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Dransfeld Folgt bald auch Dransfeld?
Die Region Dransfeld Folgt bald auch Dransfeld?
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15:25 30.01.2017
Dransfeld

Ulrich Maschke (Linke), Mitglied des Stadtrates Dransfeld, will an dem Thema dranbleiben. Zuletzt habe er einen Antrag im Stadtrat eingebracht, um die Heinrich-Sohnrey-Straße umzubenennen. Von dort sei die Angelegenheit in den Bauausschuss verwiesen worden. „Es ist doch ein Unding in einer Zeit, in der der ‚Freundeskreis‘ sein Unwesen treibt, so eine Nazi-Verherrlichung aufrechtzuerhalten“, sagt Maschke.
Von einem „überzeugten Nationalsozialisten“ sprach schon 2011 der Germanist Professor Frank Möbus. 2011 beschloss auch der Kreistag Göttingen die Umbenennung der ehemaligen Sohnrey-Realschule in Hann. Münden – heute die Drei-Flüsse-Realschule; 2014 wurde in Göttingen eine Sohnrey-Straße umbenannt; 2015 entschied der Senat der Universität Göttingen, Sohnrey die Ehrenbürgerschaft der Universität abzuerkennen. Zur Vorbereitung der Entscheidung wurde vom Göttinger Historiker Professor Dirk Schumann eine 24-seitige Stellungnahme erarbeitet, die eine Distanzierung von der Person Heinrich Sohnrey empfahl.
Schumann sieht eine „fremdenfeindliche und rassistische Tendenz in seinem Werk […], die schon vor 1914 erkennbar ist und sich insbesondere nach 1933 weiter zuspitzt. Seine Bekundungen der Unterstützung für das nationalsozialistische Regime waren nicht nur taktisch motiviert, sondern auch von echter Überzeugung und partieller Übereinstimmung mit dessen Zielen getragen. Von dieser Tendenz seines Denkens hat sich Sohnrey auch in der Nachkriegszeit nicht distanziert.“

Termin

Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt des Stadtrates Dransfeld befasst sich in seiner Sitzung am Dienstag, 7. Februar, um 18 Uhr im großen Besprechungsraum des Rathauses, Kirchplatz 1, mit der Forderung nach einer Umbenennung der Sohnrey-Straße. Ein weiteres Thema ist der Bebauungsplan "Pellenäckern".

Dirk Aue, Leiter des Bau- und Ordnungsordnungsamtes in Dransfeld, beobachtet indes keine intensive Diskussion um das Thema Sohnrey in der Stadt, obwohl die Idee einer Umbenennung immer mal wieder auftauchte. Seitens der Verwaltung bestehe aber auch kein großes Interesse an einer Umbenennung. Die Sohnrey-Straße ist eine der längsten Straßen in der Stadt mit ganz überwiegend Wohnbebauung – 219 Personen haben hier ihren Hauptwohnsitz – und einem sehr prominenten Anlieger: der VR-Bank in Südniedersachsen.
„Wir halten uns aus der politischen Diskussion komplett heraus“, sagt Vorstand Jens Ripke. „Wir wissen, dass die Person umstritten ist. Aber allein aus der finanziellen Belastung heraus können wir als Unternehmer nur gegen eine Umbenennung sein.“
Zu Sohnrey gebe es konträre Meinungen, sagt der Samtgemeindebürgermeister und Dransfelder Stadtdirektor Mathias Eilers (SPD). Das Thema solle im Fachausschuss gründlich diskutiert werden. Dabei solle auch die in Jühnde ansässige Heinrich-Sohnrey-Gesellschaft einbezogen werden.

Einmal große Umorganisation

Mit einer Umbenennung geht keine Schadensersatzpflicht der Kommune einher, so Hartmut Kompart, Leiter des Fachdienstes Geoservice und Grundstücke der Stadt Göttingen. Normalerweise würden die Betroffenen einzeln benachrichtigt, andere Dienststellen der Stadtverwaltung sowie verschiedene Behörden wie das Finanzamt werden informiert. Bei der Änderung der Fahrzeugpapiere verzichte man auf die Gebühr. Probleme könnten aber beim Paketversand auftreten, wenn die neue Adresse erst verspätet in die Navi-Software aufgenommen wird.
Der Bürger muss zudem selbst schauen, welche Korrespondenzpartner er noch benachrichtigen muss. Die Post spricht von einer Übergangszeit von etwa sechs Monaten, in der die alte Adresse noch von der Software berücksichtigt wird.
Doch auch noch nach Jahren kann Post an die alte Adresse ankommen, so Jens-Uwe Krüger, Geschäftsführer des Seniorenzentrums Göttingen. Das Zentrum liegt am Ingeborg-Nahnsen-Platz (bis 2005 Saathoffplatz). „Nach zehn Jahren sind Briefe mit dem alten Namen sehr selten geworden. Umgangssprachlich kommt er wesentlich häufiger vor, besonders bei den Taxifahrern.“ Die Kosten für die Umbenennung hätten etwa 5.000 Euro betragen, ein „noch überschaubarer Betrag“.
Von etwas anderen Dimensionen geht Jens Ripke, Vorstand der VR-Bank in Südniedersachsen, aus, sollte es zu einer Umbenennung der Sohnrey-Straße in Dransfeld kommen: Die Kosten werden „weit im fünfstelligen Bereich“ gesehen. „Die finanzielle Belastung ist für ein Unternehmen tragbar, aber unglücklich.“

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