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Duderstadt Ausstellung zur Altersarmut in Duderstadt eröffnet
Die Region Duderstadt Ausstellung zur Altersarmut in Duderstadt eröffnet
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20:41 15.03.2019
Eröffnung einer Fotoausstellung zum Thema Altersarmut im AWO-Bürgertreff in Duderstadt (von links): Renate Krenz, Dagmar Schlapeit-Beck und Petra Gande. Quelle: Rüdiger Franke
Duderstadt

„Wir freuen uns, dass nach einer spontanen Idee, die gemeinsam mit Bürgertreff-Leiterin Petra Gande entstanden sei, die Fotos nun hier hängen dürfen“, erklärte Renate Krenz aus dem Vorstand des Awo-Ortsvereins Göttingen bei der Ausstellungseröffnung am Freitag. Zuvor sei die Ausstellung in Göttingen gezeigt worden. Die Künstlerin Cynthia Rühmekorf habe Fotografie als Schwerpunkt in ihrem Grafik- und Designstudium gehabt. Sie stelle bei ihren Fotografien die Menschen in den Mittelpunkt. Sie habe Bilder zur Sexarbeit, zur Abschiebehaft von Frauen, zu Kinderarmut und eben auch Altersarmut erstellt. „Es geht ihr um die besonderen Individuen, die sie darstellt“, betonte Krenz. Sie habe schon Bilder im Auftrag der rheinland-pfälzischen Landesregierung geschossen, für den DGB und immer wieder für die Awo.

Aktuelle Thematik

Die Fotos der aktuellen Ausstellung seien zum Teil schon in den 1990er-Jahren aufgenommen worden, berichtete Krenz. „Sie sind aber immer noch aktuell.“ Rühmekorf habe lange mit den Leuten gesprochen und deren Lebenssituation analysiert. Da sei zum Beispiel der 60-jährige ehemals selbstständige Informatiker, der nach zwei Schlaganfällen nicht mehr arbeitsfähig sei und von dem sich Frau und Tochter getrennt haben. „Er sitzt allein auf einer Bank“, ist Krenz von dem Schicksal berührt, ebenso wie von dem des 77-jährigen Schäfers, der auf Grundsicherung angewiesen ist. Ein ganz besonderes Bild sei aber auch das der 76-jährigen Agnes. „Sie hat zwölf Kinder und zum Zeitpunkt der Aufnahme 241 Euro Rente“, sagt Krenz. „Wo bleibt da die Fürsorge der Gemeinschaft?“, fragt sie und zitiert aus Artikel 6 des Grundgesetzes: „Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.“

Eröffnung einer Fotoausstellung zum Thema Altersarmut im AWO-Bürgertreff in Duderstadt (von links): Renate Krenz, Dagmar Schlapeit-Beck und Petra Gande Quelle: Rüdiger Franke

Armutsgefährdungsschwelle

Wer weniger als 917 Euro zur Verfügung hat, gelte in Deutschland als arm, erklärte die Göttinger Sozialdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck. Zu den Menschen, die unterhalb dieser Armutsgefährdungsschwelle leben würden, zählten besonders viele Rentner und Frauen. Es gebe viele Rentner, deren Rente niedriger sei als die staatliche Grundsicherung von 424 Euro plus Miete. Doch ebenso verbreitet sei die verschämte Armut, denn in so einem Fall würde die Unterhaltspflicht der Kinder greifen.

Frauen häufiger betroffen

Frauen seien stärker betroffen, weil sie oft lange Erziehungszeiten hatten und häufig nur in Teilzeit gearbeitet hätten. Hinzu komme das Lohngefälle, dass Frauen im Schnitt 21 Prozent weniger verdienen würden. Und auch mit Witwenrente seien sie schlechter bestellt, weil sie dann nur noch 60 Prozent der Rente des Mannes erhalten würden. Allerdings seien die Frauen in Westdeutschland stärker betroffen, weil Frauen in der ehemaligen DDR häufiger in Vollzeit beschäftigt gewesen seien.

Massenarbeitslosigkeit

Bei Vollzeitbeschäftigung sei mindestens ein Stundenlohn von 14 Euro nötig, um wenigstens das Niveau der Grundsicherung zu erreichen. Langzeitarbeitslosigkeit und chronische Erkrankungen seien häufig auch Gründe, warum Menschen niedrige Renten erhalten. Sie verwies dabei auf die Zeit der Massenarbeitslosigkeit in den 90er-Jahren.

Allein

Die Fotos der Ausstellung würden die Situation der Menschen gut einfangen, so Schlapeit-Beck. Sie seien allein, legten aber Wert auf eine saubere Umgebung. Ihnen fehle das Geld um an der Gesellschaft teilzuhaben. Ein Zeichen sichtbarer Armut sei zum Beispiel das Sammeln von Flaschen. „Wir müssen und politisch einsetzen, dass es bessere Rente für alle gibt.“

Von Rüdiger Franke

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