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Duderstadt Fast jeder fünfte Südniedersachse ist von Armut bedroht
Die Region Duderstadt Fast jeder fünfte Südniedersachse ist von Armut bedroht
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07:47 08.10.2018
Armut ist weit verbreitet in Deutschland. Quelle: Inga Schauenberg
Duderstadt

Der Caritasverband Südniedersachsen zeigt sich in seinem Bericht „Armut in unserer Region“ alarmiert über die vom Landesamt für Statistik veröffentlichten Zahlen über Menschen, die von Armut bedroht sind. Der römisch-katholische Wohlfahrtsverband verweist auf seine Schuldnerberatungsstelle in Duderstadt und gibt Hinweise zum Pfändungsschutzkonto.

Die Caritas bezieht sich auf den Armutsbericht des Landesamtes für Statistik Niedersachsen von 2017. Demnach sind im Vergleich zum Rest des Bundeslandes in Südniedersachsen mehr Menschen von Armut betroffen.

Wer ist armutsgefährdet?

So lag die Armutsgefährdungsquote im Jahr 2016 in Niedersachsen bei 16 Prozent. In Südniedersachsen lagen der Caritas zufolge in den Jahren von 2008 bis 2015 zwischen 18 und 19,7 Prozent der Menschen mit ihrem Einkommen im armutsgefährdeten Bereich. Damit war in diesem Zeitraum fast jeder fünfte Südniedersache von Armut bedroht. Für 2016 legte der Verband keine Zahlen vor. Bundesweit reichte die Armutsspanne 2016 von 12,0 Prozent in Thüringen bis 18,3 Prozent in Hamburg.

Als armutsgefährdet gelten alle Bürger mit einem monatlichen Nettoeinkommen von weniger als 60 Prozent des regionalen Durchschnitts, gemessen am Median. Die Armutsgefährdungsschwelle lag 2016 in Niedersachsen für einen Einpersonenhaushalt bei 953 Euro, für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren bei 2.002 Euro.

Wenn das Licht ausgeht: Energiearmut

Ein Teilaspekt von Armut ist die Energiearmut. So wurde im Jahr 2016 mehr als 330 000 Haushalten in Deutschland der Strom abgestellt. Betroffene sind oftmals Bezieher von Grundsicherungsleistungen. Eine Ursache ist häufig eine generelle Überschuldung.

„Ein Problem ist, dass viele Menschen sich ihrer Zahlungsunfähigkeit schämen und sich daher von Freunden und ihrem sozialen Umfeld zurückziehen”, erläutert Thomas Pohl von der Schuldner- und Insolvenzberatung in Duderstadt. In einem solchen Fall sei ein objektiver externer Vermittler zwischen den Schuldnern und ihren Gläubigern sehr wichtig. In den Zentren der Caritas Südniedersachsen in Duderstadt und Herzberg können Betroffenen eine solche Schuldnerberatung in Anspruch nehmen.

Schuldnerberatung verhilft zum P-Konto

Ziel sei es, gemeinsam mit den Schuldnern ein Gesamtkonzept zur Schuldentilgung zu entwickeln, erklärt Pohl. Teil davon ist häufig ein Pfändungsschutzkonto, auch P-Konto genannt. Dadurch kann Geld, das auf dem Konto liegt oder zum Beispiel durch Sozialleistungen eingezahlt wird, vor der Pfändung geschützt werden. Der Grundfreibetrag beträgt rund 1130 Euro, von denen Primärschulden wie Strom und Miete bedient werden können. So lässt sich vermeiden, dass der Strom abgestellt oder die Wohnung gekündigt wird. Voraussetzung ist, dass die Schuldner frühzeitig handeln und sich bereits an die Schuldnerberatung wenden, wenn die ersten Mahnungen im Briefkasten landen.

Von Katharina Meyer

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