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Dransfeld Thomas Oppermann informiert sich im Schweinestall in Ossenfeld
Die Region Dransfeld Thomas Oppermann informiert sich im Schweinestall in Ossenfeld
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00:23 27.09.2018
Die SPD- Abgeordneten Thomas Oppermann (l.) und Gerd Hujahn (3.v..l.) zusammen mit Kreislandwirt Hubert Kellner (2.v.l.) im Schweinestall von Heino Sohnrey. Quelle: Niklas Richter
Ossenfeld

Der Bundestag hatte die neue Regelung beschlossen, der Bundesrat am Freitag eine Fristverlängerung abgelehnt. „Wir brauchen diese Fristverlängerung, damit wir Lehrgänge besuchen und wir brauchen eine Gesetzesänderung, damit Landwirte die lokale Anästhesie durchführen können“, sagte Gastgeber Heino Sohnrey.

Landwirte dürfen selbst kastrieren

Die Landwirte dürften die Kastration selbst vornehmen. Daran solle sich auch in Zukunft nichts ändern. Mit einem Schmerzmittel würden die Tiere bislang auf die Kastration vorbereitet, bevor mit wenigen Schnitten die Hoden entfernt würden, erläuterte Hubert Kellner, Vorsitzender des Landvolks Göttingen (Kreisbauernverband). Um der neuen Betäubungsvorschrift gerecht werden zu können, sei es Wunsch der Landwirte, dass sie selbst mit einer örtlichen Betäubung wie beim Zahnarzt den Schmerz ausschalten. Dies sei eine in Skandinavien angewandte Regelung, erklärte Kellner.

Alternativen seien, dass mit einer Spritze die Geschlechtsreife ausgeschaltet werde. Eine solche Lösung habe in Belgien dazu geführt, dass die Verbraucher das Fleisch nicht mehr akzeptierten. Eine weitere Variante sei die Inhalation von Betäubungsgas, was nach Kellners Worten aufgrund der unterschiedlichen Gewichte der Tiere schwierig umzusetzen sei.

Bauern befürchten wirtschaftliche Probleme

Die anstehende Änderung sei zwar seit langem bekannt gewesen, aber kein Verfahren entwickelt worden. Es habe immer wieder Streit gegeben, ob die angedachten Möglichkeiten tiergerecht seien oder nicht, erklärte Kellner. Sollte das Gesetz wie geplant zum 1. Januar 2019 in Kraft treten, werde es die Landwirte vor große wirtschaftliche Probleme stellen. Der Markt wolle dann nur noch kastrierte Ferkel. „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand“, betonte der Kreislandwirt.

Oppermann sagte zu, sich für ein „gründliches, aber schnelles Verfahren“ einzusetzen, damit in diesem Jahr noch eine Lösung gefunden werden könne. Er plädierte für den skandinavischen Weg und erinnerte daran, dass eine Million Ferkel im Monat von dort nach Deutschland importiert würden. Bei einer Anhörung sollte sich auch ein Vertreter aus Skandinavien zu der dortigen Praxis äußern. Zu einer tierwohlgerechten Haltung gehöre ein Kastrationsverfahren, das praktikabel für die Landwirte sei, „und wir brauchen die Zulassung des entsprechenden Schmerzmittels“.

Bei einem Rundgang erläuterte Sohnrey den Gästen, wie digitale und Tierwohl-Kriterien den Alltag im Schweinestall am Rande von Ossenfeld bestimmen. Von der Geburt bis kurz vor der Schlachtung leben die Tiere in unterschiedlichen Altersklassen im Stall und sind dabei aufgeteilt in kleine Gruppen. Alle Sauen tragen einen Chip im Ohr, den sogenannten Transponder. Für jede der Sauen ist eine digitale Karteikarte hinterlegt, auf der unter anderem die Zahl der Würfe nebst jeweiligen Ferkeln hinterlegt ist.

Datenbank liefert viele Informationen

In der Datenbank der Tierzüchter steht aber noch viel mehr über die Sauen: Impfungen zum Beispiel, und wie viel sie fressen. Monitore zeigen im Stall, wie viel ein Tier frisst. So lässt sich die Futterzufuhr steuern.

Von oben zischt gelegentlich feines Sprühwasser in die Luft. Dies ist die Schweineklimaanlage, die ebenfalls elektronisch gesteuert wird. Gelegentlich werden auch Kräuter in das Wasser gemischt. Wenn die Sauen ihre Ferkel bekommen, stehen sie bei Sohnreys in besonderen Boxen, die es dem Muttertier erlauben, in einem Gitterstand geschützt zu liegen, aber auch in eine Auslaufecke zu gehen. Dies mindere das Risiko, dass Ferkel zu Tode gequetscht würden.

Von Axel Artmann

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