steine sollen die Gedanken der Menschen ins Stolpern bringen“, sagt Gemeindebürgermeister Thomas Brandes. Der jetzige Hauseigentümer, die Mitglieder des Ortsrates Bovenden, die Verwaltung des Flecken Bovenden und alle beteiligten Schüler und Lehrer haben dieser Aktion uneingeschränkt zugestimmt und sie unterstützt. Der Künstler Gunter Demnig setzte die Messing-Pflastersteine mit Namen und Daten der deportierten Bovender. Schüler und Besucher legten Rosen um die vier Stolpersteine. Es ist das erste Denkmal zu den Geschehnissen des Nationalsozialismus in Bovenden.

Erstmalig wurde jüdisches Leben in Bovenden im 15. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Mehr als 15 jüdische Familien lebten drei Jahrhunderte später in der Gemeinde. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 lebten nur noch zwei jüdische Familien im Ort – die Familien Jacobs und Lilienthal.

Max überlebte als einziges Familienmitglied die Deportation

Julius Jacobs, seine Frau Rosa und ihr gemeinsamer Sohn Hans Hermann wurden am 26. März 1942 von Bovenden in das Warschauer Ghetto deportiert und galten seitdem als verschollen. Rosa Jacobs Bruder, Max Lilienthal, wurde am 20. Juli 1942 über Göttingen in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Er überlebte als einziges Familienmitglied die Verbrechen des Nationalsozialismus und ließ seine Schwester, seinen Neffen und Schwager später für tot erklären. Nach dem Krieg kehrte Lilienthal nach Bovenden zurück und verstarb dort am 5. August 1971.

„Max hat in Göttingen eine große Rolle gespielt“, sagt Katja Langenbach von der jüdischen Gemeinde Göttingen. Er habe über Jahrzehnte dafür gekämpft, dass es die jüdische Gemeinde und einen Ort, an dem Juden beten können, wieder gibt. In seinem Wohnzimmer soll ein Bild mit der Schrift „Theresienstadt, vergesst das nie“ gehangen haben, sagt Brandes. „Deshalb bin ich davon überzeugt, dass wir mit den Stolpersteinen in seinem Sinn gehandelt haben. Sie sind jetzt an einer Stelle, die wir Bewohner von Bovenden alltäglich sehen.“

Von Kimberly Fiebig

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